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Interview mit Oka Nikolov (Eintracht Frankfurt)
von Artur Stopper (02/2008); Fotos: goalkeeping.com
Als “Held auf Abruf” und als „bester Ersatztorwart der Bundesliga“ wurde Oka Nikolov in verschiedenen großen deutschen Tageszeitungen schon bezeichnet. Für den sympathischen und bescheidenen Schlussmann der Frankfurter Eintracht sicherlich zu viel des Lobes. Sein Standpunkt ist eher: wenig reden, viel halten, nicht die eigene Person in den Mittelpunkt stellen.
Obwohl Interviews nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung sind, hat er sich den Fragen von Goalkeeping.com gestellt …
Zunächst einmal Gratulation zu deinen hervorragenden Leistungen in den letzten Spielen, vor allem gegen Bayern München. Die FAZ schrieb vor
kurzem über dich: „Ein Klassiker, der klasse hält.“ Siehst du dich in diesem Satz richtig beschrieben?
Nikolov: Es ist immer schwierig, sich selbst zu beurteilen. Ich versuche immer mein Bestes zu geben, beurteilen sollen mich andere.
Wenn man dich spielen sieht, hat man den Eindruck, dass dich überhaupt nichts aus der Ruhe bringen kann. Ist diese mentale Abgeklärtheit deine eigentliche Stärke?
Nikolov: Das weiß ich nicht, ich versuche einfach der Mannschaft Sicherheit zu geben, und ich denke dies kann man am besten, wenn man unaufgeregt agiert, obwohl es vielleicht in einem drinnen ganz anders aussieht. Aber diese innere Anspannung versuche ich im Spiel möglichst wenig zu zeigen.
Kann man diese mentale Stärken trainieren, arbeitest du z.B. mit einem Mentaltrainer zusammen?
Nikolov: Über die Jahre lernt man einfach mit dieser Situation umzugehen.
Immer wieder lieferst du starke Leistungen ab, wenn du nach Verletzungen Prölls ins kalte Wasser geworfen wirst. Trotz dieser hervorragenden Leistungen musst du nach der Genesung Prölls wieder auf die Einsatzbank. Ärgert dich das noch oder hast du die Rolle des zweiten Mannes akzeptiert?
Nikolov: Man kann sich schwer damit abfinden, denn man trainiert ja, um zu spielen. Ich gebe mich natürlich nicht gerne mit der Rolle des Ersatztorhüters zufrieden. Aber die Entscheidung trifft der Trainer, und diese Entscheidung muss man akzeptieren.
Oft hört man die Meinung, dass ein Torhüter nur gute Leistungen bringen kann, wenn er ständig spielt. Du scheinst diese These zu widerlegen. Bist du nicht ein gutes Beispiel dafür, dass Rotation auf der Torhüterposition – je nach aktueller Leistung – sinnvoll sein könnte?
Nikolov: Ein ganz klares Nein, Rotation auf der Torhüterposition halte ich für schwachsinnig. Ein Torhüter braucht die Sicherheit, auch einmal einen Fehler machen zu dürfen. Bei der Rotation kann es passieren, dass man nach zwei schwächeren Spiele wieder heraus muss und dadurch nicht mehr die Sicherheit hat, die man zuvor hatte. Ich bin jedenfalls absolut dagegen.
Deine Karriere besteht aus einem steten Wechsel zwischen Stammtorhüter und der Ersatzbank. Nicht wenige Torhüter deiner Klasse hätten sich da nach einem neuen Verein umgeschaut. War das für dich nie ein Thema?
Nikolov: Natürlich war das das ein oder andere Mal ein Thema. Aber da wurde intern darüber gesprochen. Meistens, wenn ich die Möglichkeit hatte, ließ mich der Verein nicht gehen. Ich bin einer, der diese Entscheidung des Vereins akzeptiert und kein großes Tamtam darum macht.
Du hattest in deinen Anfangsjahren das Pech und vielleicht auch zugleich das Glück, mit Uli Stein und Andy Köpcke zwei der besten Torhüter Deutschlands vor dir zu haben. Was hast du von ihnen lernen können?
Nikolov: Mit Uli Stein hatte ich nicht mehr sehr lange zu tun. Aber die 2 Jahre Zusammenarbeit mit Andy Köpcke haben mir viel gebracht. Da konnte ich mir einiges abschauen, wie Technik und andere Aspekte, die zum Torwartspiel dazugehören.
Oka, Gerüchte halten sich hartnäckig, dass die Bayern daran interessiert seien, dich als erfahrenen Torhüter hinter Rensing verpflichten zu wollen. Was ist dran an diesem Gerücht?
Nikolov: Mich hat noch keiner angerufen, ich weiß also von nichts.
Du bist jetzt 16 Jahre im Profifußballgeschäft tätig. Wie hat sich das Profigeschäft von deinen Anfängen bis heute verändert?
Nikolov: Das ist schwer zu sagen. Sicherlich ist das Spiel viel schneller und athletischer geworden, d.h. Feldspieler und Torhüter müssen viel mehr trainieren als vorher. Auch durch die neuen Bälle wird das Spiel immer schneller. Insgesamt hat sich aber ansonsten wenig geändert.
Du bist jetzt 33 Jahre alt und kannst auf 16 Jahre deiner Fußballkarriere zurückblicken. Was würdest du im Nachhinein anders machen, wenn du noch einmal die Chance zu einem Neubeginn hättest?
Nikolov: Ich würde wahrscheinlich gar nichts anders machen, denn man weiß nie, wie es läuft oder gelaufen wäre. Bei einem Vereinswechsel z.B. hätte ich nie die Garantie gehabt, auch zu spielen. Ich bin eigentlich im Großen und Ganzen sehr zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist.
Wie lange würdest du noch gerne als Profi arbeiten?
Nikolov: So lange wie es geht, es gibt nichts Schöneres, solange der Körper
noch mitmacht und ich gesund bleibe. Ich merke, dass es funktioniert.
Wie könnte ein Leben nach dem Profifußball für Oka Nikolov aussehen?
Nikolov: Ich sehe meine Zukunft weiterhin im Fußball, aber eher im Jugendbereich. Ich könnte mir eine Arbeit mit jungen Torhütern sehr gut vorstellen.
Dein Verein Eintracht Frankfurt spielt im Moment so erfolgreich wie schon seit Jahren nicht mehr. Wo siehst du die Eintracht am Saisonende?
Nikolov: Wir sagen immer dasselbe. Wenn wir am Saisonende 45 Punkte geholt haben, ist das für uns ein großer Erfolg. Was letztlich am Ende dabei herauskommt, weiß ich nicht. Wenn wir dreimal hintereinander verlieren, ist das Träumen wieder schnell beendet. Wir haben uns das realistische Ziel 45 Punkte gesteckt, und das wollen wir auch erreichen.
Wir von Goalkeeping.com wünschen dir noch viele so gute Spiele wie gegen Bayern München und weiterhin viel Glück.
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