Interview mit Michael Langer (VfB Stuttgart)

von Artur Stopper (02/2007)

Mit Platz 4 zur Winterpause hat der VfB Stuttgart bisher recht gut abgeschnitten. Worauf führst du diesen Erfolg zurück?
Langer: Ich denke, dass es bei uns momentan einfach in der Mannschaft stimmt. Die Mannschaft ist im Gegensatz zum letzten Jahr eine Mannschaft. Jeder kämpft für jeden, und ich glaube, dass darin die Hauptursache für unseren Erfolg liegt. Hinzu kommt, dass wir fit sind, die Trainer also sehr gut gearbeitet haben.

Du stammst aus Bregenz in Österreich. Wie wurde der VfB eigentlich auf dich aufmerksam?
Langer: Mit 15 Jahren vermittelte mir einer meiner österreichischen Trainer ein Probetraining in Deutschland. Bei diesem Probetraining hatte ich wohl einen guten Eindruck hinterlassen, so dass ich immer wieder kommen durfte. Mit 17 Jahren musste ich mich dann entscheiden, ob ich es wage, allein hierher zu kommen, was ich dann aber gemacht habe.

Wie schwer fällt einem 17-jährigen die Entscheidung, seine gewohnte Umgebung zu verlassen und allein in eine fremde Umgebung zu wechseln?
Langer: Am Anfang war es natürlich nicht ganz einfach, denn die ganzen Freunde waren weg, so dass ich zunächst ganz allein war. Außerdem lief es anfangs auch sportlich nicht wie gewünscht, so dass man anfängt nachzudenken, ob man alles richtig gemacht hat. Aber ich habe immer an mich geglaubt und mir gesagt jetzt gerade erst recht und hab immer versucht mehr zu machen als die anderen.

Gab es von Seiten des Vereins auch Eingliederungshilfen für dich?
Langer: Mein Berater hat mir sehr geholfen, als ich hierher gekommen bin. Er hat mir eine Wohn- und Ausbildungsmöglichkeit gegeben, hat mir auch menschlich sehr weitergeholfen, so dass es vom Verein her nicht mehr so nötig war, mich zu unterstützen. Natürlich haben mir anfangs auch die Trainer geholfen, es war schon alles so in Ordnung. Sicherlich gab es auch manchmal Differenzen, als es sportlich nicht wunschgemäß verlief, aber das gibt es überall.

Welche berufliche Ausbildung hast du absolviert?
Langer: In Österreich bin ich in die höhere technische Lernanstalt für Maschinenbau gegangen, habe diese aber nach 3 Jahren abgebrochen, weil ich nach Deutschland gegangen bin. Leider konnte ich die gleiche Ausbildung hier nicht fortführen, so dass ich bei Sport Schwab in Winterbach eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert und abgeschlossen habe. Für mich war es ganz wichtig, eine Ausbildung abgeschlossen zu haben, weil man ja nie weiß, wo die sportliche Entwicklung hinführt.

Bei einer plötzlichen Verletzung Hildebrands könntest du sehr schnell im Rampenlicht stehen. Bereitest du dich schon jetzt mental auf eine solche Drucksituation vor?
Langer: Natürlich denkt man darüber nach, aber ich glaube nicht, dass dies eine besondere Drucksituation ist. Du musst jeden Tag im Training und bei den Spielen in der Amateurmannschaft daran arbeiten und dir die Sicherheit holen. Ich jedenfalls versuche mich durch gute Trainingsarbeit auf den Tag X vorzubereiten.

Hast du bestimmte Techniken, wie du dich auf ein Spiel vorbereitest?
Langer: Es gibt ein paar Abläufe, die ich vor jedem Spiel mache, und ich denke, die hat jeder Fußballer. So ziehe ich z.B. zuerst den linken vor dem rechten Schuh an und esse vor dem Spiel einen Salat mit Putenstreifen. Es sind also so ein paar Kleinigkeiten, die ich immer durchführe.

Nicht jeder hat die Möglichkeit wie du, schon in jungen Jahren mit einem Nationaltorhüter zu trainieren. Was kannst du eigentlich von Timo Hildebrand noch lernen?
Langer: Sehr viel. In sportlicher Hinsicht ist er natürlich überragend, denn technisch wird es wohl keinen besseren in Deutschland geben. Von seiner Technik und Geschicklichkeit kann ich sehr viel lernen, da ich eigentlich von meiner Größe her als Torwarttyp genau das Gegenteil von Timo bin, so dass ich also sehr von ihm profitiere.  Vor allem ist er aber auch menschlich sehr gut, so dass wir gut miteinander auskommen.

Du bekommst also auch Tipps von ihm?
Langer: Na klar. Wenn ihm z.B. im Training etwas an mir auffällt, dann sagt er es sofort. Es ist eher eine freundschaftliche Beziehung, auch wenn wir natürlich Konkurrenten sind. Er hilft mir aber sehr gerne, wofür ich ihm dankbar bin.

In welchen Bereichen bist du deiner Meinung nach schon ganz gut?
Langer: Ich denke es gibt so ein paar Dinge, die ich gut kann, die ich aber nicht weiter erläutern möchte. Und es gibt noch viele Schwächen, die ich versuchen muss abzustellen. Aber die Schwächen kenn ich und über die Stärken sollen andere urteilen ich versuche so komplett wie möglich zu werden.

Und wo du noch Schwächen hast, willst du uns sicherlich auch nicht verraten …
Langer: Ich denke, dass ich mich überall noch verbessern kann, ob das das Flankenspiel oder 1 gegen 1–Situationen sind, ich denke ich kann mich noch überall steigern.

Seit wann hast du eigentlich schon regelmäßig Torwarttraining?
Langer: Regelmäßiges Torwarttraining habe ich seit ca. 6 Jahren. In Österreich durfte ich bereits mit 15 Jahren in der Regionalligamannschaft mittrainieren und hatte dort schon 2 x wöchentlich ein spezielles Torwarttraining. Hier beim VfB haben wir jeden Tag ein spezielles Training, was natürlich schon etwas anderes ist.

Welche Rolle spielt eigentlich Krafttraining in deinem Trainings-alltag?
Langer: Eine sehr große Rolle. Ich bin im Gegensatz zu Timo ein relativ schwerer und großer Torwart. Ich denke, dass daher eine bestimmte Kraft für mich eine entscheidende Grundlage ist. Wichtig ist auch eine Stabilisierung des ganzen Körpers, weshalb ich noch ein spezielles Gyrotonic-Training absolviere, das eine Kombination zwischen Stabilisation und Koordination darstellt. Dieses Training führe ich 3x pro Woche zusätzlich durch. Ich kam dazu über Timo Hildebrand, der dieses Training bereits seit 6 Jahren anwendet. Ich dachte mir, was Timo gut tut, kann mir auch nicht schaden, und mache dieses Training nun auch schon seit 2 Jahren.

Wie hast du dich über die Winterpause fit gehalten?
Langer: Wir haben natürlich einen Trainingsplan bekommen, was wir Tag für Tag machen müssen. An den halte ich mich natürlich, außerdem halte ich mich mit einem Leichtathletiktrainer fit, der individuell Sprungkraft und Schnelligkeit trainiert.

Machst du auch des Öfteren Ausdauerläufe oder spielt dieser Bereich in deinem Training keine Rolle?
Langer: Ausdauerläufe spielen in unserem Training eine sehr große Rolle. Unser Torwarttrainer will, dass wir eine gute Grundlagenausdauer haben. In diesem Bereich habe ich gewisse Defizite, da ich nicht so schnell und so lange wie die Feldspieler laufen kann. Wir müssen insgesamt schon viel laufen.

Mitspielen wird für einen Torhüter immer wichtiger. Hast du in deiner Jugendzeit auch Erfahrungen als Feldspieler gesammelt oder warst du immer nur Torhüter?
Langer: Ich begann mit 12 Jahren Fußball zu spielen, also eigentlich sehr spät, habe dann bis 14 Jahre im Feld gespielt und habe dann auf Anraten meines Onkels ins Tor gewechselt.

Welchem Torhüter würdest du gerne zukünftig am nächsten kommen?
Langer: Ich habe mir da keine bestimmten Ziele gesetzt. Ich möchte nur schauen, dass ich mich stets verbessere und möchte mich immer an denen orientieren, die gerade vor mir sind. Ich versuche mich also z.B. an Timo zu orientieren und durch ihn so viel wie möglich zu lernen und dann schauen, wohin ich komme. Ich versuche natürlich so hoch wie möglich zu kommen. Ein Traum für mich wäre, einmal für Österreich zu spielen oder die Nr. 1 in der Bundesliga zu sein. Schauen wir einfach mal.

Letzte Frage: Wo steht der VfB Stuttgart am Saisonende?
Langer: Schwer zu sagen, aber ich denke wir haben diese Saison die Möglichkeit, sehr weit vorne dabei zu sein. Wir dürfen einfach nicht vergessen, was uns diese Saison stark gemacht hat, nämlich Teamgeist und unsere Fitness. Wir müssen wieder fitter sein als die anderen. Die Statistik besagt nämlich, dass wir in der zweiten Halbzeit mit Bremen zusammen die meisten Tore erzielt haben. Ich hoffe, dass diese Faktoren bis Ende der Saison erhalten bleiben und wir noch sehr viel Spaß haben werden.

Das wünschen wir euch natürlich auch und bedanken uns recht herzlich für das Interview.