Interview mit Thomas Richter (SV Wehen)

von Artur Stopper (11/2007)

Ein Torhüterneuling in der Zweiten Bundesliga ist Thomas Richter vom SV Wehen-Wiesbaden. Über die Stationen SV Elversberg, SV Darmstadt und Sportfreunde Siegen kam er vor Beginn dieser Saison zum Zweitligaaufsteiger, wo er sich nach wenigen Spieltagen gegen den bisherigen Stammtorhüter Adnan Masic durchsetzte. Goalkeeping.com sprach mit Thomas Richter über seinen bisherigen Werdegang und seine Situation beim SV Wehen-Wiesbaden.

Thomas, du wechseltest mit Beginn dieser Saison von den Sportfreunden Siegen zum SV Wehen. Was waren deine Gründe, gerade in Wehen anzuheuern?
Thomas_RichterRichter: Dass ich die Chance bekommen habe, in die Zweite Liga zu wechseln. Ich habe zuvor 4 Jahre Regionalliga gespielt. Es war eine schöne Zeit, aber  irgendwie ging es nicht richtig voran. Da man aber immer vorankommen will, kam das Angebot von Wehen gerade richtig.

Musstest du eigentlich nicht damit rechnen, die Nr. 2 zu sein. Immerhin galt Adnan Masic als einer der besten Torhüter der Regionalliga Süd und war ein großer Rückhalt in der Aufstiegsmannschaft?
Richter: Ich wusste, dass ich am Anfang die Nr. 2 sein werde und mich erst durch-setzen muss. Aber das habe ich im Kauf genommen, habe hart trainiert, meine Chance bekommen und stehe jetzt im Tor.

Du hast inzwischen dein Ziel erreicht, die Nr. 1 zu werden. Wie viel Glück gehört im Profifußball dazu, sich durchzusetzen?
Richter: Schon viel Glück. Man hat es, wenn man auf der Bank sitzt, nicht selbst in der Hand. Allein durch gute Trainingsleistungen wird man nicht vorankommen. Daher ist man immer auf andere Faktoren angewiesen. Ich hatte das Glück, in die Mannschaft zu kommen. Jetzt liegt es an mir, durch gute Leistungen diese Position zu verteidigen. In der Zweiten Liga ist man im Blickpunkt.

Wie du kam auch Adnan Masic von den Sportfreunden Siegen. Sind die Sportfreunde Siegen der Weg für die Torhüter des SV Wehen?
Richter (lacht): Ich weiß nicht, ich denke das ist eher ein Zufall, dass ich erst in Siegen Adnans Nachfolger wurde und nun in Wehen mit ihm zusammen spiele. Aber ich glaube, dass das nicht ganz gewöhnlich ist.

Im Spiel gegen Mainz unterlief dir nach einigen glänzenden Aktionen ein folgenschwerer Patzer, der in den Medien ausführlich breitgetreten wurde. Sind für die Medien Torwartfehler interessanter als gute Paraden?
Richter: Ja, auf jeden Fall. Es ist natürlich für die Medien immer ein schönes Futter, wenn man als Torhüter mal daneben greift. Es ist heute so, dass es fast nur noch die Sensationszeilen gibt, sei es im Fernsehen oder in den Zeitungen. Da hat man entweder überragend gespielt oder katastrophal. Es gibt nur schwarz oder weiß, es gibt kein Grau mehr heutzutage. Und das finde ich ein bisschen schade.

Thomas_RichterWie verarbeitest du solche Fehler?
Richter: Ich weiß ja selbst, was ich dort falsch gemacht habe, und weiß auch selber, ob ich ein gutes oder schlechtes Spiel gemacht habe, da brauche ich keine Zeitungen oder das Fernsehen dazu. Daher arbeitet man so etwas selbst auf, um auch wieder voran zu kommen. Dann ist das auch nach zwei Tagen abgehakt.

Hast du dafür bestimmte Techniken oder wie gehst du damit um?
Richter: Ich analysiere das noch einmal ganz genau und rede mit meinem Torwarttrainer darüber, und dann finden wir wahrscheinlich den Grund, woran es gelegen hat, und dann heißt es einfach, vom Kopf her wieder abzuschalten, im nächsten Tag wieder ins Training zu gehen und nach vorne zu schauen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss auch wieder alles weg sein, weil es fünf Tage später schon wieder weiter geht. Da kann man sich nicht lange Gedanken machen.

Nach dem anschließenden Spiel bei ST. Pauli  erhieltest du glänzende Kritiken. Ist ein Spiel nach einem groben Fehler nicht eine ungeheure nervliche Belastung?
Richter: Der Druck ist immer da. Ich habe es bereits mehrfach gesagt, weil ich oft angesprochen wurde auf diesen Unterschied zwischen dem Mainz und St. Pauli-Spiel. Wobei ich glaube, dass das Spiel gegen St. Pauli keine überragende Leistung war, sondern ich habe die Bälle gehalten, die aufs Tor kamen. Das sollte man nicht überbewerten.

.. stellst du jetzt dein Licht nicht zu sehr unter den Scheffel …

Richter: Man muss nicht immer nur überragend oder schlecht halten. Ich habe auch gegen Mainz zuvor einige gute Bälle gehalten. Dass man dann auf diesen einen Fehler reduziert wird, ist schon ein bisschen schade. Aber das ist wohl so und dessen ist man sich als Torhüter auch bewusst.

Wo siehst du deine besonderen Stärken?
Richter: Über meine Stärken und Schwächen rede ich überhaupt nicht gern, das sollen andere beurteilen. (lacht). Da müssen Sie den Trainer fragen.

Du sammeltest viel Erfahrung in der Regionalliga Süd (132 Einsätze für Siegen, Darmstadt, Elversberg, Augsburg). Gibt es für dich im Torwartspiel einen Unterschied zwischen der Regionalliga und der Zweiten Bundesliga?Thomas_Richter
Richter: Nein, nicht sehr große. Ich denke nur, dass die Eckbälle und Freistöße in der Zweiten Liga noch etwas schärfer aufs Tor kommen. Da ist noch mehr Zug drin und es ist für einen Torhüter noch schwerer herauszukommen, weil ein Tumult im Strafraum ist. Man muss erst an 5-6 Leuten vorbei, um überhaupt an den Ball zu kommen. Darin besteht sicherlich ein Unterschied, ansonsten sehe ich wenig anderes. Die meisten Spieler des SV Wehen haben das letzte Jahr auch schon hier gespielt und es ist unwahrscheinlich, dass sie sich in der kurzen Zeit so verbessert haben, dass sie jetzt auf einmal Zweitligaspieler sind.

Die Saison hat bisher gut für euch begonnen. Welchen Tabellenplatz traust du deiner Mannschaft im ersten Zweitligajahr am Saisonende  zu?
Richter: Ich hoffe, dass es so weitergeht. Aber es wird sicherlich auch einmal eine Schwächphase kommen, und dann muss man zeigen, dass man da rauskommt. Eine solche Schwächephase haben alle Mannschaften einmal, wir hatten sie bisher noch nicht. Da müssen wir einfach schauen, dass wir unsere Punkte schnell zusammen haben. Manche Medien wollten uns nach 5 Spieltagen schon als Aufstiegsaspirant  sehen, aber das ist völliger Blödsinn. Wir werden sicherlich gegen den Abstieg spielen. Wenn wir am Ende dann 10. oder 11. der Tabelle sind, bin ich hoch zufrieden.

Wir wünschen dir jedenfalls, dass du die Leistung gegen St. Pauli möglichst lange konservieren kannst und wünschen dir eine erfolgreiche Saison.