Interview mit Raphael Schäfer (VfB Stuttgart)

von Artur Stopper (07/2007)

Zunächst noch einmal Gratulation zum DFB-Pokalsieg mit dem 1.FC Nürnberg. Fällt es nach einem solchen Saisonabschluss nicht noch schwerer, einen Verein zu verlassen, dem du 6 Jahre angehört hast?
Schäfer: Nein, ich hatte ja meine Entscheidung schon frühzeitig getroffen. Es ging ja nicht um Emotionen, sondern um Perspektiven, die der Verein bietet. Die waren in Stuttgart besser, weil der VfB ein Verein ist, der ambitionierter ist und schon länger in der Bundesliga spielt. Das war vor allem der Grund für meine Entscheidung. Es ist natürlich umso schöner, wenn man sich mit einem solchen Pokalerfolg verabschieden kann, denn man hat auch etwas erreicht für diesen Verein. Man kann auf dem Höhepunkt Tschüß sagen.

Es waren also diese sportlichen Gründe, die dich zum Wechsel nach Stuttgart bewogen haben?
Schäfer_Raphael Schäfer: Natürlich. Wenn man den VfB die letzten Jahre verfolgte, kann man feststellen, dass sie fast jedes Jahr um die internationalen Plätze mitgespielt haben und oft genug zumindest für den UEFA-Pokal qualifiziert waren. Daher gab die bessere sportliche Perspektive den Ausschlag für meine Entscheidung.

Du warst am Ende deiner Club-Zeit Mannschaftskapitän und wurdest in der Vorrunde von den Club-Fans zum besten Spieler der Vorrunde gewählt. Wie wichtig sind dir eigentlich solche Auszeichnungen?

Schäfer: Die Kapitänsauszeichnung war mir nicht so wichtig, weil ich eigentlich in den Jahren zuvor schon viel Verantwortung übernommen und mich um die Mannschaft gekümmert habe. Es war einfach nur eine Bestätigung meiner Arbeit. Natürlich freut man sich ein bisschen, wenn diese Arbeit auch von der Mannschaft anerkannt wird. Die andere Auszeichnung „Spieler der Vorrunde“ ist zwar schön, aber ohne Bedeutung, wenn man später einmal nach dem Erreichten gefragt wird und sich „Spieler der Vorrunde in Nürnberg“ nennen kann.

Ich frage deshalb, weil dir die Fans in der Anfangszeit in Nürnberg nicht immer gut gesonnen waren. Es waren bestimmte Widerstände da, die sich aber verändert haben. Wie bist du über diese schwierige Zeit hinweggekommen. Gibt es da bestimmte Techniken, die einem helfen können?
Schäfer: Besondere Techniken gibt es hier nicht. Man muss einfach an sich selber glauben und seinen Weg verfolgen, alles andere links liegen lassen und sich nicht verrückt machen lassen. Und man braucht natürlich auch Leute, die zu einem halten und einen da durchbegleiten.

Sind das eher Menschen aus dem sportlichen oder dem privaten Bereich?
Schäfer: Sowohl als auch. Man muss sich zunächst auf den Trainer verlassen, dass er zu seiner Meinung steht, die er sich gemacht hat, dass er sich von außen nicht abbringen lässt. Zum zweiten ist es natürlich auch die Familie, die einen stärkt und zusammenhält.

Hast du eigentlich auch schon Erfahrungen mit mentalem Training gemacht?
Schäfer: Ja.

Inwiefern?
Schäfer: Wir hatten unter Klaus Augenthaler einen Mentaltrainer, ist aber nicht meine Sache, da kann ich mich nicht mit anfreunden.

Nach deiner Jugendzeit bei Hannover 96 verbrachtest du zunächst 2 Jahre auf der Ersatzbank, bevor du dann als Stammtorwart zum VfB Lübeck wechseltest. Würdest du im Nachhinein einem jungen Torhüter eher den Weg über die Regionalliga oder 2. Liga empfehlen oder den Weg auf die Ersatzbank eines Erst- oder Zweitligisten?
Schäfer_Raphael Schäfer: In Hannover bin ich mit 17 und 18 Jahren auf der Bank gesessen. Von daher kann man das verkraften, denn man musste nicht davon ausgehen, dass man sofort Stammtorhüter wird. Der Wechsel nach Lübeck war für mich schon sehr wichtig. Erst  mal um von zu Hause wegzukommen, um auch als Mensch und Persönlichkeit zu reifen. In Nürnberg war es halt sehr eng mit Darius Kampa damals. Ich habe hart gearbeitet und mich letztlich durchgesetzt.

Du fühlst dich bereits sehr wohl in deinem neuen Mannschaftskreis. Hast du bereits im Vorfeld einige deiner neuen Mitspieler gekannt, so dass dir die Eingliederung leichter gefallen ist?
Schäfer: Ich glaube, wenn man bereits längere Zeit in der Bundesliga spielt, kennt man von fast jedem Verein die Spieler. Man spielt oft gegeneinander, man unterhält sich nach dem Spiel auch noch ein bisschen. Cacau kannte ich ja noch aus der gemeinsamen Nürnberger Zeit, gegen Bastürk hatte ich in der Jugendzeit fast bei jedem Hallenturnier gespielt. Daher kennen wir uns schon sehr lange. Die Eingewöhnungszeit geht aber normalerweise sehr schnell, weil man einfach sehr viele Gemeinsamkeiten hat, auch neben dem Platz. Daher paßt das schon.

Ihr hattet bis vor kurzem noch Sommerpause. Wie hältst du dich eigentlich über die Sommerpause fit?
Schäfer: Ich hatte von unserem Torwarttrainer Ebbo Trautner einen Plan bekommen, den ich einzuhalten versucht habe (grinst). So hält man sich fit, man bekommt seine Hausaufgaben …

Sind das vor allem Laufeinheiten, oder was gehört sonst noch dazu?
Schäfer: Laufeinheiten, Krafttraining, also alles Mögliche.

Welche Rolle spielt Krafttraining grundsätzlich in der Vorbereitung für Torhüter?

Schäfer: Dafür bin ich eigentlich der falsche Ansprechpartner, diese Fragen müsste der Trainer beantworten. In erste Linie trainiert man das, was vorgegeben ist, und das ist bei jedem Verein anders. Ich glaube, Krafttraining ist besonders anfangs sehr wichtig, um eine gewisse Substanz aufzubauen, um durch die Saison zu kommen.

Wie häufig bist du während der Saison im Krafttraum, auch regelmäßig?
Schäfer: In Nürnberg war es so, dass wir ein Mal in der Woche im Kraftraum waren, was eigentlich auch gereicht hat, weil man als Torhüter eher Schnellkraft braucht und weniger Kraftausdauer. Da der Torhüter sehr viele schnelle Bewegungen durchführen muss, muss er vor allem an der Schnellkraft arbeiten.

Werden die Schnellkraftübungen vor allem im Kraftraum oder auf dem Platz durchgeführt?
Schäfer: Man kann das sowohl im Kraftraum, als auch auf dem Platz machen. Aber dafür sind die Trainer zuständig, die richtigen Übungen auszusuchen.

Du hast einen Vierjahresvertrag in Stuttgart unterschrieben. Welche Ziele hast du dir mit dem VfB gesetzt?
Schäfer: Die Ziele gibt vor allem die sportliche Leitung heraus. Meine Ziele sind, mit dem VfB so erfolgreich wie möglich zu spielen. Das versuchen wir alle zusammen umzusetzen. Man wird sehen, was dabei herauskommt. Der Trainer hat schon recht, man kann sich keine langfristigen Ziele setzen. Ein Ziel von mir ist natürlich weiterhin die Nationalmannschaft. Darauf kann ich hinarbeiten, aber ob ich es erreiche, liegt nicht nur in meiner Hand.

Goalkeeping.com wünscht dir jedenfalls auf deinem Weg alles Gute.