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Interview mit Sascha Samulewicz (Borussia Dortmund II)
von Gerd Janiszewski (2007)
Sascha studiert Sportwissenschaften im 1. Semester an der Uni in Bochum; das Studium ist wichtig für ihn, damit er nicht nur "Fußball" hört, sondern sich auch weiterbildet. Sein Vertrag in Dortmund läuft im Sommer aus, er hofft aber weiterhin in Dortmund bleiben zu können.
Weshalb nimmst du die Doppelbelastung Fußball - Uni auf dich?
Samulewicz: Ich halte es für wichtig, dass man neben dem Fußball auch ein bisschen was für den Kopf macht - sozusagen als Ausgleich. Dann kann ich mich sogar wieder besser auf den Fußball konzentrieren. Für mich ist es wichtig, daß ich auch noch etwas nebenher mache, ansonsten würde ich wahrscheinlich "verblöden".
Stimmt es tatsächlich, dass dein erstes Wort nicht "Mama" oder "Papa", sondern "Ball" war?
Samulewicz: Ja. Das ist WIRKLICH wahr. Frag mich nicht - ich weiß es auch nicht warum, aber mein erstes Wort war einfach nur "Ball". Mein Ball war irgendwie mein Ein und Alles für mich gewesen und so war mein erstes Wort halt "Ball" (lacht).
War dein Papa da nicht etwas enttäuscht?
Samulewicz: Nee, gar nicht (lacht). Mein Papa war schon immer sehr fußballbegeistert und als ich dann vor 6,5 Jahren das Angebot von der Borussia bekommen habe, da ist für ihn ein ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Aber die Fußballergene habe ich wohl von meinem Großvater mütterlicherseits geerbt. Der hat auch in meinem alten Verein in Dortmund überregional und höherklassig gespielt, er war wohl richtig gut.
Die Stationen "TSC Eintracht Dortmund", "Blau-Weiß Huckarde" und dann der BVB - wie kam's dazu?
Samulewicz: Begonnen habe ich bei Huckarde, weil das einfach bloß 200 m von mir zuhause entfernt ist. Mein Bruder wollte unbedingt in den Fußballverein und da bin ich einfach mal mitgegangen, denn was der große Bruder macht, muß man ja auch machen... Mein Bruder ist ins Tor gegangen, also bin ich auch ins Tor gegangen.
Nach 2 Jahren hat mich die Eintracht, immerhin der zweitgrößte Verein in Dortmund, geholt, aber ich habe mich dort irgendwie nie so richtig wohl gefühlt. Da bin ich dann wieder für 2 Jahre zu Huckarde zurück zu Blau-Weiß und habe bereits als C-Jugendlicher in der 1. Mannschaft mittrainiert, die damals schon Landesliga gespielt hat.
Zu dem Zeitpunkt hat NIKE dann die Werbekampagne "Euro Mission Camps" veranstaltet. Am Tag des Anmeldeschluß' hatte mich mein Vater dort angemeldet - ich selbst wollte eigentlich gar nicht hin. Nach 20 Minuten Torschußtraining hat dann Michael Skibbe zu mir gesagt "Gib mal dem Herrn da hinten, Peter Watzinski, deine Telefonnummer - wir wollen dich holen."
So habe ich, glaube ich, 6 Ligen übersprungen von der Kreisliga in die Westfalenliga.
Beide Brüder Torwart im selben Verein, nur 2 Jahre auseinander - gab's da keine Eifersüchteleien?
Samulewicz: Nein, überhaupt nicht. Mein Bruder hat aus meiner Sicht das größere Talent gehabt und würde jetzt sicher auch höherklassig oder bei einem Bundesligisten spielen - aber er hat nicht denselben Ehrgeiz gehabt wie ich. Die Konzentration auf den Fußball hat bei ihm gefehlt - er hat sich zu sehr von den Anderen ablenken lassen.
In der Vorrunde 2006/07 hattest du gerade mal 3 Einsätze im Regionalliga-Team - wie denkst du über deine Situation - wie soll's weitergehen?
Samulewicz: Damit kann ich wirklich nicht zufrieden sein, vor allem da alle drei Spiele verloren wurden. Wir haben insgesamt eigentlich nur 3 Spiele verdient verloren, beim Rest war schon viel Pech dabei. Generell muß ich natürlich meine Bilanz verbessern, das ist klar. Sören ist jetzt oben bei den Profis als Nr. 2 - es wird nun zwar ein neuer Torwart für die Regionalliga geholt, aber ich hoffe, ich werde erstmal den Bonus haben und die Nr. 1 sein. Ich freu mich schon auf jedes Spiel das ich machen kann und will natürlich auch der Mannschaft und dem Verein helfen, dass wir die Klasse halten können.
Im Jahr 2007 gibt's in der Bundesliga ein Torwart-wechsel-dich-Spielchen wie schon lange nicht mehr, wie kannst du davon profitieren?
Samulewicz: Ich werde Gas geben und hoffentlich auch gute Spiele machen. Auf eine Entwicklung wie bei Manuel Neuer kann ich dann natürlich nur hoffen.
Du trainierst intensiv und spielst wenig - jeder Torwart weiß: das ist Gift für die Motivation und viel schlimmer: ohne kontinuierliche Spielpraxis fehlt die Sicherheit. Wie schaffst du es trotzdem bei der nächsten Chance topfit zu sein?
Samulewicz: Ich versuch mich einfach nicht verrückt machen zu lassen und nicht zu verkrampfen. Versuche recht locker zu bleiben und trotzdem alles immer mit dem nötigen Ernst und Ehrgeiz anzugehen. Ich weiß was ich kann und darauf werde ich mich verlassen.
Was ist für dich die optimale Gruppengröße beim Torwarttraining?
Samulewicz: Zwei - dann gibt's nicht soviel Pausen. Ich trainiere lieber in kleinen Gruppen, dort ist das Training etwas intensiver.
Welchen Stellenwert hat Krafttraining für dich?
Samulewicz: Man muß es machen - alleine schon, um in 1:1 Situationen dem Gegner entsprechenden Respekt einzuflößen. Zum Beispiel Roman Weidenfeller, Oliver Kahn oder auch Jens Lehmann: 190cm groß aber auch so um die 190cm breit - da geht kein Stürmer freiwillig hin, wenn die rauskommen (lacht).
Spaß beiseite, es ist wichtig, aber man sollte es auch nicht übertreiben - Bodybuilder will ich sicher nicht werden.
Immer mehr Profitorhüter sind offen für mentales Training und einige arbeiten sogar mit einem Mentaltrainer - wie denkst du darüber?
Samulewicz: Das ist sicher eine Alternative zum reinen Training, ich denke es ist ganz gut wenn auch mal jemand dabei ist, der einem hilft den Kopf frei zu bekommen. Das hat ja nicht zuletzt die Nationalelf unter Jürgen Klinsmann gezeigt.
An welchen Schwächen arbeitest du im Moment besonders intensiv?
Samulewicz: Technik mit meinem linken Fuß - das klappt zwar schon recht gut, kann aber noch besser sein. Ich konzentriere mich auch darauf noch mehr Ruhe auf dem Platz auszustrahlen und natürlich die Strafraumbeherrschung, aber das kommt mit der Spielpraxis ganz von alleine.
Und wo bist du bärenstark?
Samulewicz: Meine Stärken liegen auf der Linie und in meiner großen Sprungkraft und in 1:1-Situationen, da bin ich sehr stark.
Was ist deine Lieblingsübung im Training?
Samulewicz: Ball auf die Höhe des Pfostens, der Torwart steht in der Mitte und der Ball wird dann flach in die Ecke geschossen, so dass man sich richtig lang machen muß und dieselbe Übung halbhoch - so dass man richtig Gas geben, richtig kämpfen muß um den Ball zu erreichen.
Wie sieht dein ideales Torwartraining aus?
Samulewicz: So, dass man merkt, dass man was gemacht hat - aber auch so, dass man noch fit genug ist um sich auf's Spiel zu konzentrieren. Also mit ausreichend Ruhephasen, so dass man die Aktionen, die man hat, mit 100% gehen kann.
Welche 3 Tipps möchtest du jungen Keepern mit auf den Weg geben?
Samulewicz:
1. Ehrgeizig sein; die Ziele hoch stecken und die auch wirklich erreichen wollen
2. Den Blick für's Wesentliche nicht verlieren - sich nicht zu sehr ablenken zu lassen
3. Nie aufgeben
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