Interview mit Michael Langer
von Artur Stopper (04/2009); Fotos: goalkeeping.com
Der 1,94 m große ehemalige Ersatztorhüter des VfB Stuttgart wechselte im Januar 2008 zum SC Freiburg, nachdem er sich beim VfB nicht gegen Hildebrand und Schäfer durchsetzen konnte. Der 24-jährige Österreicher gilt als großes Talent, auch wenn er im Moment auf der Ersatzbank der Freiburger Platz nehmen muss. Vertraglich ist er bis Juni 2011 an die Freiburger gebunden.
Goalkeeping.com unterhielt sich mit ihm über seine Zeit beim VfB Stuttgart, seinen Wechsel nach Freiburg und seine aktuelle Situation beim SC.
Michael, du bist leider momentan nicht die Nr. 1 im Freiburger Tor, bei den weiblichen Fans des SC scheinst du aber hoch im Kurs zu stehen, wenn man den Wandschmierereien am Stadion glauben darf. Ist dies eine kleine Aufmunterung für deine aktuelle Situation?
Langer: Na ja, es ist natürlich immer schön, wenn man bei den Fans und besonders bei den weiblichen Fans gut ankommt. Aber sportlich ist es schon eine Enttäuschung für mich, wie die Saison verlaufen ist. Ich muss damit leben, aber diese Situation macht mich natürlich nicht glücklich.
Du wurdest 5 Jahre lang beim VfB Stuttgart ausgebildet und wechseltest im Winter 2008 zum SC Freiburg. Was waren deine damaligen Gründe für den Wechsel?
Langer: Ich wollte in einem Konkurrenzkampf stehen. In Stuttgart war es so, dass ich zunächst die Nr. 2 hinter Timo Hildebrand und später hinter Raphael Schäfer war, aber nie eine reelle Chance hatte, die Nr. 1 zu werden. Der Verein und der Trainer des SC Freiburg hatten mir eine faire Chance versichert, so dass ich zu der Entscheidung kam, nach Freiburg zu wechseln.
Bei den wenigen Einsätzen im Bundesligateam des VfB Stuttgart hattest du überzeugt und gute Kritiken erhalten. Warum hat der VfB nach dem Wechsel Hildebrands zum FC Valencia trotzdem nach deiner Meinung nicht auf dich als Nachfolger gesetzt?
Langer: Wir wurden in dieser Saison Deutscher Meister, der Verein spielte in der Champions-League und hatte sehr hohe Ziele, national wie international. In dieser Situation ist es für den Verein schwer, auf einen jungen Torhüter zu setzen. So war es absolut gerechtfertigt, dass in Raphael Schäfer ein erfahrener Torhüter neu verpflichtet wurde.
Du hast in deiner Stuttgarter Zeit auch noch Diego Benaglio erlebt, der ebenfalls über Einsätze in der zweiten Mannschaft des VfB nicht hinauskam. Schaust du manchmal etwas neidvoll auf seine Entwicklung?
Langer: Nein, nicht neidvoll. Ich freue mich für seine Entwicklung. Ich verfolgte seine Entwicklung bei National Madeira (Portugal) sehr aufmerksam und schaute immer, ob er gespielt hatte und wie. Ich freue mich für ihn, dass es nun bei ihm so toll läuft und drücke den Wolfsburgern die Daumen, dass sie die Deutsche Meisterschaft am Ende noch packen.
Wie viel Glück gehört neben dem Können bei einem Torhüter nach deiner Meinung dazu, den Sprung in die Erste Bundesliga zu schaffen?
Langer: Es gehört schon viel Glück dazu. Es braucht immer einen Trainer, der einen unterstützt, große Stücke auf dich hält und einem auch mal in schlechten Zeiten den Rücken stärkt. Wenn man dies hat, kann man es sehr weit bringen. Das Können ist natürlich immer die Voraussetzung, aber ich denke, dass ansonsten sehr viel Glück auch dazugehört.
Du wurdest als Nr. 1 nach Freiburg geholt, hattest aber bei deinen ersten Einsätzen ein paar unglückliche Szenen, weshalb du wieder ins zweite Glied versetzt wurdest. Hattest du vielleicht zu viel von dir erwartet, oder wie erklärst du dir im Nachhinein diese Fehler?
Langer: Ich sehe das nicht ganz so. Von 13 Spielen hatte ich 7 davon zu Null gespielt. Dann sind mir zwei Torwartfehler unterlaufen. Aber ich hatte davor lange Zeit nicht gespielt, was man hier auch wusste. Ich denke, dass es auch ganz normal ist, dass ein junger Torhüter auch mal einen Fehler macht. Zudem war es für mich eine ungewohnte Situation, in einer neuen Mannschaft zu spielen. Im vierten Spiel unterlief mir der erste Fehler und danach noch einer gegen St. Pauli. Ansonsten hatte ich die anderen Spiele ordentlich hinter mich gebracht. Aber es ist jetzt so gekommen, das muss ich akzeptieren, das ist in Ordnung.
Was ist beim SC Freiburg ganz anders als beim VfB Stuttgart?
Langer: Vom ganzen Aufbau des Vereins her ist alles viel familiärer und kleiner gehalten. Das ist sehr angenehm, es sind weniger Leute hier und es ist alles viel ruhiger. Es ist schön so.
Du bist erst 24 Jahre alt und hast die Zukunft noch vor dir. Was musst du deiner Meinung nach noch verbessern, um dich als Nr. 1 durchzusetzen?
Langer: Ich denke man kann sich überall verbessern, jeden Tag, ob man die Nr. 1 oder die Nr. 2 ist. Es ist wichtig, dass man sich täglich verbessern möchte. Es ergeben sich noch so viele Chancen, die Nr. 1 zu werden. Da mache ich mir jetzt überhaupt keinen Druck. Ich versuche, einfach noch besser zu werden, dann wird es schon irgendwann klappen.
Mit dem Sieg in Mainz habt ihr einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft gemacht. Wer oder was kann euch auf diesem Weg noch aufhalten?
Langer: Na ja, ich bin jemand, der der Meinung ist, dass man zuerst immer vor seiner eigenen Türe kehren sollte. Wenn wir weiter konzentriert sind und unsere Spiele so machen, wie wir das wollen und auch können, glaube ich, dass wir uns nur noch selbst schlagen können.
Du hast mit dem VfB Stuttgart 2007 sogar schon die deutsche Meisterschaft errungen. Welches Erlebnis ist dir bei diesem Erfolg am meisten im Gedächtnis geblieben?
Langer: Es ist eigentlich das Gesamte. Es bleibt der Saisonverlauf hängen und natürlich die Menschen, mit denen man das alles erlebt hat. Ich stehe auch jetzt noch in gutem Kontakt mit allen, so dass man das Gesamte nicht vergisst. Meinen Einsatz vergesse ich nicht und wie es dazu kam, der vorletzte Spieltag in Bochum. Das sind schöne Erlebnisse, die hängen bleiben und die man ein Leben lang nicht vergisst.
Goalkeeping.com wünscht dir, dass du dieses Erlebnis in Kürze wieder hast, bedankt sich bei dir, dass du dir Zeit für uns genommen hast, und wünscht dir auf deinem weiteren Weg alles Gute!


