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Tourismus- und Investitionseffekt
Die bisherigen Betrachtungen haben sich nur auf den Haushalt der Stadt Nürnberg beschränkt. Eine wesentliche Erkenntnis der durchgeführten Studie ist aber, dass die WM 2006 nicht nur die Stadt betrifft, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsregion Nürnberg haben wird.
Durch die mit den finanziellen Aufwendungen verbundenen Investitionen der Stadt wird nämlich ein großes Umsatzpotenzial für die Wirtschaftsregion Nürnberg geschaffen. Dieses Umsatzpotenzial setzt sich aus zwei Effekten zusammen: dem Tourismus- und dem Investitionseffekt. Das durch den Tourismuseffekt geschaffene Umsatzpotenzial entsteht zum einen direkt durch Ausgaben der Touristen, die im Zusammenhang mit der WM anfallen (76,1 Mio. Euro). Zum anderen können diese Ausgaben aber durch einen Multiplikatoreffekt zu weiteren Umsätzen in Höhe von 59,8 Mio. Euro führen¹.
Der Multiplikatoreffekt lässt sich so erklären, dass durch zusätzliche Ausgaben eine Änderung in der Höhe des Einkommens einer Wirtschaftsregion eintreten kann, die ein Mehrfaches der anfänglichen zusätzlichen Ausgaben ausmacht. So kann beispielsweise ein Gastronom Mehreinnahmen, die er durch die WM erzielt hat, zusätzlich ausgeben. Durch die Ausgaben des Gastronoms entstehen wiederum einem anderen Unternehmen Mehreinnahmen, die wiederum ausgegeben werden können, usw. Neben den Ausgaben der Touristen entsteht auch durch die im Rahmen der WM zu tätigenden Investitionen ein Umsatz-potenzial. Die damit verbundenen Investitionseffekte sind auf Investitionen zurückzuführen, die im Rahmen der WM getätigt werden müssen, wie etwa der Umbau des Frankenstadions. Diese Investitionen werden auf 28,9 Mio. Euro geschätzt.
Des Weiteren erfordern die im Zusammenhang mit der WM durchzuführenden Veranstaltungen Investitionen und führen zu einem Investitionseffekt in Höhe von 2,1 Mio. Euro. Außerdem greift auch bei den Investitionen wiederum der Multiplikatoreffekt, wodurch ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 51,6 Mio. Euro geschaffen wird. In der Studie wird somit das durch die WM erzeugte Umsatzpotenzial für die Region Nürnberg auf insgesamt 218,5 Mio. Euro geschätzt, das sich aus Tourismuseffekten in Höhe von 135,9 Mio. Euro und Investitionseffekten in Höhe von 82,6 Mio. Euro zusammensetzt.
Wichtig ist hier, dass es sich nur um ein Potenzial handelt, folglich also sowohl die Stadt Nürnberg als auch die Unternehmen der Wirtschaftsregion aktiv werden müssen, damit dieses Potenzial auch von regionalen Unternehmen erschlossen wird. Besonders bei der Betrachtung der Tourismuseffekte wird deutlich, dass zur Erschließung des Potenzials etwas getan werden muss: Nur 48 Prozent, also knapp die Hälfte, der Ausgaben der Touristen fallen durch Stadionbesucher an. Etwas mehr als die Hälfte der Ausgaben (52 Prozent) fällt hingegen durch Besucher des Rahmenprogramms vor, während und nach der WM an.
Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist somit, dass mehr als die Hälfte der Tourismusausgaben davon abzuhängen scheint, wie attraktiv sich Nürnberg vor, während und nach der WM präsentiert.
Weltweit größtes Rasenstück
Die Stadt Nürnberg hat deshalb bereits ein Programm entworfen, das die Besucher ansprechen soll. Dieses Programm umfasst unterschiedliche Aktivitäten, die sich direkt auf das Thema Fußball beziehen. Hier wären der WM-Park, Szeneturniere oder Turniere mit Partnerstädten zu nennen. Zusätzlich sind kulturelle Aktivitäten geplant, die in unterschiedlichster Art und Weise eine Beziehung zum Thema Fußball herstellen. Beispiele hierfür sind die Blaue Ball Nacht, das größte Rasenstück der Welt und die Kneipen-WM. Indem sich regionale Unternehmen an diesen Aktivitäten aktiv und finanziell beteiligen, kann zum einen die Kostenlücke der Stadt weiter geschlossen werden.
Zum anderen, und dies ist ein bedeutender Aspekt für die Wirtschaftsregion Nürnberg, haben die regionalen Unternehmen die Chance, sich die Ausgaben der Touristen zu erschließen, und können dadurch an dem Umsatzpotenzial partizipieren. Das zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Stadt Nürnberg durch ihre Investitionen und Programmgestaltung bereits attraktive Rahmenbedingungen für die WM und dadurch ein erhebliches Umsatzpotenzial für die Unternehmen der Wirtschaftsregion Nürnberg geschaffen hat. Wichtig ist aber nun, dass die Unternehmen die Rahmenbedingungen auch nutzen und sich dieses Umsatzpotenzial erschließen. Dies sollte durch eine Beteiligung an den Aktivitäten der Stadt geschehen.
Die WM scheint für Nürnberg somit vor allem dann ein Erfolg zu werden, wenn sich die regionalen Unternehmen - und natürlich auch die Bevölkerung - für die WM begeistern und auf den WM-Zug der Stadt aufspringen.
Informationen zum Autor Dr. Florian Gierke
¹ Die Berechnung des Multiplikatoreffektes erfolgte in Anlehnung an Weißbach, Hans-Jürgen (2003): Effekte der Olympiabewerbung der Stadt Leipzig und mögliche Folgen einer Durchführung der Olympischen Spiele 2012 für Leipzig, die Partnerstädte und den Freistaat Sachsen, 2003.
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