Timo Ochs
wird von vielen Fachleuten als einer DER Nachwuchstorhüter in Deutschland genannt.

Zuletzt hatte er bei 1860 München von einer Verletzung des Stammtorwarts Michael Hofmann profitiert: Er bekam seine Einsatzchance und nutzte sie. Mit sehr guten Spielen schaffte er es Michael zu verdrängen, so dass dieser, auch nachdem er wieder fit war, nicht mehr an Timo Ochs vorbei kam.

Nach einer nervenaufreibenden Saison wurde der Klassenerhalt doch noch geschafft. Mittlerweile ist klar, dass Timo ab der Saison 2006/07 beim Mateschitz-Klub RB Salzburg spielen wird.

Wie wurdest du Torhüter?

Timo Ochs: Das hat sich schon mit 5 Jahren im Jugendtraining herauskristallisiert. Jeder ist mal ins Tor gegangen und bei mir hat es dann auch ganz gut geklappt!

Hattest du in jungen Jahren schon ein systematisches Torwarttraining?

Timo Ochs: Das richtige Torwarttraining begann so mit ca. 10 Jahren in den diversen Auswahlmannschaften und ab der B-Jgd. dann auch regelmäßig im Training bei Hannover 96.

Welche Junioren-Nationalteams des DFB hast du durchschritten?

Timo Ochs: Das begann direkt bei der U15, U16, U17 und U18. Danach wurde ich 2 Jahre nicht berücksichtigt und erst wieder zur U21 EM in Deutschland nominiert.

Trotz deines Talents warst du 4 Jahre bei Hannover 96 die Nr. 2. Welche Erfahrungen nimmst du daraus für deine weitere Laufbahn mit?

Timo Ochs: Sehr viele positive Erfahrungen. Ich habe sehr früh mitbekommen, wie es im Profifußball abläuft und es nicht immer so leicht ist, sich in diesem Geschäft durchzusetzen. Die Erkenntnis:" Talent alleine bringt einen nicht sehr weit" , habe ich zum Glück schon recht früh erkannt.

Von Hannover 96 wechseltest du nach Osnabrück, wo du trotz guter Leistungen mit dieser Mannschaft abgestiegen bist. Sind auch solche Erfahrungen wichtig für Dich?

Timo Ochs: Sehr sogar. Wenn alles immer glatt und nach Plan verläuft ist alles sehr viel leichter, aber wie reagierst du als Spieler auf Negativserien, pfeifende Fans oder Sitzblockaden. Die wahre Stärke eines Spielers sieht man meistens erst, wenn es für die Mannschaft mal nicht so gut läuft.

Welcher Typ von Torhüter war oder ist dein Vorbild?

Timo Ochs: Kein bestimmter Torwart. Ich mag den unspektakulären und soliden Torwarttyp mit wenigen Fehlern.

Wie viel Krafttraining braucht ein Torhüter deiner Meinung nach?

Timo Ochs: Ganz individuell. Dem einen tut etwas mehr gut, der andere hält sich vielleicht zuviel im Kraftraum auf und verliert dadurch die Schnelligkeit und Beweglichkeit. Man muss da ein gutes Mittelmaß finden!

Arbeitest du auch außerhalb des Mannschaftstrainings an deiner Fitness? (in welcher Art?, Zeitumfang?)

Timo Ochs: In einer normalen Trainingswoche gehe ich zweimal die Woche für ca. eine Stunde in den Kraftraum und den Tag nach dem Pflichtspiel nutze ich gerne für einen 60 min. Dauerlauf.

Arbeitest du bzw. arbeitet ihr auch im mentalen Bereich?

Timo Ochs: Nicht besonders. 3 Stunden vor dem Spiel beginnt meine Konzentrationsphase und vor dem Spiel in der Kabine stellt man sich noch mal einige Szenen vor, die einen erwarten könnten.

Du hast in verschiedenen Vereinen unterschiedliches Torwarttraining kennen gelernt. Gibt es größere Unterschiede?

Timo Ochs: Jeder Torwarttrainer setzt andere Schwerpunkte. Meiner Meinung nach ist über die Jahre gesehen wichtig, dass man die besten Übungen verinnerlicht und an seinen Schwächen arbeitet, auch wenn einem diese Übungen meistens am wenigsten Spaß machen.

Wo siehst du deine Stärken, wo deine Schwächen?

Timo Ochs: Kein Torwart ist komplett und man kann sich, egal in welchem Alter, immer noch weiterentwickeln. In der Strafraumbeherrschung sehe ich bei mir noch Verbesserungspotential. Auch alle anderen Komponenten wie Organisation, Sprungkraft, Technik oder Spieleröffnung sind sicherlich noch nicht optimiert!

Du hast  2005 ein Fernstudium im Studienfach Sportmanagement abgeschlossen. War es persönliches Interesse oder siehst du in diesem Bereich deine berufliche Zukunft nach deiner Profikarriere?

Timo Ochs: Es war einfach der Wunsch da, nach dem Abitur noch etwas neben dem Fußball zu machen und da ich mich für den Sportmanagementbereich interessiert habe, nutzte ich die Möglichkeit, an einer privaten Universität dieses Fernstudium durchzuführen.

Interview vom Juli 2006