Interview mit Philipp Heerwagen
(SpVgg Unterhaching)

von Artur Stopper (2006)
Bildquelle: www.philipp-heerwagen.com

Philipp, wie wurdest du Torhüter?
Heerwagen: ich bin mit 5 Jahren mit meinen Eltern aus Niederbayern nach Unterhaching gezogen und habe in der F-Jugend im Verein begonnen. Bei meinem damaligen F-Jugendtrainer musste sich jeder, der erstmals zum Training kam, zunächst einmal ins Tor stellen. Unser bester Elfmeterschütze schoss anschließend 2 Elfmeter, die ich beide hielt. Daraufhin probierten sie mich weiterhin im Tor aus, wo ich nun bereits seit ca. 18 Jahren stehe.

Seit wann hattest du regelmäßiges Torwarttraining, also eine Torwartausbildung?
Heerwagen: Seit der C-Jugend, als ich zu Bayern München wechselte. Bereits in Unterhaching hatte ich 1x pro Woche ein Torwarttraining, was mir in jungen Jahren sehr viel gebracht hatte. Es ist sehr wichtig, dass die Kids bereits die richtigen Techniken gezeigt bekommen. Bei Bayern München wurde ich dann 2x pro Woche regelmäßig von Sepp Maier trainiert. Es war die Zeit, wo ich absolut am meisten mitgenommen habe.
Leider macht er dies im Jugendbereich nicht mehr. Ich war einer der letzten, die noch in der B- und A-Jugend von ihm trainiert wurden. Seither betreut er nur noch die Profis.

Wie oft habt ihr hier in Unterhaching ein spezielles Torwarttraining?
Heerwagen: Speziell, d.h. dass man fast ausschließlich mit dem Torwarttrainer beschäftigt ist, in der Regel 1-2 x pro Woche. Für mich jedenfalls noch zu selten. Deshalb haben wir uns angewöhnt, dass wir nach dem Training, wenn der Rest  der Mannschaft ausläuft,  noch Dinge trainieren, von denen ich glaube, dass ich sie brauche. Wir führen also keine Trainingseinheit durch, sondern wenn ich z.B. Probleme in der Fangsicherheit habe, üben wir speziell diesen Bereich, um mir Sicherheit zu geben. da ich mich gut fühlen muss.

Machst du außerhalb der normalen Trainingseinheiten noch etwas zusätzlich für dich?
Heerwagen: Seit dem Sommer gehe ich jetzt regelmäßig 1x pro Woche ca. 2 Stunden zum Krafttraining ins Fitnessstudio, um mich athletisch weiterzuentwickeln. Da ich bisher einen eher schlaksigen Körperbau habe,  möchte ich  noch ungefähr 5 kg zulegen. Diese werde ich mir nicht anfressen (lacht), sondern ich versuche sie aufzutrainieren.

.. Was sicherlich auch der bessere Weg ist …
Heerwagen: .. ist der bessere Weg, absolut, besonders im Oberkörper versuche ich noch athletischer zu werden. Die Crux dabei ist, dass man aufpassen muss, dass man nicht zu träge wird. Man wird nämlich oben etwas breiter, aber träger an den Füßen, was ich bereits bemerkt habe. Dagegen mache ich nun spezielles Schnelligkeits-, Spritzigkeits-  und Reaktionstraining hier in München, ca. 45 min lang. Dazu gehören schnelle Sprints über ca. 5 m, Reaktionstraining auf Töne oder auf optische Zeichen. Dieses Training absolviere ich 1x pro Woche.
 
Welche Bedeutung hat die psychische Stärke eines Torhüters für dich?
Heerwagen: Das ist eine Sache, die sehr gerne unterschätzt wird. An den Nationaltorhütern kann man feststellen, dass sie meist über 30 Jahren sind. Sie haben dadurch genügend Erfahrung, wie man sich auf ein Spiel einstellt, wie man Fehler abhakt, wie man mit Kritik umgeht, wie man mit dem Trainer und mit Kritik des Trainers umgeht. Dazu gehört viel Erfahrung. Die psychische Stärke ist auch deshalb wichtig, weil man nicht viele Aktionen hat  und in diesen wenigen Aktionen hoch konzentriert sein muss. Wenn man mit den Mitspielern ausläuft, hört man öfters, dass man als Torhüter nichts gemacht hat. Wenn man die Torhüter hört, werden sie berichten, wie müde ihre Beine sind, denn als Torhüter muss man immer schnell und konzentriert sein.

Arbeitest du speziell im mentalen Bereich?
Heerwagen: Ich habe etwas in die mentale Schiene hineingeschnuppert, habe mir auch einige Sachen herausgezogen, wobei ich noch nie mit einem persönlichen Mentaltrainer gearbeitet habe. Ich habe schon einige kennen gelernt, mit denen ich einige Sitzungen hatte. Ich habe mir herausgezogen, was ich für mich verwenden konnte und habe es mit meinem persönlichen Erfahrungsschatz verknüpft. Es gibt noch keinen Mentaltrainer, der sich auf Torhüter spezialisiert. Es gibt viele, die im Feldspielerbereich arbeiten, aber der Torhüterbereich ist eine ganz andere Geschichte.

Nun musst du mir ein Geheimnis verraten. Wo liegen deiner Meinung nach noch deine Schwächen?
Heerwagen: Meine Schwächen sind vor allem die Athletik, an der ich noch arbeiten muss. Torwartspezifisch gesehen habe ich Probleme im oberen rechten Eck.

Soll ich dieses Geheimnis weitergeben oder diesen Teil besser herausschneiden?
Heerwagen: (lacht) Bis zur Veröffentlichung des Interviews habe ich meine Schwäche behoben. Diese Schwäche hängt damit zusammen, dass ich mir vor ca. 1 ½ Jahren zwei Bänder im Sprunggelenk gerissen habe und dadurch einen Cut bekommen habe, was diese Seite anbetrifft. Das war ein schleichender Prozess, den ich zunächst selber nicht bemerkt habe. Ich hatte mir im Fernsehen Szenen von Toren  angeschaut, die ich bekommen hatte, und habe mir dann überlegt, ob ich die auf der anderen Seite auch reingelassen hätte. Im Trainingslager im Winter nahmen wir verschiedene Übungen von vorne auf und stellten fest, dass ich auf dieser Seite einen ganz anderen Bewegungs-ablauf hatte. Ich denke, dass es nicht nur die fehlende Kraft war, sondern dass ich auf dieser Seite ein Koordinationsproblem hatte. Seither arbeiten wir jede Woche an dieser Schwäche.

Welche sportlichen Ziele möchtest du noch erreichen?
Heerwagen: Ich versuche mir immer kleinere Ziele vorzunehmen, denn ein Sportler lebt von seiner Motivation. Wenn ein Torhüter keine Motivation hat, den Ball zu halten, läuft er nicht hin. Wenn ein Feldspieler keine Motivation hat das Tor zu machen, dann tritt er einfach gegen die Kugel. Natürlich habe ich das Ziel, früher oder später einmal in der ersten Liga zu spielen. Dafür arbeite ich. Dann setze ich mir weitere Ziele. Natürlich wäre es einmal interessant, auf internationalem Parkett zu spielen. Mit Bayern München habe ich in der Jugend schon öfters international gespielt, aber das ist natürlich kein Vergleich. UEFA-Cup oder Champions-League wären ganz klar ein Traum für mich, aber ich spiele gerade 2. Bundesliga und habe zunächst das Ziel, in die 1. Bundesliga zu kommen.

Philipp, wo steht Unterhaching am Saisonende?
Heerwagen: Es ist schwierig zu sagen. Da viele Spieler noch sehr jung sind, sind natürlich auch Schwankungen in der Leistungskurve zu erwarten. Diese müssen wir auf Dauer stabilisieren. Ich schaue jedenfalls positiv in die Zukunft. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre natürlich schon eine super Sache für Haching. Ich schätze jedenfalls, dass wir die Klasse halten können und mit einem zehnten Platz wäre ich absolut zufrieden.

Ich wünsche dir, dass du einen guten Beitrag dazu leistest und eine gute Saison spielst. Ich bedanke mich für herzlich für das Interview.