Tatort Tor - Ergebnisse


Christina Laib von der Uni Hohenheim hat sich im Rahmen einer Magisterarbeit damit beschäftigt ob es gewisse Eigenschaften bei verschiedenen Menschen gibt, die sie erst dazu befähigen Keeper zu werden, oder aber ob praktisch jeder Keeper werden kann und die dazu notwendigen Fähigkeiten im Laufe der Zeit ganz automatisch entwickelt.

Eine interessante Fragestellung.

Was meint Ihr: angeboren, oder angeeignet...?



Phänomen Fußball - Annäherung an die Lebenswelt des Tormanns


"Auf dem Rücken trägt er die Nummer Eins. Der Erste beim Kassieren? Der Erste beim Bezahlen. Der Torwart hat immer die Schuld. Und wenn er sie mal nicht hat, zahlt er trotzdem die Zeche. Wenn irgendeiner der Spieler den Strafstoß verschuldet, ist er der Bestrafte: Dort steht er dann, seinem Henker überlassen, vor dem riesigen, leeren Netz.
Und wenn die Mannschaft einen schlechten Tag hat, bezahlt er die Rechnung und sühnt im Hagel der Bälle die Sünden anderer."(¹)

Einen Blick auf den Kosmos der Torhüter haben wir bereits geworfen - von außen, aus dem Blickwinkel der anderen, der Feldspieler, der Zuschauer, der Spielanalysten - der Nicht-Torhüter. Doch Fremd- und Selbstbild unterscheiden sich gewaltig, wenn es auf den letzen Mann mit der Nummer 1 auf dem Trikot zu sprechen kommt.(²) Für die Zuschauer ist er der große Held oder der mindest genauso große Verlierer - zwischen den beiden Polen liegt wenig, aber eine Entscheidung für einen von beiden wird gefällt. Vielleicht liegt es daran, dass seine Leistung so schön messbar zu sein scheint. So klar - Ball gehalten - Ball rein gelassen. Vielleicht liegt es auch an dem Platz auf dem Spielfeld, an den man nicht umhinkommt zu schauen; und das eigene Trikot trägt das seinige dazu bei.

Auch an den Medien kommt er nicht vorbei, ein Kommentar über den Torhüter fehlt selten im Spielbericht und auch die Eskapaden auf dem Platz von Kahn, Lehmann und Co heutzutage und Schumacher und Stein in der Generation zuvor beschäftigen die Presse ausreichend. Für seine Mannschaftskollegen ist er nicht selten der `spinnende’ Außenseiter, über den man abseits vom Spiel oft nicht viel weiß, der sich weniger als andere gemeinschaftlichen Aktivitäten außerhalb des Fußballfeldes anschließt und der als Torhüter automatisch ein wenig `anders tickt’ als der Rest der Mannschaft. So sieht `die Welt’ den Torhüter - doch die Frage lautet nun: Wie sieht der Torhüter die Welt?

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(¹) Galeano (2000): 13
(²) Auf dem Sprung in die Politik blickt beispielsweise der Ex-Keeper Jürgen Rollmann zurück, und beschreibt sich rückschauend als `geselligen Einzelkämpfer’, während sein damaliger Trainer andere Worte für ihn findet, und ihn einst als `arroganten Dickschädel’ titulierte. Vgl. Schröder (2003)