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Interview mit Philipp Tschauner (TSV 1860 München)
von Artur Stopper (05/2007)
Der 1.FC Nürnberg ist dieses Jahr deutscher Pokalsieger geworden. Was sagst du als ehemaliger Nürnberger zu diesem Erfolg?
Tschauner: Das ist natürlich nicht schlecht. Ich habe 10 Jahre bei diesem Verein gespielt. In dieser Zeit hatte der FCN eine schlechte Phase mit hohen Schulden. Dass sie es jetzt geschafft haben, Pokalsieger zu werden, ist schon eine großartige Sache.
Wie du bereits erwähntest, hast du ab 1995 10 Jahre beim 1.FC Nürnberg verbracht. War es im Nachhinein ein Fehler, Nürnberg den Rücken zu kehren, da Raphael Schäfer nun den Club verlässt?
Tschauner: Absolut nicht. Ich glaube, dass ich in Nürnberg nie die Chance bekommen hätte, erster Torwart zu werden. Man sieht ja auch jetzt wieder durch die Verpflichtung des Tschechen Blazek, dass meine Nachfolger als Jugendtorhüter oder Daniel Klewer keine Chance bekommen. Ich jedenfalls bin absolut zufrieden mit dem Wechsel zu 1860.
Warum bist du gerade zu 1860 gewechselt?
Tschauner: Auslöser war wie gesagt die schlechte Perspektive in Nürnberg. Beim U-20-Länderspiel gegen Italien in Burghausen war Stefan Reuter auf der Tribüne und sah mich dort das erste Mal live. Da zu dieser Zeit Timo Ochs gerade den Verein verließ, hatten sie bei 1860 eine freie Torwartstelle, und so hat sich dann alles weitere ergeben.
Philipp, du hast insgesamt 10 Länderspiele für die U-20/21 absolviert. Der Weg ging also immer nach oben. Wie schwer fällt es dir, nach vielen erfolgreichen Jahren die Ersatzbank einzunehmen zu müssen?
Tschauner: Es war eine schöne Zeit in der Nationalmannschaft und es ist bitter, die Qualifikation zur EM nicht geschafft zu haben im K.o.-Spiel gegen England, in dem ich auch dabei war. Bei 1860 lief es für mich von Anfang an verletzungsbedingt nicht so gut. Ich hatte am Saisonanfang gleich einen Meniskuseinriss und hatte somit die 4 wichtigsten Wochen der Saison verpasst. Von daher muss ich sagen, dass diese Saison für mich noch recht gut gelaufen ist, denn ich hatte 5 Zweitligaeinsätze und ca. 25 Regionalligaspiele.
Es scheint für junge gute Torhüter schwierig zu sein, in der Bundesliga sofort Fuß zu fassen (Beispiele Fromlowitz, Rensing …). Worin siehst du die Gründe?
Tschauner: Ich denke es gibt auch gute andere Beispiele, wenn man beispielsweise an Manuel Neuer oder Rene Adler denkt oder in der zweiten Liga an Alexander Walke. Ich denke, dass in der Zukunft mehr auf junge Torhüter gebaut wird, weil sie ein anderes Spiel spielen als die erfahrenen Torhüter. Und das moderne Torwartspiel ist heute sehr wichtig. Daher glaube ich, dass junge Torhüter in Zukunft gute Chancen haben werden.
Welche Rolle spielt für dich der Faktor Glück, um ganz nach oben zu kommen?
Tschauner: Glück spielt eine große Rolle. Das beste Beispiel ist Rene Adler, den ich noch von der U-20-Nationalmannschaft kenne. Rene ist ein super Torwart, von dem ich immer schon überzeugt war. Er hatte das Glück, dass er gegen Schalke ein richtig dankbares Spiel bekommen hatte, bei dem er sich 3-4 mal glänzend auszeichnen und damit Jörg Butt verdrängen konnte. Also der Faktor Glück oder im richtigen Moment zu spielen ist sehr wichtig.
In deinem Steckbrief auf der Homepage von 1860 München steht unter dem Stichwort erlernter Beruf „Fußballprofi“. Hast du ganz auf die Karte Fußball gesetzt oder hast du auch noch eine Berufsausbildung absolviert?
Tschauner: Nein. Ich habe nämlich nach der 12. Klasse Gymnasium meine Schulausbildung abgebrochen. Ich kam in den Profikader des 1.FC Nürnberg, wo ich mir sofort den Meniskus gerissen hatte, 4 Wochen ausfiel und davon 2 Wochen nicht in der Schule war. Obwohl wir eigentlich schon eine Art Sportgymnasium waren, legte mir der Schulleiter nahe, doch die Schulausbildung eher zu lassen, weil es schwer für mich werden würde, den ganzen Stoff nachzuholen. Daher hatte ich mich entschlossen, den Weg des Fußballprofis zu gehen und habe keine weitere Berufsausbildung absolviert.
Also bist du schon ein gewisses Risiko eingegangen…
Tschauner: Ein Risiko geht man als Berufsfußballer immer ein. Man kann sich auch nach kurzer Zeit Profifußball so schwer verletzen, dass die Karriere beendet ist. Deshalb ist ein gewisses Risiko immer dabei.
Wie man sehen kann, hast du einen sehr gut trainierten Körper. Welche Rolle spielt für dich Krafttraining in deinem Trainingsalltag?
Tschauner: Das Krafttraining ist am Anfang und während der Saison sehr wichtig, gegen Ende der Saison kann man es etwas vernachlässigen. An den Tagen, an denen wir Training haben, gehe ich auch jeden Tag in den Kraftraum, manchmal genügen schon 20 Minuten. Natürlich gibt es manchmal auch längere Einheiten, die über 45 Minuten gehen. Also für mich ist Krafttraining sehr wichtig.
Trainierst du in diesen Zusatzeinheiten überwiegend die Oberkörpermuskulatur oder auch die Beinmuskulatur?
Tschauner: Ich trainiere nicht speziell einzelne Muskelgruppen. Ganz wichtig ist meiner Meinung nach die Bauch-, Rumpf- und Rückenmuskulatur. Für besonders wichtig halte ich Stabilisations- und Ganzkörperübungen, da man als Torhüter nicht nur spezielle Muskeln braucht, sondern der ganze Körper wichtig ist.
Was kannst du eigentlich von einem erfahrenen Torhüter wie Michael Hofmann noch lernen?
Tschauner: Die Erfahrung. Ich glaube, dass er mit seinen vielen Spielen, die er bereits im Profibereich gemacht hat, eine gewisse Ruhe hat. Davon kann man sich noch ein bisschen was abschauen.
In welchem Bereich möchtest du dich vor allem noch verbessern?
Tschauner: Ich denke, dass man als junger Torhüter oft noch nicht genügend gut Fußball spielen kann. Es ist aber im heutigen Torwartspiel sehr wichtig, dass man den Ball annehmen oder mitnehmen kann. In diesem Bereich kann man immer besser werden. Was heutzutage natürlich auch sehr wichtig ist, ist dieses offensive Flankenspiel, dass man viele Ecken und Flanken abfängt, um damit der Mannschaft einen großen Gefallen zu tun. Einen Ball fangen kann jeder Torwart, der im Profibereich tätig ist, aber die genannten Aspekte bringen noch den Feinschliff.
Und das Offensivspiel verbessern…
Tschauner: Ja genau, also z.B. schnelle und genaue Abschläge oder Abwürfe an den eigenen Mann zu bringen, eine gute Spieleröffnung zu haben.
Welchem Torhüter würdest du gerne am nächsten kommen?
Tschauner: Petr Cech. In meiner Kindheit war zwar Andreas Köpcke mein Vorbild, aber vom modernen Fu0ball her ist es einfach Petr Cech, weil er eine ungeheure Ruhe ausstrahlt und ein komplett unspektakulärer Torwart ist. In der Bundesliga beispielsweise gibt es Torhüter, die sehr großen Wert auf spektakuläre Paraden legen. Petr Cech ist einfach ein ruhiger, solider und sehr guter Torwart.
Was tust du während der Sommerpause, um körperlich fit zu bleiben?
Tschauner: Ich persönlich schalte zunächst immer eine Woche ab, in der ich nur Urlaub mache und komplett vom Sport Abstand haben will, also auch keine anderen Sportarten betreibe. Die restlichen drei Wochen bis zum Saisonauftakt wird dann schon wieder richtig Gas gegeben. Man macht jeden Tag früh und abends seine Kraftübungen, geht dann nach dem Fitnessplan, den man bekommen hat, laufen. Da hat man also schon wieder einiges zu tun.
Philipp, du hast zwei sportliche Wünsche frei. Welche wären das?
Tschauner: Ich würde natürlich gerne Stammtorhüter in der Bundesliga werden. Wichtig wäre natürlich, dass ich das bei 1860 einmal in absehbarer Zukunft schaffe. Der andere Wunsch wäre, dass ich absolut verletzungsfrei bleibe.
Wir von Goalkeeping.com hoffen natürlich für dich, dass beide Wünsche einmal in Erfüllung gehen, und wünschen dir viel Glück auf deinem Weg.
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