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Interview mit Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund)
von Artur Stopper (08/2008)
Seit Jahren zu den besten Torhütern in Deutschland zählt Roman Weidenfeller. In den Jahren 2005 und 2006 wurde er von der Fachzeitschrift „Kicker“ zum besten Torhüter der Saison gewählt. Besonders in der letzten Saison war er vom Pech verfolgt, da ihn immer wieder schwerwiegende Verletzungen in seiner Entwicklung zurückwarfen.
Goalkeeping.com sprach mit ihm über seine Pechsträhne in der letzten Saison, über seinen aktuellen Gesundheitszustand und seine Erwartungen an die Zukunft.
Roman, die letzte Saison verlief für dich aufgrund zweier schwerer
Verletzungen sehr unglücklich. Im Dezember 2007 wurdest du an der Schulter operiert. Kurz vor deinem Comeback zogst du dir einen Teilabriss des Innenbandes im Knie zu. Sind diese Verletzungen ein normaler Teil einer Profifußballkarriere oder hattest du besonders viel Pech?
Es ist eigentlich normal, dass kaum ein Spieler ohne Verletzung durch die Saison kommt. Man hofft natürlich, dass die Verletzungen nicht allzu schwer sind. Sicherlich hatte ich in der letzten Saison eine kleine Pechsträhne, denn nachdem ich nach der relativ schwierigen Schulterverletzung wieder fit war, riss anschließend noch das Innenband. Aber wie bereits betont, gehören Verletzungen zum Profialltag dazu. Wichtig für mich ist, dass alles wieder komplett ausgeheilt ist und ich mich wieder topfit fühle und voll angreifen kann.
Du bist also schon wieder völlig beschwerdefrei?
Ich bin wieder absolut beschwerdefrei und vertraue meinem Körper hundertprozentig. Ich hatte bisher viel Glück mit meinem Körper und bin voll und ganz zufrieden.
Hat man eigentlich als Rekonvaleszent während der Zeit der Verletzung viel Kontakt zur Mannschaft oder arbeitet man überwiegend alleine?
Ich habe immer den Kontakt zur Mannschaft gehalten, wobei das manchmal sehr schwierig war. Es ist natürlich kein schöner Augenblick, wenn die Mannschaft zum Training oder Spiel hinausgeht, man selbst aber in der Kabine bleiben muss und medizinische Behandlungen oder Physiotherapie hat. Das sind immer schwere Momente. Deshalb ging ich auch manchmal drei Wochen am Stück in die Reha zu Klaus Eder nach Donaustauf, was mich sehr weit nach vorne gebracht hat, weil wir sehr professionell und gut zusammen gearbeitet haben und es für meine Verletzung das Beste war.
Wie sah dein Alltag in dieser Zeit der Reha aus? Nichtprofisportler gehen nach Verletzungen vielleicht 1 Stunde pro Tag zum Physiotherapeuten …
(lacht) Das war komplett anders. Ich bin morgens gegen 8 Uhr aufgestanden, war dann gegen 9 Uhr im Rehazentrum in Donaustauf und trainierte dort bis abends um 18 Uhr. Auch Mittagessen gab es in der Reha selbst. Die Mittagspause nutzte ich immer, um physikalische Behandlungen zu bekommen, das heißt Strom, Massagen, Laserbehandlungen und Ähnliches. Ansonsten trainierte ich die ganze Zeit durch. Das kann man einmal drei Wochen machen, muss dann aber wieder weg, weil es natürlich mit der Zeit eintönig und langweilig wird. Man hat irgendwann keine Lust mehr, die ganze Zeit ins Fitnessstudio zu gehen und Gewichte zu drücken.
Was hast du eigentlich in der langen Verletzungsphase vom deiner Beruf als Profifußballer am meisten vermisst?
Am meisten vermisste ich, wieder spielen und vor Zuschauern auflaufen zu können, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden, und einfach nur Fußball zu spielen. Das ist sicherlich das, was auch die meisten anderen Fußballprofis vermissen würden, denn man ist es gewohnt, jede Woche volle Stadien zu betreten, dass die Fans einem zujubeln und dadurch die körperliche Anstrengung honoriert wird. Außerdem gibt es nichts Schöneres, als wenn man Spiele gewinnt und Erfolg hat. Das sind Momente, die einem fehlen und denen man hinterhertrauert.
Der Körper ist das Kapital eines Profisportlers. Denkt man bei so langen Verletzungsphasen auch darüber nach, wie schnell eine starke Verletzung die weitere Sportkarriere beeinflussen kann?
Nein, absolut nicht. Bisher ist es so, dass ich meinem Körper zu hundert Prozent vertraue, auch wenn einmal ein Rückschlag kommt, Heutzutage ist das auch immer weniger ein Gedanke, weil die medizinischen Möglichkeiten und die ärztliche Versorgung so gut sind, dass ganz selten die Sportinvalidität eintritt. Wenn es aber einmal der Fall sein sollte, muss man sich damit auch abfinden. Es ist aber kein Gedanke, mit dem ich mich befasse.
Trainer Klopp äußerte bereits in einem Interview, dass du für ihn die Nr. 1 sein wirst, wenn du fit bist. Wie wichtig ist so ein Vertrauensbeweis in deiner jetzigen Situation?
Das tut natürlich schon sehr gut, denn gerade nach so einem halben Jahr Verletzungspech ist es schon sehr wichtig, wenn man das Vertrauen des Trainers spürt. Zudem haben wir ja einen neuen Trainer, da freut es einen natürlich umso mehr, wenn auch der neue Trainer eine klare Ansage gemacht hat. Dementsprechend bin ich auch froh darum, werde mein Bestes geben und alles daransetzen, das im mich gesetzte Vertrauen wieder zurückzuzahlen.
Du warst in deiner Anfangszeit in Dortmund sehr umstritten und entwickeltest dich dann zu einem der stärksten Torhüter in Deutschland, so dass du 2005 und 2006 vom Fachmagazin Kicker zum besten Torhüter der abgelaufenen Saison gekürt wurdest. Wie hast du dir selbst eine solche Entwicklung erklärt?
Es stimmt, dass ich sehr gute Jahre hinter mir hatte. Der Anfang in Dortmund war sehr schwierig für mich, da ich ein sehr junger und unerfahrener Torhüter war, gerade im Umgang mit der Presse. Oftmals wurden Dinge falsch verstanden und ich dadurch in ein falsches Licht gerückt. Das sind aber alles Dinge aus der Vergangenheit, das sind Lehrjahre, wie man so schön sagt. Es gehört auch dazu, dass man auch mal in die eine oder andere Pfütze tritt, die man am liebsten umgehen würde. Man muss daraus lernen, und ich habe daraus gelernt. Danach kamen sehr gute Jahre, an die ich möglichst wieder anknüpfen möchte, Ich weiß, was ich kann, und wenn alles normal läuft, haben wir auch gute Möglichkeiten, mit Borussia Dortmund wieder guten Fußball zu bieten.
Du warst einst der Nachfolger von Jens Lehmann bei Borussia Dortmund. Machst du dir auch noch Gedanken darüber, der Nachfolger von Jens Lehmann in der Nationalmannschaft zu werden?
Vor ca. zwei Jahren war der Zeitpunkt, als das Thema Nationalmannschaft vor der Haustür stand. Damals fiel die Entscheidung gegen mich, was ich akzeptieren musste. Mittlerweile sehe ich alles aus einem weiteren Blickwinkel, weil man das Ganze letztlich nicht beeinflussen kann. Man kann nur durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machen. Das versuche ich natürlich in der kommenden Saison. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht.
Du sollst 2006 auch als Nachfolger von Jens Lehmann bei Arsenal London im Gespräch gewesen sein. Wäre es für dich ein Ziel, auch einmal im Ausland zu spielen?
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich viele gute Anfragen. Ich entschied mich für Borussia Dortmund und verlängerte meinen Vertrag, weil ich einfach die Perspektive hier in Dortmund gesehen habe. Da habe ich aus meiner Sicht auch alles richtig gemacht. Na klar, wenn noch einmal ein Anruf eines europäischen Großvereines käme, müsste man überlegen, was dann passiert. Mein Vertrag läuft am Saisonende aus. Eine Auslandserfahrung tut sicherlich immer gut, nicht nur persönlich, sondern auch unter sportlichen Gesichtspunkten. Man lernt eine neue Mentalität und Sprache kennen. An Christoph Metzelder und anderen Deutschen sieht man, dass sich die meisten recht gut im Ausland zurechtgefunden haben. Natürlich würde ich nicht planlos ins Ausland wechseln, sondern die ganze Sache müsste Hand und Fuß haben.
In Kürze wirst du 28 Jahre alt, befindest dich wohl in der Lebensmitte einer Torhüterkarriere. Welche Ziele möchtest du noch erreichen?
Wichtig ist erst einmal, dass die Gesundheit stimmt, nur dann kann man die Ziele verwirklichen. Natürlich wollen wir mit Borussia Dortmund möglichst weit nach oben kommen, es wäre toll, UEFA-Cup oder sogar noch ein Schrittchen weiter international zu spielen. Bezüglich der Nationalmannschaft muss man abwarten, wie sich das Ganze die nächsten Jahre entwickelt. Also von mir aus sind alle Türen gerne offen. Wenn mein Körper mitmacht und die Leistung passt, wird das ein oder andere schon noch auf mich zukommen.
Du hattest nun schon einige Wochen Einblick in die Zusammensetzung des neuen Kaders. Was traust du Borussia Dortmund in der kommenden Saison zu?
Wir haben mittlerweile eine sehr junge Mannschaft, die wir zusammenformen wollen, dass wir ein schönes Bollwerk werden mit dem neuen Trainer Jürgen Klopp an der Seite, der uns nach vorne peitscht. Ich denke, das wird ganz gut zusammenpassen, und wenn wir uns jetzt die nächsten Wochen noch finden, werden wir gut aus den Startlöchern herauskommen. Bisher läuft alles sehr planmäßig, wobei dadurch noch nicht gewährleistet ist, dass es dann auch in der Bundesliga oder im Pokal so läuft. Wir hoffen natürlich, dass wir am Anfang das notwendige Quäntchen Glück haben und Spiele gewinnen, und dann sozusagen ins Laufen kommen.
Wir drücken dir jedenfalls die Daumen, dass deine Gesundheit hält und zumindest ein großer Teil deiner Ziele in Erfüllung geht, und bedanken uns recht herzlich dafür, dass du dir für uns Zeit genommen hast.
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