Interview mit R. Weidenfeller im Mai 2005
(BVB - Borussia Dortmund)


Im Mai 2005 lieferte goalkeeping.com eine Handschuh-Sonderanfertigung im Auftrag von NIKE an Roman Weidenfeller aus.

Diese Gelegenheit haben wir gleich beim Schopfe gepackt und ein kurzes Interview mit Roman geführt.

Roman spielte in 2005 eine überragende Halbserie, viele sehen ihn mehr als nur im erweiterten Kader für die Nationalmannschaft.

Es kann also noch einiges passieren bis zur WM – seien wir gespannt.

 




Welche Gewichtung messen Sie den Handschuhen bei der Ausübung Ihres Beruf als Profitorhüter bei? Welche Eigenschaften der Handschuhe sind für Sie entscheidend?

Roman Weidenfeller: Handschuhe sind für mich als Torhüter das wichtigste Werkzeug in meinem Beruf. Entscheidend ist der Haftschaum und dass ich mich in den Handschuhen wohl fühle.

Mit welchen Handschuhen spielen Sie in der kommenden Saison? Sind diese Handschuhe eine Sonderanfertigung?

Roman Weidenfeller: Ich spiele weiter in Nike-Handschuhen wie in dieser Saison. Sie sind zwar für mich angefertigt, aber Fans können sie auch im Fachhandel bekommen.

Verwenden Sie im Falle einer Verletzung der Finger oder der Hand spezielle Fingerprotektionshandschuhe, wie z.B. den T90 Wired? Falls ja: Welche Eigenschaften des Handschuhs überzeugen Sie dabei am meisten?
Falls nein: wie behelfen Sie sich dann?

Roman Weidenfeller: Nein, solche Handschuhe benutze ich nicht. Wenn überhaupt, hilft mir ein Tapeverband.

Welche Eigenschaften sind Ihre absolute Stärken beim Torhüterspiel?

Roman Weidenfeller: Es ist nicht so leicht, über sich selbst zu sprechen. Aber ich denke, dass ich mit meinem Reaktionsvermögen und meiner persönlichen Durchsetzungskraft ganz gut für meinen Beruf geeignet bin. Aber ich bin erst 24 und bemühe mich, täglich zu lernen.

Welche Schwerpunkte setzten Sie im Torhütertraining?

Roman Weidenfeller: Ausdauer, Reaktionsschnelligkeit, Stellungsspiel, Fangsicherheit.

Wie stimmen Sie sich mit dem Torhütertrainer/Trainer in Bezug auf Schwerpunkte und Inhalte des Keepertrainings ab?

Roman Weidenfeller: Ich habe mit meinem Torhütertrainer Teddy de Beer ein sehr offenes  Verhältnis, so dass wir uns jederzeit austauschen können. Das gleiche gilt auch für den Cheftrainer Bert van Marwijk.

Wann werden im Torhütertraining neue Methoden, Geräte oder Übungen ausprobiert?

Roman Weidenfeller: Neue Übungen werden immer ausprobiert. Dafür bin ich stets offen. Wenn es Sinn macht, denken wir auch über neue Entwicklungen bei Methoden und Geräten nach.

Gibt es ein Gefühl des Kribbelns vor einem Bundesliga-Spiel? Gibt es dabei Unterschiede von Spiel zu Spiel?

Roman Weidenfeller: Ein Kribbeln gibt es immer. Das ist auch wichtig, um die richtige Einstellung und Konzentration zu haben. Der Gegner ist egal, ganz gleich ob es ein unterklassiger Verein im Pokal oder ein internationaler Gegner ist.

Welches Ziel haben Sie sich für die kommende Saison gesetzt?

Roman Weidenfeller: Mit dem BVB wieder international dabei zu sein und möglichst meine Leistungen zu stabilisieren.

Wovon werden Sie es abhängig machen, ob Sie beim BVB bleiben werden?

Roman Weidenfeller: Zunächst einmal habe ich einen laufenden Vertrag bis 2006. Ich fühle mich beim BVB sehr wohl und werde zum geeigneten Zeitpunkt mit dem Verein sprechen.

Welche beruflichen Perspektiven sehen Sie für sich nach Ihrem Karriereende? Planen Sie das heute überhaupt schon?

Roman Weidenfeller: Mit 24 Jahren plane ich noch nicht konkret für die Zeit nach meiner aktiven Laufbahn, aber ich möchte auf jeden Fall dem Fußball verbunden bleiben.

Sie werden als sehr bodenständiger Spieler wahrgenommen. Bei welchem Verein würden Sie irgendwann gerne noch spielen?

Roman Weidenfeller: Zum Ende meiner Profikarriere wieder bei meinem Stammverein, den Sportfreunden Eisbachtal.

Wenn Sie nicht Profi geworden wären, dann wären Sie heute.....?

Roman Weidenfeller: Ein ganz normaler Bürokaufmann, der zur Arbeit geht und in seiner Freizeit Fußball spielt.

Welche Torhüter haben Sie als Jugendspieler, aber auch noch während Ihrer Karriere sehr beeindruckt?

Roman Weidenfeller: Als Jugendlicher habe auf Torhüter wie Toni Schumacher, Oliver Kahn und Jens Lehmann geschaut.

Was war das Highlight in Ihrer bisherigen Karriere? Welches war bisher Ihre lehrreichste Erfahrung?

Roman Weidenfeller: Der Derbysieg mit dem BVB im Mai 2005 in der Arena AufSchalke und mit dem 1. FC Kaiserslautern mein erstes UEFA-Cup-Spiel am Betzenberg gegen den PSV Eindhoven, wo wir 1:0 gewonnen haben – das waren die vorläufigen Highlights. Meine lehrreichste Zeit waren die Monate auf der Bank des BVB, das war eine richtige „Banklehre“ für mich.

Vor allem durch Ihre Leistungen hat der BVB in dieser Rückrunde wieder einen großen Schritt nach oben gemacht – was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Ihre Entwicklung der letzten drei Jahre denken?

Roman Weidenfeller: Ich habe gelernt, wie schnell es im Fußball nach oben, aber auch nach unten gehen kann. Ich habe in den letzten drei Jahren an Reife, Ruhe und Erfahrung gewonnen.

Was sind aus heutiger Sicht die größten Unterschiede bei Ihren bisherigen Vereinen?

Roman Weidenfeller: Wenn ich Kaiserslautern mit Dortmund vergleiche, stelle ich fest, dass beide Vereine viel Tradition und unglaublich treue Fans haben. Beim BVB ist allerdings alles eine Nummer größer.

Welche Torhüter in Deutschland können mittelfristig das Weltklasse-Duo Kahn-Lehmann ablösen?

Roman Weidenfeller: Es gibt eine Reihe guter junger Torhüter in Deutschland. Namen möchte ich nicht nennen.

Wie erklären Sie sich die lange Geschichte und Tradition an Weltklassetorhütern in Deutschland?

Roman Weidenfeller: Zu einem guten Torhüter gehören harte Arbeit und gesunder Ehrgeiz. Ich glaube, dass das deutsche Tugenden waren und sind.

Welche drei Ratschläge geben Sie jungen talentierten Nachwuchstorhütern mit auf den Weg?

Roman Weidenfeller:
1. Professionell trainieren und leben.
2. Einen guten Verein, bei dem man ausgebildet wird, finden.
3. Die Rolle eines Torwarttrainers hoch einschätzen.

Was bedeutet es für Sie, bereits jetzt auch in den Medien als einer DER Führungsspieler anerkannt zu werden?

Roman Weidenfeller: Das ist eine große Ehre, die aber auch die Verpflichtung mitbringt, ständig an sich zu arbeiten.

Welche speziellen Anforderungen stellt die Bundesliga an die Torhüter. Wo liegen die Unterschiede zum Amateurbereich in Deutschland oder zur Premier League in England?

Roman Weidenfeller: Ich kann die Premier League nicht aus eigener Erfahrung beurteilen. Ich weiß aber, dass in der Bundesliga sehr professionell gearbeitet wird.

Was wollen Sie in Ihrer aktiven Karriere unbedingt noch erreichen?

Roman Weidenfeller: So viele Titel wie möglich gewinnen.

Beschreiben Sie die Begeisterung der BVB-Fans: Was bekommen Sie dabei als Torhüter während eines Spiels tatsächlich mit?

Roman Weidenfeller: Im Westfalenstadion als BVB-Spieler aufzulaufen, ist ein Gefühl, das nicht jedem Spieler vergönnt ist. Die Begeisterung speziell auf der Südtribüne ist einzigartig. Aber auch auswärts spürt man die Rückendeckung unserer Fans.

Wieviel Paar Handschuhe verschleißen Sie in einer Saison?

Roman Weidenfeller: So ungefähr 30 Paar.

Worauf achten Sie beim Elfmeter? Oder entscheiden Sie spontan?

Roman Weidenfeller: Ich vertraue auf den Fuß und auf mein Gefühl.

Was gefällt Ihnen an dem Trubel um Ihre Person als Bundesligaprofi und Vorbild für viele junge Spieler besonders gut? Was überhaupt nicht?

Roman Weidenfeller: Die Begeisterung der Fans gehört zu meinem Beruf, und ich genieße sie auch. Aber man muss wissen, wann man sich nur noch auf das Training bzw. auf das Spiel konzentrieren muss.

Bei vielen ist es ja mittlerweile Mode eine ganz spezielle Rückennummer zu tragen. Welche Nummer ist IHRE Lieblingsnummer? Warum?

Roman Weidenfeller: Da  kann es nur die „1“ geben.

Zum Abschluss bitten wir Sie noch um ein offenes Wort zu goalkeeping.com (Webseite, Angebot, etc.)

Roman Weidenfeller: Eine hochaktuelle und professionell gestaltete Seite, die man auch jungen Fußballern empfehlen kann.

Interview vom Mai 2005