Aus dem (Alltags-) Leben ins Tor und zurück

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Zögerlich bis widerwillig gestalten sich dabei die ersten Schritte, denn eines ist klar - mit so viel direkt zurechenbaren Fehlern sieht man sich als kein anderes Mannschaftsmitglied konfrontiert.³

"Hab dann natürlich megamäßig viel Tore bekommen und es war irgendwie alles zuviel, hab dann auch nach dem Spiel und Gott, meine Eltern erzählen immer noch davon, geweint und wollte nicht mehr ins Tor und irgendwann hatte ich mal die Schnauze voll und bin dann rausgegangen ins Spielfeld und hab gesagt: 'Nö, ich will nicht mehr ins Tor gehen.' Dann durfte ich mal ab und zu mal draußen mitspielen. Hab da auch immer mal wieder ein paar Tore gemacht, aber des habe ich dann auch selber gemerkt, das macht mir einfach net so viel Spaß. Ich möchte halt lieber wieder ins Tor." (GA-J-L, Z. 31 f.)

Die Identifikation mit der Spielposition hat begonnen. Früher und stärker wohl als bei den meisten anderen Positionen. "Ich war mir natürlich noch nicht so im klaren was das für eine Position ist. Und ich hab mich dann im Tor wieder gefunden als Torhüter." (GAp-A-L, Z. 21 ff.)

Von der Einsamkeit des Torhüters
Da ist er nun im Tor gelandet, und von da an beginnt sein eigenes Spiel im Spiel. Er erhält einen Großteil 'gesondertes' und spezielles Training , mit einem eigenen Torwarttrainer, und erfährt dadurch auch eine andere Sozialisation im Mannschaftssport Fußball.

"Aber ich denke halt mal, also, der Torhüter ist einfach eine Person im Fußball, der hat zwar eigenes Training, er hat kein Mannschaftstraining. Also er trainiert meistens immer nur alleine und die  Mannschaft trainiert eigentlich immer nur zusammen. Und die Mannschaft findet sich ja durch das Training ja immer, die sind ja eigentlich immer intensiv eigentlich zusammen und trainieren gemeinsam, und der Torhüter ist eigentlich immer alleine. Und sich da irgendwie in der Mannschaft zu integrieren, ist dann doch irgendwo ziemlich schwer." (FK-M-L, Z. 233 ff.)

Er wird fast unweigerlich ein wenig zum Sonderling innerhalb der Mannschaft, ist nicht so sehr in das Mannschaftsgeschehen außerhalb des Feldes integriert und grenzt sich ein wenig aus. Das ist in Ordnung so für ihn, die Akzeptanz der Mannschaftskollegen ist wichtig, ebenso der Respekt vor seiner Leistung, aber das erfordert aus seiner Sicht nicht unbedingt eine Freundschaft abseits des Fußballs. Er hat seinen Platz gefunden, und das ist mehr oder weniger der eines Einzelsportlers innerhalb eines Mannschaftssports. In der Vielzahl der Fälle muss er dafür in Kauf nehmen, mit seinem Posten auch den des Eigenbrötlers zu beziehen. Auch dies gehört höchstwahrscheinlich zu den Komponenten, die ihm die Eigenschaft 'wahnsinnig' eingebracht haben. In einem Jugendbuch findet sich dazu eine eigene Erklärung:

 

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³ Selbst Torhüter-Legende Sepp Maier war anfangs nicht begeistert von seinem Auftrag auf dem Feld. Vgl. Maier (1980)