Torhüterverhalten

Wie der Name Torhüter oder Torwart bereits ausdrückt, bestand in den Anfängen des Spiels die vorrangige Aufgabe eines Torhüters darin, ein Tor des Gegners durch eine entsprechende Abwehraktion zu verhindern. Erst im Laufe der Zeit hat sich ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass die Spieleröffnung des Torhüters nach eigenem Ballbesitz ebenfalls von großer Bedeutung ist. Spätestens seit der Einführung der Rückpassregel ist der Torhüter in modernen Spielsystemen stark in das Aufbaupiel der Mannschaft einbezogen worden, d.h. es hat eine zusätzliche Verlagerung des Torwartspiels in Richtung Offensivspiels stattgefunden. Deshalb ist es heutzutage, wo der Aktionsradius einen Torhüters bis über die Strafraumgrenze hinaus ausgedehnt worden ist, ein Wertmaßstab für die Qualität eines Torhüters, wie gut er das Offensivspiel beherrscht.

Interessant war daher, die europäischen Spitzentorhüter bei der EM 2008 einmal dabei zu beobachten, welche Torhüteraktionen sie in welcher Häufigkeit und zu welchen Anteilen durchführten. Dabei stand zunächst die Frage im Raum, ob die Defensiv- oder Offensivaktionen im modernen Torwartspiel überwiegen.

Zunächst ist wichtig, die beiden Begriffe klar zu definieren:
Unter Defensivaktionen sind Aktionen gemeint, die zum Ziel haben, einen Torerfolg des Gegners zu verhindern. Dazu zählt das Fangen oder Fausten von Bällen, sei es nach Torschüssen oder Flanken, das Ablenken von Bällen auf verschiedene Arten inklusive der Fußabwehr sowie 1-gegen-1-Situationen.

Unter der Bezeichnung Offensivaktionen sind alle Torwarttechniken zusammen-gefasst, die die Spieleröffnung zum Ziel haben. Dazu zählen der kurze und weite Bodenabstoß, der Handabschlag, das Zurollen des Balles sowie die verschiedenen Abwurftechniken.  Außerdem sind in dieser Rubrik die Rückpässe zum Torhüter mit berücksichtigt.

Betrachtet man die Grafik, so lässt sich feststellen, dass die Torhüter bei der EM 2008 weit mehr Aktionen im Offensivverhalten zu leisten hatten als im Defensivbereich.

So entfallen 2071 (73 %) der 2812 beobachteten Aktionen auf die Offensive und
741 (27 %) auf die Defensive. Nicht zu Unrecht spricht man deshalb beim Württembergischen Fußballverband vom Torspieler statt vom Torhüter, um dieses veränderte Rollenverständnis zum Ausdruck zu bringen.

Eine Konsequenz aus diesem Ergebnis muss sicherlich sein, dass Offensivelemente verstärkt ins Torwarttraining eingebaut werden müssen.

Trotz des eindeutigen Übergewichts der Offensivaktionen sollte man aber nicht vergessen, dass Spiele häufig über wenige Defensivaktionen entschieden werden. Manchmal reicht eine hervorragende Parade des TH im Spiel aus, um als Sieger das Spielfeld zu verlassen.

Bedruckbar mit deinem Namen und deiner Lieblingsnummer DFB-Home Trikot

Torwarthandschuhe WM-Sondermodelle

In diesem Buch präsentiert Christoph Anrich ein Konzept zur sicheren Leistungs-steigerung und Verletz-ungsprophylaxe. Er zeigt, wie mit verblüffend einfachen Übungen und Methoden Topleistung zuverlässig und regelmäßig abrufbar wird und Verletzungen vermieden werden.

Das Buch  "Leistung steigern, Verletzungen vermeiden" gibt's im goalkeeping.com-shop