Rückpässe zum Torwart

Wenn Mitspieler den Ball zum Torhüter zurückpassen oder der Torhüter einen zu lang geratenen Pass des Gegners ablaufen kann, hat er verschiedene Möglichkeiten, den Ball wieder ins Spiel zu bringen.

Er kann ihn direkt, mit zwei oder auch mehreren Kontakten entweder lang nach vorne schlagen oder ihn nach einem oder mehreren Kontakten in einem Kurzpass zum Mitspieler weiterleiten. Welche Variante von den EM-Torhütern dabei bevorzugt eingesetzt wurde, zeigt die folgende Grafik:

Wenn man die Zahlen betrachtet, so fällt zunächst auf, dass am häufigsten der Ball vom Torhüter nach zwei Kontakten weitergespielt wird, d.h. oftmals wird der Ball mit einem Fuß angenommen und mit dem gleichen oder dem andere Fuß weitergepasst. Auffällig ist außerdem, dass der Ball deutlich häufiger in einem Kurzpass zum Mitspieler weitergeleitet und weniger oft lang nach vorne geschlagen wird. 

Fast genau umgekehrt sieht das Verhältnis aus, wenn der Ball vom Torwart direkt weitergeleitet wird. Häufig wird diese Variante angewendet, wenn der Ball vom Mitspieler zu kurz gespielt wurde oder ein gegnerischer Pass zu lang geraten war, der gegnerische Angreifer aber trotzdem nachsetzt und dadurch den Torhüter unter Handlungsdruck bringt.

Deutlich weniger oft spielt der Torhüter den Ball nach drei oder mehr Kontakten zum Mitspieler weiter. Diese Variante wird natürlich vor allem angewandt, wenn der Torhüter das Spiel beruhigen will.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, was mit den Zuspielen des Torhüters passiert, je nachdem ob sie lang oder kurz gespielt wurden. Eine Antwort auf diese Frage gibt die folgende Grafik:

Die Grafik zeigt deutlich, dass ca. 2/3 aller lang gespielten Bälle beim Gegner landen. In der Regel kommt es nämlich häufig zu Zweikämpfen, wenn der Ball hoch ins gegnerische Feld gespielt wird.

In vielen Fällen lässt sich zunächst nicht genau klären, wer als nächstes im Ballbesitz sein wird, da zwei Spieler zum Luftkampf um den Ball hochspringen und um den Ballbesitz kämpfen.

Dabei ist der gegnerische Verteidiger natürlich meist im Vorteil. Denn während der eigene Stürmer versuchen muss, den Ball zu kontrollieren, genügt es dem gegnerischen Verteidiger oftmals, ihn in diesem Bemühen zu stören, um den Ball zu bekommen. Deshalb haben wir in diesen Fällen gewartet, bis eine Mannschaft den Ball kontrollierte und dann notiert, ob der Ball im eigenen Ballbesitz blieb oder vom Gegner abgenommen wurde.

Wenn man dieses Ergebnis bewerten will und auf die Konsequenz für das Torwartspiel hin überprüfen will, dann muss man dafür plädieren, den Ball möglichst nicht einfach unkontrolliert nach vorne zu schlagen, es sei denn der Torhüter ist in Bedrängnis oder er kann mit dieser Aktion einen schnellen und überraschenden Gegenangriff einleiten. Ansonsten macht es keinen Sinn, einen gerade erst eroberten Ball mit großer Wahrscheinlichkeit wieder dem Gegner zu geben.

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