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Interview mit Thorsten Stuckmann (Eintracht Braunschweig)
von Artur Stopper (2006)
Bildquelle: Thorsten Stuckmann
Zunächst einmal Gratulation dafür, dass dich die Eintracht-Fans zum dritten Mal in Folge zum „Spieler des Jahres“ deiner Mannschaft gewählt haben. Was schätzen die Eintracht-Anhänger deiner Meinung nach besonders an dir?
Stuckmann: Ich weiß nicht, ich kann es schwer einschätzen, aber ich glaube, dass ich mich in den 3 Jahren, die ich bereits für die Eintracht spiele, in meinem Charakter nicht verstellt oder verändert habe. Ich denke, dass ich auch immer offen bin für die Fans. Ich versuche positiv mit dem Job und den Fans umzugehen. Ich habe mich als kleiner Junge auch gefreut, wenn ich ein Autogramm bekam, und das möchte ich jetzt genauso weitergeben.
Das halte ich für eine gute Einstellung. Thorsten, du hast in diesem Jahr eine weitere Auszeichnung erhalten, denn du wurdest 2006 vom NFV zu „Niedersachsens Spieler des Jahres“ gewählt. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Stuckmann: Das bedeutet mir richtig viel. Ich hatte vorher gehört, wer nominiert war, und da war ich mir sicher, dass Robert Enke das Rennen macht, weil der eine riesen Bundesligasaison gespielt hatte. Daher hatte ich nicht damit gerechnet. Man sieht auch hier wieder, was Eintracht Braunschweig für eine riesige Lobby hat, dass so viele Leute mich dann wählen. Es freut mich natürlich, dass meine Leistung, die ich hier bringe, so anerkannt wird.
Seit wann bist du Torwart?
Struckmann: Ich glaube seit der F-Jugend. Mein Vater war selber Torwart und ich habe noch einen Zwillingsbruder. Irgendwann mussten wir uns entscheiden, wer ins Tor geht. Das war ich dann, aber es ist ja so ganz gut gelaufen.
Dann war sicherlich der Vater auch derjenige, der deineTorwartausbildung übernommen hat?
Stuckmann: Der half mir natürlich schon enorm weiter. Er hat mich früher immer gepuscht, und das war schon wichtig für mich.
So hattest du also bereits in jungen Jahren Torwarttraining?
Stuckmann: Ja, mein Vater hat es so lange gemacht, bis er selber gemerkt hat, dass er mir nicht mehr weiterhelfen kann, dann hat er sich um jemand gekümmert, der mir weiterhelfen konnte.
Ab welchem Zeitpunkt war das ungefähr?
Stuckmann: Ab der C-Jugend machten wir manchmal etwas Torwarttraining im Garten, so ab der B-Jugend bin ich in die höchste Spielklasse gewechselt, wo mein Vater dann auch darauf geachtet hat, dass ich vernünftig trainiert wurde. Ab dort bekam ich also regelmäßig Torwarttraining.
Dein Vorbild ist Oliver Kahn. Was schätzt du an ihm?
Stuckmann: Er ist für mich nicht erst seit der WM durch sein Auftreten und durch seine Einstellung, immer gewinnen zu wollen, ein riesen Torwart. Er hat auch von 2002-2006 bewiesen, dass er einer der besten Torhüter der Welt ist. Es imponiert mir auch, wie er immer wieder mit dem Druck umgehen und sich immer wieder puschen kann.
Thorsten, du bist mit 1,98m ein groß gewachsener Torhüter. Wie wichtig ist die Größe bei einem Torhüter?
Stuckmann: Ich glaube schon, dass es ziemlich entscheidend ist, denn ich habe in der Jugend mit ganz vielen Torhütern zusammen trainiert, die vielleicht noch einen Tick besser waren als ich, aber 20 cm kleiner waren und heute in der Bezirksliga spielen. Aber das ist eine andere Sache, was man daraus macht, aber sicherlich wirkt man durch Körpergröße vielleicht auch etwas imposanter auf die Gegner.
Welche Bedeutung hat Krafttraining in deinem Trainingsalltag?
Stuckmann: In der Vorbereitung haben wir sehr viel gemacht, aber jetzt gehe ich 2x pro Woche selbstständig in den Kraftraum und hole mir das, was ich nach meinem Gefühl brauche. Und dann mache ich viel Beweglichkeitstraining, weil das im Moment für mich viel wichtiger ist, dass ich beweglich werde, da hier mein großes Handicap liegt. Da habe ich mich bereits mit Hilfe unseres CO-Trainers verbessert. Außerdem probiere ich letztem Jahr neue Wege, indem ich z.B. privat Gyrotonic unter Anleitung durchführe, dass ich insgesamt beweglicher werde.
Machst du eigentlich auch Mentaltraining?
Stuckmann: Ich hatte einen Mentaltrainer, der momentan ein bisschen auf Eis liegt, seit ich meinen Spielerberater gewechselt habe, der mit ihm zusammengearbeitet hatte.
Ich habe aber vor, das wieder anzufangen. Ich glaube, ich habe schon eine gewisse mentale Stärke, aber die kann man natürlich immer verbessern. Besonders für einen Torwart ist es wichtig, dass er mental auf der Höhe ist.
Wann, glaubst du, kann dir ein Mentaltrainer besonders helfen?
Stuckmann: Er hat nicht probiert die Hand aufzulegen, er hat einfach nur positiv geredet, positiv, positiv. Er entdeckte auch ein paar Kleinigkeiten an mir, die ihm nicht gepasst haben. Er trieb mich immer wieder an, diese so lange zu verbessern, bis es klappte, und er forderte mich dabei auf positiv zu denken. Das waren z.B. meine Abschläge letztes Jahr, und seither kommen sie auch wieder an, da ich intensiv daran gearbeitet habe. Da hat er schon einen Anteil daran, weil man immer positiv an Sachen hergehen muss.
Als Torhüter muss man sehr nervenstark sein. Kann man Nervenstärke durch mentales Training verbessern?
Stuckmann: Kann ich schlecht sagen. Sicherlich muss ein Torhüter eine gewisse Nervenstärke und Ruhe haben. Ich denke Ruhe kommt auch durch häufiges Training und Praxis, weil man mit der Zeit abgezockter wird. Dadurch wird man auch nervenstärker. Ich habe mich einfach durchs Training verbessert. Mittlerweile denke ich auch, dass ich relativ nervenstark geworden bin.
Welcher Torhüter hat dich bei der WM am meisten beeindruckt?
Stuckmann: Zum einen hat mich das Verhalten Oliver Kahns beeindruckt. Auch bei Jens Lehmann hatte ich nicht damit gerechnet, dass er eine so gute WM spielt. Positiv überrascht hat mich auch die Leistung des Portugiesen Ricardo. Ansonsten war vieles wie erwartet.
Noch zwei Fragen. Wo steht Eintracht Braunschweig am Saisonende?
Stuckmann: Unser Ziel ist es, unter die ersten Zehn zu kommen. Ich denke, das können wir auch schaffen. Ich hoffe, dass wir so bald als möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.
Dein Vertrag läuft jetzt in der vierten Saison bei Eintracht Braun-schweig und läuft am Ende des Jahres aus. Was passiert mit Thorsten Stuckmann am Saisonende?
Stuckmann: Eintracht Braunschweig wird sicherlich mein erster Ansprechpartner sein, weil ich hier bereits 4 wunderschöne Jahre habe. Man muss sehen, wo die Perspektive im Verein hingeht, dann wird man weitersehen. Ich persönlich möchte in die erste Bundesliga, sicherlich am liebsten mit Eintracht Braunschweig. Man muss einfach sehen, wo es in dieser Saison hingeht. Ich persönlich lasse mich einfach mal überraschen, bleibe dabei sehr entspannt und lasse mich nicht unter Druck setzen. Dann wird man sehen, was passiert. Aber wie bereits betont ist Eintracht Braunschweig mein erster Ansprechpartner.
Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen dir auf deinem weiteren Weg viel Erfolg.
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