Torhüter im Vergleich
Wie oft wurden pro Spiel Rückpässe zum Torhüter gespielt?
Wie bereits unter Beobachtungsschwerpunkt 5 festgestellt, machte bei der EM 2008 der Anteil der Rückpässe zum Torhüter mit 17 % einen recht hohen Anteil an den Gesamtaktionen der Torhüter aus, denn in ca. 1/6 aller Torhüteraktionen mussten die Torhüter Rückpässe von Mitspielern verarbeiten.
Aus dieser Erkenntnis heraus ist es interessant, einmal zu beobachten, wie oft die Torhüter der EM pro Spiel Rückpässe verarbeiten mussten und ob es größere Unterschiede unter den verschiedenen Torhütern in der Häufigkeit der Rückpässe gab.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung kommen in der folgenden Grafik zum Ausdruck:

Wie die Grafik zeigt, wurde kein Torhüter mehr mit Rückpässen angespielt als Edwin Van der Sar, dessen Mitspieler durchschnittlich 17,6-mal pro Spiel den Ball zu ihm zurückspielten. In zwei Spielen wurde er 18-mal, in einem Spiel 17-mal von seinen Mitspielern gesucht. Er wurde ungefähr doppelt so viel wie die meisten Torhüter der EM als Wandspieler mit einbezogen. Nicht umsonst gilt Van der Sar seit vielen Jahren als der „Torspieler“ schlechthin. Seine fußballerischen Fähigkeit sowie seine Ruhe und Abgeklärtheit am Ball machten ihn zu einem wichtigen „Mitspieler“ im niederländischen Team.
Außerdem scheint es Teil der niederländischen Spielphilosophie zu sein, dass der Torhüter ständig anspielbar und ein wichtiger Teil des Aufbauspiels ist, denn auch die niederländische Nummer 2, Maarten Stekelenburg, der im Spiel gegen Rumänien zum Einsatz kam, brachte es auf 14 Rückpässe. Auffallend war ebenfalls im niederländischen Spiel, dass Van der Sar sogar oft bereits aus dem Mittelfeld heraus angespielt wurde, also nicht erst, wenn ein Mitspieler in Bedrängnis war. Dadurch erreichten die Holländer einen hohen Anteil an Ballbesitz und einen ruhigen und sicheren Spielaufbau.
Aber auch der Portugiese Ricardo sowie der polnische Torhüter Boruc lagen deutlich über dem Durchschnitt. Vielleicht ist das aber zumindest bei Boruc nicht weiter verwunderlich, hatten die Polen doch mit Leo Beenhakker einen niederländischen Cheftrainer und mit Frans Hoek den ehemaligen Torwarttrainer Van der Sars aus Amsterdamer Zeiten.
Ebenfalls über dem Durchschnitt lagen die Rückpasskontakte von Jens Lehmann, der ja bereits bei der WM 2006 aufgrund seines mitspielenden Torwartspiels den Vorzug gegenüber Kahn bekam.
Noch bemerkenswert ist, dass Buffon im Durchschnitt die wenigsten Rückpässe aller Torhüter verarbeiten musste.
Sicherlich sollte man nur bedingt Aussagen aus diesen Werten ziehen, da natürlich ein Torhüter eines Teams, das schwächer ist und deshalb häufiger unter Druck gerät, öfter mit Rückpässen gefüttert wird als ein Torhüter einer überlegenen Mannschaft. Trotzdem ist, sichtbar gemacht am Spiel der Niederländer, durchaus der Gedanke für Trainer überlegenswert, ob ein fußballerisch gut ausgebildeter Torhüters nicht intensiver in das Aufbauspiel miteinbezogen werden sollte und dadurch die Ballkontrolle der eigenen Mannschaft und der Spielaufbau nicht deutlich verbessert werden könnten.
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