Interview mit Niclas Heimann (FC Chelsea London)

von Artur Stopper (06/2007)

Ein weiteres deutsches Torhütertalent wechselt nach England. Wie bereits vor ihm Björn Bussmann (Blackburn Rovers) und Nick Hamann (ebenfalls Chelsea London) wechselt nun der 16-jährige Niclas Heimann von Bayer Leverkusen zu Chelsea London. Über seine Beweggründe, zum englischen Spitzenklub zu wechseln, und seine Hoffnungen äußert sich Nick Heimann in einem Gespräch mit goalkeeping.com.

Niclas, du wechseltest als 16-jähriger von Bayer Leverkusen zu Chelsea London. Was waren die Gründe für deinen Wechsel?
Heimann: Ein Grund war sicherlich, dass ich mit der Ausbildung in Leverkusen nicht ganz zufrieden war. Außerdem glaube ich, dass ich bei Chelsea längerfristig bessere Perspektiven habe. Die Ausbildung ist dort ganz anders und an den Fußball werden dort andere Maßstäbe gesetzt. Deswegen habe ich diese Entscheidung getroffen.

Wie kam der Wechsel eigentlich zustande?

Niclas_Heimann_Chelsea_London Heimann: Ich hatte ein Spiel gegen Bochum, bei dem Rainer Bonhof (Anmerkung: 1974 Weltmeister und jetzt Scout bei Chelsea) zufällig im Stadion war und mich gesehen hat. Daraufhin meldete er sich bei meinem Berater. Anschließend ging alles relativ schnell. Über Weihnachten war ich erstmals in London und weitere Male in den Schulferien.

Ist die Meldung eigentlich richtig, dass du bereits mit 12 Jahren im Visier des FC Barcelona gewesen sein sollst?
Heimann: Als ich gerade 13 geworden war, meldete sich der Verein bei meinem Vater. Aber wir gingen nicht weiter auf das Angebot ein, weil ich viel zu jung war und außerdem die Sprache nicht beherrschte. Über die Schulausbildung kann ich jetzt die englische Sprache schon ein bisschen sprechen.

Es gehört ja schon ein gewisser Mut dazu, mit 16 Jahren sein Elternhaus zu verlassen und in ein fremdes Land zu gehen. Wie oder von wem wirst du eigentlich in London betreut?
Heimann: Ich bin in einer Gastfamilie untergebracht. Wenn ich Freizeit habe, unternehmen sie etwas mit mir. Auch kommen meine Eltern immer wieder nach London geflogen, wenn ich frei habe. Das ist ja heute kein Problem mehr.

Hast du auch die Möglichkeit, bei Chelsea deine schulische oder berufliche Ausbildung voranzutreiben?

Heimann: Ja, habe ich schon. Ich beende gerade in Deutschland die 9. Klasse und führe das 10. Schuljahr in England zu Ende. In England erhalte ich aber ansonsten eine reine Fußballausbildung.

Du erhältst also keine berufliche Ausbildung, sondern setzt also ganz auf die Karte Fußball?
Heimann: Richtig.

Hast du eigentlich auch die Möglichkeit, mit Petr Cech zu trainieren?

Heimann: Im Moment noch nicht. Ich trainiere momentan mit den Amateuren, was aber in meinem Alter auch noch nicht normal ist, da ich ja eigentlich noch B-Jugendspieler bin, aber bereits in der A-Jugend spiele und mit den Amateuren trainiere. Mit den Profis treffen wir uns beim Essen und unterhalten uns über die Spiele oder was sonst noch gelaufen ist.

Wie reift man eigentlich zu so einem Talent, wie du es geworden bist? Niclas_Heimann_Chelsea_LondonHattest du jemanden, der dich gefördert hat?

Heimann: Mein Vater hat mein Talent erkannt und es durch ständiges Training mit mir ausgebaut. Er war also mein eigentlicher Trainer, die nachfolgenden Trainer haben nur noch an meiner Ausbildung gefeilt. Mein Vater aber hat mir die grundlegenden Techniken beigebracht.

In jüngster Zeit werfen immer mehr englische Vereine ein Auge auf deutsche Nachwuchstorhüter. Einige junge deutsche Torhüter sind ja bereits vor dir nach England gewechselt. Warum, glaubst du, sind gerade Deutschlands Nachwuchstorhüter in England so begehrt?

Heimann: Keine Ahnung, aber vielleicht haben deutsche Torhüter eine besonders gute Ausbildung und fallen dadurch auf. England hat ja außer Peter Shilton schon lange keine guten Torhüter mehr hervorgebracht.

Hattest oder hast du ein Torhütervorbild?
Heimann: Ja, Rene Adler. Er fliegt einfach schön wie ein Adler.

Gibt es andere Eigenschaften, die du speziell an ihm schätzt?
Heimann: Ich  möchte mich nicht mit ihm gleichsetzen, aber ich glaube, dass ich auch viele Eigenschaften besitze, die ihn auszeichnen, wie mitspielen können, die Sprungfähigkeit. Auch im Bewegungsablauf sind wir uns sehr ähnlich.

Vor dir wechselte ja bereits Nick Hamann in jungen Jahren als Torhüter zu Chelsea. Hattest du dich vor deiner Entscheidung, zu Chelsea zu wechseln, bei ihm über seine Erfahrungen bei Chelsea ausgetauscht?
Heimann: Ich hatte mich mit ihm zwar zuvor nicht ausgetauscht, aber wir trainieren ja zusammen, und dabei unterhalten wir uns natürlich auch.

Dein früherer Torwarttrainer, Rüdiger Vollborn, hat einmal die englischen Trainingsmethoden folgendermaßen beschrieben: „Die hauen den Kindern die Bälle aus fünf Metern um die Ohren“. Sicherlich kann man aus diesem Satz ableiten, dass er das englische Torwarttraining nicht besonders schätzt. Kannst du aus den bisherigen Trainingseinheiten diesen Eindruck bestätigen, oder worin unterscheiden sich das englische und deutsche Torwarttraining?
Heimann: Unter Rüdiger Vollborn hatte ich wirklich ein Spitzentraining, und er hat viel Wert auf Technik gelegt. In England hauen sie zwar nicht die Bälle auf die Torhüter, aber sie achten mehr auf Schnelligkeit und Dynamik und weniger darauf, wie weit oder wie hoch man springen kann. Aber was ich von Rüdiger gelernt habe, möchte ich natürlich auch zukünftig beibehalten. In England legen sie Wert darauf, dass man den Ball hält, das Wie ist egal.

Welche Ziele hast du dir für deine Zukunft gesetzt?

Heimann: Ich möchte so hoch wie möglich kommen. Es wäre natürlich toll für mich, in Chelseas Profimannschaft  einmal im Tor zu stehen. Wenn ich das nicht schaffe, muss ich eben später irgendwo hinwechseln, wo ich spielen kann. Ich möchte mich jedenfalls auch nicht für viel Geld auf die Bank setzen. Das ist nicht mein Stil, ich möchte einmal spielen.

Wir wünschen dir, dass du deine Ziele, die du dir gesteckt hast,  erreichst und wünschen dir viel Glück auf deinem Weg.