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Interview mit Michael Hofmann (TSV 1860 München)
von Artur Stopper (01/2008); Fotos: goalkeeping.com/eibner-pressefoto
Neben Mondragon und Fromlowitz wurde Michael Hofmann vom Fußballmagazin Kicker zum herausragenden Torhüter der Zweiten Liga nach der Vorrunde gewählt.
Goalkeeping.com sprach mit ihm über die Gründe für seine hervorragenden Leistungen und seine weitere Zukunft.
Michael, wie hast du die Pause über den Jahreswechsel verbracht?
Hofmann: Wir haben Weihnachten hier in München im engsten Familienkreis gefeiert. Ich habe mich in der ersten Woche des Urlaubs von den Strapazen der Vorrunde erholt, ab der 2. Woche führte ich das Heimprogramm durch, das jeder Spieler mit nach Hause bekommen hatte, das heißt ich war jeden Tag am Laufen oder habe Stabilisationsübungen durchgeführt. Daher bin ich nicht unvorbereitet in den Trainingsbeginn am 4. Januar eingestiegen.
Du wurdest vom Kicker zusammen mit Mondragon und Fromlowitz zum herausragenden Torhüter der Zweiten Liga nach der Vorrunde gewählt. Ganz schön gut für jemanden, der eigentlich diese Saison die Nummer 2 bei 1860 München sein sollte.
Hofmann: Das ist sicherlich eine Auszeichnung für mich, über die ich mich freue, genauso wie über die sieben Zu-null-Spiele bei meinen 13 Einsätzen. Aber natürlich ist das auch ein Ergebnis der ganzen Mannschaft. Man hat auch schon bei den ersten vier Spielen, die Philipp Tschauner absolviert hatte, gesehen, dass sich die Mannschaft in der Defensive verbessert hat. Daher tut man sich natürlich auch als Torhüter leichter. Natürlich kommt auch Glück dazu.
Du hast deine Chance durch die Verletzung von Philipp Tschauner erhalten. Hat man im Profifußball trotzdem ein Mitgefühl, wenn sich der Konkurrent verletzt?
Hofmann: Natürlich denkt man darüber nach, dass man schon ähnliche Momente in seiner Karriere hatte. Ich erlebte dies in der Saison 2000, als ich mich nach gutem Saisonstart und gelungenen Spielen in der Champions-League-Qualifikation und dem UEFA-Cup am kleinen rechten Finger so schwer verletzte, dass ich sechs Wochen pausieren musste. Damals erhielt Simon Jentzsch, der aus Karlsruhe gekommen war und bis dahin auf der Bank saß, seine Chance, die er auch gut nutzte. Verletzungen gehören leider zum Fußballgeschäft, und gerade auf der Torhüterposition können sie sehr schmerzlich sein. Ich denke aber trotzdem, dass man sich sportlich für die erste Elf qualifiziert und nicht nur durch irgendwelche Verletzungen in die Mannschaft rutscht.
Auch du hast in deiner Karriere also des Öfteren durch Verletzungen deinen Stammplatz verloren. Ist es das Schicksal der Torhüter, vor allem durch Verletzungen des Konkurrenten eine Chance zu erhalten?
Hofmann: 80 – 90 % der Entscheidungen werden sicherlich sportlich getroffen. Bei den restlichen Entscheidungen spielen Verletzungen sicherlich eine Rolle. So bekommt die Nr. 2 oft erst durch die Verletzung des Stammtorhüters eine Chance, denn aus Leistungsgründen wird eher selten in einer Saison gewechselt. Auch kommen eine längere Sperre oder 5 Gelbe Karten bei Torhütern ja eher selten vor.
Du hast deine Chance jedenfalls sehr gut genutzt. Geht man mit weniger Nervenanspannung in ein Spiel, wenn man wie du seine Klasse über Jahre bewiesen hat und sich somit nicht mehr beweisen muss?
Hofmann: Für mich selber war die Entscheidung im Sommer natürlich schon enttäuschend, weil ich im letzten Jahr 31 Spiele bestritten hatte. Die Mannschaftsleistung insgesamt war in der Rückrunde der letzten Saison nicht mehr ganz so überzeugend, so dass man als Torhüter auch einen schwereren Stand hatte und daher auch meine Leistungskurve etwas nach unten ging. Ich habe mich mit der Situation im September aber so arrangiert, dass ich mich keinem mehr beweisen muss und jedes Spiel genieße. Ich bin natürlich froh, dass es im Moment gut läuft und wir eine intakte Mannschaft haben, in der auch der Torhüter wieder besser zur Geltung kommt als in den Zeiten des Frühjahres 2007.
Mit dir (35) und Mondragon (36) stehen zwei Torhüter auf dem Siegertreppchen, die zu den Ältesten in der Zweiten Liga gehören. Beweist dies, dass Erfahrung für Torhüter besonders wichtig ist?
Hofmann: Ich speziell habe diese Erfahrung schon gemacht. Ich kam ja erst relativ spät zum Profifußball, denn ich wechselte erst mit 22 Jahren von Bayreuth nach München und musste mich zuerst noch über die Amateurmannschaft für die Profis empfehlen. So durfte ich erst mit 25 Jahren mein Bundesligadebüt geben. Da merkt man schon, dass einem gewisse Jahre fehlen, denn man nimmt viele Situationen anders an und verarbeitet sie auch anders. Viele Abläufe im Spiel sind besser automatisiert und man kann mit schlechteren Spielen besser umgehen, wenn man Spielpraxis hat. Daher ist das A und O für einen Torhüter viel zu spielen, weil er dadurch viel lernen kann.
Philipp Tschauner ist nach seinem Anriss des Kreuzbandes zur Rückrunde wieder fit. Bedeutet das für dich, dass du dich wieder mit der Rolle des Ersatzmannes begnügen musst?
Hofmann: Es wurde nach Philipps Verletzung im August diagnostiziert, dass er drei Monate fehlen würde. Das ist genau so eingetreten. Seit dem Spiel in Freiburg war er jetzt schon wieder viermal im Kader. Der Trainer sah bisher aber noch keinen Grund zu wechseln. Ich denke über die 3 ½ Wochen Vorbereitungszeit wird man sehen, wie weit ich mich präsentieren kann und ob Philipp schon wieder an seine Form vom Sommer anknüpfen kann. Grundsätzlich mache ich mir darüber keine großen Gedanken, es kommt eh wie es kommt. Ich nehme inzwischen den nächsten Trainingstag an. Außerdem ist es gerade in der Vorbereitung wichtig, dass man gesund und in guter körperlicher Verfassung seine Trainingseinheiten absolvieren kann. Dann zeigt sich Ende Januar, wenn es mit den Pflichtspielen losgeht, was der Fall sein wird.
Ich kenne dich jetzt schon seit vielen Jahren und bin erstaunt, wie viel an Gelassenheit du gewonnen hast. Hängt deine momentane Stärke vielleicht mit dem Zuwachs an Gelassenheit zusammen?
Hofmann: Im August letzten Jahres habe ich manchmal gegrübelt, war natürlich auch enttäuscht und habe mich zurückgezogen. Ein familiärer Schicksalsschlag hat aber auch dazu beigetragen, dass sich manche Blickwinkel verändert haben und dass man merkt, dass auch anderes zählt. Aber meinen Ehrgeiz habe ich natürlich nicht verloren, und ich bin sicherlich keiner, der sich gerne auf die Bank setzt und sein Profileben genießt. Daher möchte ich natürlich gerne der Mannschaft aktiv helfen, nur man muss auch manchmal Situationen annehmen, wie sie sind. Timo Ochs z.B. war ein hervorragender Torhüter für mich. Trotzdem musste auch er ein halbes Jahr warten, bis er zum Zuge kam und seine Chance nutzte.
Erfüllt es dich mit Stolz, dass du mit 35 Jahren noch so leistungsfähig bist?
Hofmann: Es gibt schon einige Torhüter, die aus meiner Torhütergeneration stammen und in diesem Alter noch in der Ersten Bundesliga spielen. Frank Rost ist 35 Jahre alt, Lehmann und Kahn sind noch aktiv, während sich Reitmaier und Reinke im letzten Jahr verabschiedet haben. Gospodarek sitzt in Gladbach noch auf der Bank, hat aber auch noch einen Zweijahresvertrag. Übertrieben finde ich, dass ein Torhüter bei Lazio Rom noch mit 43 Jahren in der Champions-League spielt. Da gibt es sicherlich junge Torhüter, die dasselbe Format haben und sich noch entwickeln können. Sicherlich bin ich der Oldie der Mannschaft, der schon im 12. Jahr bei 1860 München dabei ist. Ich hatte auch bis heute nie größere Verletzungen, so dass man sage könnte, ich wäre auf diesem Gebiet anfällig. Ich hoffe, dass dies auch noch 1-2 Jahre gut geht. Wenn man Spiele machen kann, ist das natürlich besonders schön.
Wagen wir abschließend noch einen Blick zum Saisonende? Reichen die Fähigkeiten der Mannschaft aus, um den Aufstieg perfekt zu machen?
Hofmann: Ich denke, dass wir absolut überrascht haben über weite Strecken der Vorrunde. Speziell in der Defensive sind wir die zweitstärkste Mannschaft und haben auch eine gute Offensive. Man muss aber sagen, dass wir in der Kaderbreite nicht so spektakulär besetzt sind wie z.B. Köln oder Mönchengladbach. Viele unserer Spieler sind noch sehr jung, haben aber durchaus Qualität. Wenn sie ins Wasser geworfen wurden, zeigten sie auch bereits hervorragende Ansätze. Wir hoffen natürlich, dass wir in der Rückrunde nicht Tiefschläge erleiden müssen, wenn sich z.B. Leistungsträger verletzen. Aber man sieht auch, dass in München wieder einiges möglich ist, wenn das Sportliche passt. Die Euphorie ist geweckt, aber man muss speziell die ersten 2-3 Spiele abwarten, wie gut dass wir in die Rückrunde hineinkommen. Der dritte Platz ist meiner Meinung nach nicht utopisch, aber dazu müssen wir in der Zweiten Liga eine sehr gute Konstanz zeigen.
Goalkeeping.com bedankt sich bei dir und wünscht dir noch viele Spiele!
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