Interview mit Simon Pouplin

von Artur Stopper (05/2009); Fotos: goalkeeping.com

Simon Pouplin wechselte zu Beginn der Saison 2008/09 vom französischen Erstligisten Stade Rennes zum SC Freiburg. Trotz seines jungen Alters absolvierte der ehemalige französische U 21-Nationalspieler für Stade Rennes bereits 74 Spiele in der ersten französischen Liga. Deshalb bezeichnete ihn sein Trainer Robin Dutt als „jungen Spieler mit beachtlicher Erfahrung“. In seiner Zeit als Ersatztorhüter bei Stade Rennes hinter Petr Cech und später Andreas Isaksson konnte er sich viel von diesen Weltklassetorhütern abschauen. Momentan ist der 23 Jahre alte Torhüter die Nr. 1 beim Zweitliga-Tabellenführer SC Freiburg.

Goalkeeping.com sprach mit ihm über seine Vergangenheit bei Stade Rennes und über seine jetzige Situation beim SC Freiburg.

Du bist jetzt  seit Juli 2008 in Freiburg. Wie gut hast du dich in Freiburg schon eingelebt?
Pouplin: Ich fühle mich hier sehr wohl, denn Freiburg ist eine sehr schöne Stadt. Außerdem sind wir Tabellenführer der Zweiten Bundesliga, was mein Leben noch leichter macht.

Es war dein erster Vereinswechsel. Wie viele schlaflose Nächte hattest du zuvor?
Pouplin: Ich hatte keine schlaflosen Nächte, da ich unbedingt den Verein wechseln wollte. Ich wusste aber nicht wohin. Als die Anfrage aus Freiburg kam, habe ich zuvor einen Tag lang die Stadt Freiburg besucht und mich mit dem Trainer und Sportdirektor Dufner unterhalten. Da das Gespräch sehr gut verlief und mir Freiburg sehr gut gefallen hat, habe ich mich dazu entschlossen, zum SC Freiburg zu wechseln.

Du hast kaum deutsch gesprochen. Wie schwer war es für dich, dich ohne größere deutsche Sprachkenntnisse in Freiburg einzugliedern?
Pouplin: Ich lernte bereits deutsch während meiner Schulzeit, und auch meine Freundin beherrscht die deutsche Sprache gut. Inzwischen habe ich kein Problem mehr damit, in die Stadt zu gehen und z.B. Brot zu kaufen.

Du kamst von Stade Rennes, einem der Spitzenklubs in Frankreich. Warum wechseltest du von einem französischen Erstligisten in die Zweite Bundesliga nach Freiburg?
Pouplin: Ich wollte nicht in Frankreich bleiben, sondern unbedingt in ein anderes Land gehen. Das Gespräch mit Trainer Dutt und Sportdirektor Dufner hatte ergeben, dass Freiburg das Ziel hatte, in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Der Wechsel nach Freiburg war für mich kein Abstieg, weil das Niveau der Zweiten Liga sehr gut ist.

Du warst U 21-Nationaltorhüter in Frankreich hast immer als Toptalent in Frankreich gegolten. Läuft man bei einem Wechsel in die Zweite Liga eines anderen Landes nicht Gefahr, im eigenen Land vergessen zu werden?
Pouplin: Das ist heutzutage nach meiner Meinung kein Problem mehr. Es gibt inzwischen so viele Medien, die die Informationen weiterverbreiten, wenn man in der Ersten oder Zweiten Liga gut spielt. Zudem hoffe ich, dass wir in der nächsten Saison in der Ersten Liga spielen. 

Gibt es Unterschiede im Torwartspiel in Deutschland  gegenüber Frankreich, und wenn ja, wo hast du dich umstellen müssen?
Pouplin: Ich denke, dass in Deutschland die Torhüter eine Art Mauer sind, weil sie mit dem Körper kommen.  In Frankreich sind die Torhüter mehr wie eine Katze. Auch ist die Spielweise etwas anders. In Deutschland fordert der Trainer dazu auf, offensiv zu agieren. In Frankreich herrscht die Philosophie vor, dass die gegnerische Mannschaft möglichst kein Tor und die eigene Mannschaft ein oder zwei Tore erzielen sollte. Das ist also eine etwas andere Spielphilosophie.

Du warst in deiner Anfangszeit bei Stade Rennes Ersatztorhüter hinter Petr Cech. Was hat dich als Konkurrent an ihm begeistert?
Pouplin: Petr Cech war im Training wie im Spiel immer sehr stark. Das war unglaublich. Jeder Torhüter hat normalerweise einmal Schwankungen in seinen Leistungen, aber Petr Cech war im Training wie im Spiel immer gut. Er war eine Maschine.

Was hast du dir von ihm abschauen können?
Pouplin: Als Petr Cech bei Stade Rennes war, war er erst 22 oder 23 Jahre alt und ich gerade 18 oder 19. Wir haben beide zusammen von unserem Trainer gelernt.

Du hattest es anschließend mit einem anderen international anerkannten Torhüter zu tun, nämlich mit dem schwedischen Nationaltorhüter Andreas Isaksson. Was hast du von ihm mitgenommen?
Pouplin: Ich trainierte zwei Jahre zusammen mit Andreas Isaksson. Er war mit 1,99 m extrem groß, aber sehr schnell am Boden bei flachen Bällen. Das hat mich begeistert. Aber auch er war noch sehr jung, als er bei Stade Rennes war.

War es für dich ein Vorteil, mit so hervorragenden Torleuten trainieren zu können, oder empfindest du es im Nachhinein eher als Nachteil, weil du dadurch kaum eine Chance hattest zu spielen? Hätte dich also ein Platz als Nr. 1 in einem anderen Verein weiter gebracht?
Pouplin: Da ich noch sehr jung war, war es nach meiner Meinung zu diesem Zeitpunkt besser, mit einem Torhüter wie Petr Cech trainieren zu können, weil ich sehr viel von ihm lernen konnte. Jetzt möchte ich natürlich spielen.

Dein Trainer Robin Dutt sagte, dass die Strafraumbeherrschung und die Reflexe deine Stärken seien. Siehst du das auch so?
Pouplin: Ja (lacht). Ich stimme mit ihm überein.

Wo willst du dich noch verbessern?
Pouplin: Ich glaube, dass ein Torhüter ständig daran arbeiten sollte, sein Spiel mit dem Fuß zu verbessern. Zudem muss ich mich speziell noch mehr an das deutsche Torwartspiel gewöhnen. Das französische Torwartspiel war mehr von der Taktik geprägt.

Ihr habt in Mainz ein ganz wichtiges Spiel gewonnen. Wird der SC nun den direkten Aufstieg schaffen?
Pouplin: Die ersten sechs Spiele in der Rückrunde hatten wir alle gewonnen. Deswegen fühlten wir uns im Kopf wohl schon zu sicher. Anschließend lieferten wir weniger gute Spiele z.B. gegen Duisburg, Nürnberg oder Ahlen ab. Wir sollten ruhig bleiben und uns auf die drei Punkte konzentrieren. 

Goalkeeping.com bedankt sich bei dir sehr herzlich für das Interview und wünscht dir noch eine schöne und erfolgreiche Zeit in Deutschland.