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Stanislav Cherchessov (Spartak Moskau)
von Gerd Janiszewski (2006)
Stanislav Cherchessov, langjähriger russischer Nationaltorwart und Fussballprofi bei Spartak Moskau, Lok Mosau, Dynamo Dresden und dem FC Tirol war zuletzt Trainer beim Liganeuling FC Wacker Tirol in der österreichischen Bundesliga.
Stani, was machst Du im Moment?Stanislav Cherchessov: Im Moment bin ich Sportdirektor bei meinem Heimatklub Spartak Moskau und verantwortlich für den Aufbau von Spartak zu einem europäischen Spitzenteam.
Stani, Du warst bei Spartak Moskau, Dynamo Dresden und dem FC Tirol. In Deiner Karriere hast Du viele Höhepunkte, Titel bzw. Meisterschaften als Spieler erlebt. Wie hast Du Dich bei Deiner letzten Trainerstation (beim FC Wacker Tirol), gefühlt, das war ja ein Team, das gegen den Abstieg kämpfte?
Stanislav Cherchessov: Meine erste Trainerstation war in Kufstein - dort haben wir den Aufstieg in 2. Liga geschafft. Danach ging's zum FC Tirol - dort hatten wir Probleme nach dem Aufstieg, auch sind einige Spieler weggegangen, aber dennoch konnte der Klassenerhalt gesichert werden. Das war eine große Bestätigung unserer Arbeit. Natürlich, ein Abstiegskampf ist immer schwieriger als der Kampf um Titel.
Worin liegt für Dich der größte Unterschied im Schritt vom Spieler zum Trainer hin zum Manager?
Stanislav Cherchessov: Natürlich ist der Unterschied groß und trotzdem ist's sehr ähnlich: auch ein Torwart ist immer für das Ergebnis direkt verantwortlich, ist sozusagen eine Mannschaft in der Mannschaft. Ähnlich wie ein Trainer oder ein Sportdirektor. Der Unterschied ist letzlich: als Torwart bist du nur für dich selbst verantwortlich. Als Sportdirektor liegt die komplette Verantwortung auf mir, allerdings etwas anders, da ich die Mannschaft zusammenstellen muss und für deren Handeln verantwortlich bin - nicht nur noch für mein eigenes Tun. Mein größter Fehler war, dass ich anfangs als Trainer dachte jeder Profi ist von der Einstellung her gleich wie ich - das stimmt aber leider gar nicht. Zu oft war es so, dass sich der eine oder andere Spieler eben nicht zu 100% eingesetzt hat.
Wie kam der Wechsel von Insbruck zu Spartak Moskau zustande?
Stanislav Cherchessov: Ich bin ein echter "Spartaker", das ist ja allgemein bekannt und er neue Präsident will eine europäische Spitzenmannschaft aufbauen. Dazu hat er ein paar Leute geholt die in Europa tätig waren und erstklassige internationale Erfahrung gesammelt hatten. So bin letzlich auch ich angesprochen worden. Für mich kam das Angebot etwas überraschend und auch ein bisschen früh - ich hätte gerne noch meinen Vertrag beim FC Tirol zuende gebracht und auch die Erfolge mit dem Team feiern wollen - man sieht ja jetzt, dass der Erfolg nun da ist. Ich habe stark mit mir selbst gekämpft, aber es ist halt mein Land und meine Mannschaft mit der ich groß geworden bin, an der auch mein Herz dran hängt - da konnte ich das Angebot einfach nicht abschlagen.
Ihr habt mit Spartak große europäische Ziele?
Stanislav Cherchessov: Nächstes Jahr wollen wir eine schlagkräftige Mannschaft haben und die Meisterschaft holen. Dieses Jahr haben wir die Vizemeisterschaft erreicht, damit sind wir in der Champiosnleague-Quali, die wir auch schaffen wollen. In 2-3 Jahren werden wir ein neues Stadion haben, hier wurde erst kürzlich das Konzept vorgestellt. Das Stadion wird übrigens von einer deutschen Firma gebaut werden. Ich hoffe, dass wir mit diesem neuen Stadion dann auch noch mehr Möglichkeiten haben werden, um nicht zuletzt auch in der Championsleague noch erfolgreicher aufzutreten.
Wo siehst Du die größten Unterschiede wenn Du die Ligen in der BRD, Österreich und Russland miteinander vergleichst?.
Stanislav Cherchessov: Der größte Unterschied ist sicherlich, dass ich nun in Moskau arbeite - hier ist alles deutlich größer, leider auch die Staus auf den Straßen (lacht). Die Meisterschaft in Russland ist in den letzten Jahren deutlich stärker geworden. Finanziers investieren mehr, dadurch kommen auch immer mehr gute Spieler, was allgemein das Niveau der russischen Liga erhöht.
Was sind für Dich die wichtigsten Eigenschaften eines guten Torhüters?
Stanislav Cherchessov: Heutzutage muss ein Torwart alles können - er muß wirklich ein "Supermann" sein. Sie müssen mit links und rechts schießen können, rauslaufen, Flanken abfangen... alles ... ich denke Michael Jordan wäre der beste Torwart der Welt, weil er alles kann... wobei ich nicht weiß, was er mit den Füßen kann (lacht)... Nein, Spaß beiseite, heutzutage wird von einem Torwart sehr viel verlangt.
Wo siehst Du die größten Defizite in der Torwartausbildung?
Stanislav Cherchessov: Mit den neuen Regeln, durch die die Torhüter auch gezwungen werden mit den Füßen zu spielen, wird in der Torwartausbildung oft das Notwendigste vergessen wird: die richtige Fangtechnik zu schulen. Leider wird viel zu sehr darauf geachtet wie groß der Torwart ist, und wie gut er mit dem Fuß einen Ball verarbeiten kann. Es wird vergessen, dass die Ballbehandlung mit den Füßen nur eine zusätzliche Facette des Torwartspiels sind, aber nicht die Hauptsache. Das größte Manko ist tatsächlich die richtigen Torwarttechniken zu erlernen wie Fangen, Beinarbeit, Rauslaufen und 1:1-Verhalten.
Auf dem Video "Torsperre" ist auch Dein Sohn zu sehen - ist er immer noch Torwart?
Stanislav Cherchessov: Ja, letztes Jahr ist er in Innsbruck noch Meister geworden, durch den Wechsel nach Moskau hat er ein paar Schwierigkeiten bekommen, da der Stundenplan auf der Konsulatsschule leider viel zu oft mit den Trainingszeiten kollidiert. Das ärgert mich natürlich, denn um ein guter Torwart zu werden benötigt er regelmäßiges Training. Aber ich hoffe, dass der Trainingsplan in der nächsten Saison etwas geändert werden kann und er mehr trainieren kann.
Welche 3 Tipps gibst Du ihm und jedem jungen Torwart mit auf den Weg, um ein erfolgreicher Torwart zu werden?
Stanislav Cherchessov: Erstens: er muß wissen, dass der Druck groß ist und muß sich darauf vorbereiten.
Zweitens: er muß seinen Job leben und
Drittens: er muß seinen Job lieben.
Im Eishockey war die ehemalige UdSSR über Jahre hinaus fast unschlagbar - was müsste getan werden, um auch im Fussball ein solch starkes Team zu schaffen?
Stanislav Cherchessov: Jedes Land hat seine Traditionen... Eishockey war in Russland ebenso lange Jahre ein Traditionssport wie in Brasilien der Fussball. Eine Top-Generation muss heranwachsen und dann durch professionell gemanagte Vereine wie Spartak auch entsprechend gefördert werden. Wir schaffen gerade die Voraussetzungen dafür, dass bei den kommenden Generationen auch Fußball in Russland ein Traditionssport wird.
Stanislav ist heute Sportdirektor bei Spartak Moskau, und beendet im Dezember 2006 seine Trainerausbildung zum Fussballlehrer. Vorher wird er noch für 10 Tage bei Ronald Koemann (PSV Eindhoven) in den Trainingsbetrieb reinschnuppern. Obwohl er im Moment "einen der interessantesten Jobs der Welt" hat, kann er sich gut vorstellen auch zukünftig wieder einen Trainerposten zu übernehmen.
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