Rückpässe und ihre Bedeutung

Seit der Einführung der Rückpassregel hat sich das Torwartspiel verändert. Während früher Torhüter vor allem die Aufgabe hatten, Bälle, die aufs Tor kamen, abzuwehren, wird er seit der Regeländerung viel stärker in das Spiel der übrigen Mannschaft einbezogen.

Auch veränderte Spielsysteme, wie z.B. die Einführung der Viererabwehrkette, haben dazu beigetragen, dass sich das moderne Torwartspiel weg von der Torlinie hin zur Beherrschung des Strafraumes und darüber hinaus verändert hat. So muss er heute versuchen, einen Ball möglichst früh zu erobern, auch bereits außerhalb des Strafraumes, indem er z.B. Bälle des Gegners, die durch die Nahtstellen der Abwehr in die Tiefe gespielt werden, abzulaufen und zu klären.

Eine ganz wichtige Aufgabe des heutigen Torhüters ist aber vor allem, Anspielstation nach hinten für einen Mitspieler zu sein, der unter Gegnerdruck steht, oder ein weiterer Mitspieler zu sein, wenn die Mannschaft den Ball in den eigenen Reihen halten will, um z.B. Sicherheit zu gewinnen oder den Spielrhythmus des Gegners zu stören.

Jeder wird sich noch an die Torhüterdiskussion vor der WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann erinnern, in denen in langen und teils hitzigen Diskussionen darüber debattiert wurde, welcher Torhüter bei der anstehenden EM die Nummer 1 sein sollte.  Kahns überragende Qualitäten auf der Torlinie wurden dabei von niemandem in Frage gestellt. Für alle sichtbar waren aber auch seine Schwächen beim Verarbeiten von Rückpässen und im Passspiel allgemein,  weshalb sich der Trainerstab letztlich für den „modernen“ Torhüter, nämlich Jens Lehmann, entschied. 

Wie wichtig es für einen modernen Torhüter ist, auch ein guter Feldspieler zu sein und mit Rückpässen umgehen zu können, zeigt die folgende Grafik, bei der dargestellt ist, welchen Anteil Rückpässe und deren Verarbeitung während eines Spieles haben.

Dabei fällt auf, dass fast ein Fünftel aller Torhüteraktionen aus Rückpassaktionen besteht. Daher wird ein Torhüter, der keine fußballerischen Fähigkeiten mitbringt, auf Dauer im Spitzenfußball überfordert sein.


Eine wichtige Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass das Rückpassspiel viel stärker in das Torwarttraining integriert sein sollte und ein stetiger Bestandteil des Trainings sein muss. Wichtig ist dabei auch, dass Torhüter – vor allem Jugendtorhüter – unbedingt beidbeinig ausgebildet werden müssen, da ein Spitzentorhüter in der Lage sein muss, einen zurückgespielten Ball auch mit links sicher und möglichst zielgenau nach vorne spielen zu können. Denn
selbst im Spitzenbereich kann man bei manchen Torhütern sehen, dass sie den Ball nur mit dem starken Fuß spielen können und einen Ball, wenn er auf der „falschen“ Seite kommt,  des Öfteren unkontrolliert ins Seitenaus spielen.
Besonders gut lassen sich Rückpassübungen in die Aufwärmphase des Torwarttrainings einbauen.

GOALKEEPING.COM hat zum Thema „Aufwärmung für Torhüter – aber wie?“ eine CD-Rom auf den Markt gebracht, auf der Aufwärmprogramme zusammengestellt sind, in denen unter anderem Rückpassübungen vorgestellt sind.

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