Interview mit Michael Hofmann (1860 München)

von Artur Stopper (02/2007)

Die Löwen erleben gerade ein Wechselbad der Gefühle (5:1 gegen Burghausen, 1:5 in Unterhaching, 0:3 daheim gegen Greuther Fürth usw.) Wie erklärst du dir diese Leistungsschwankungen?
Hofmann: Das ist nur schwer zu erklären. Man sieht aber deutlich, dass es an Stabilität und Konzentration fehlt, weil es viele Pleiten gibt, die das Torverhältnis kaputt machen.

Deine Karriere verlief so ähnlich. Des Öfteren musstest du deinen Stammplatz meist durch Verletzungen abgeben, wie z.B. letztes Jahr an T. Ochs. Wie sehr schmerzt es einen wie dich, wenn er auf der Bank sitzen muss?
Hofmann: Ich bin mittlerweile so alt und erfahren, dass ich damit leben kann. Für mich war und ist immer wichtig, mir selber nichts vorwerfen zu können in Sachen Einstellung und Verhalten zum Beruf Fußballer.

Du bist seit 10 Jahren bei 1860 München. Hattest du nie einen Vereinswechsel in Betracht gezogen?
Hofmann: Auch da gibt es nichts mehr zu überlegen. Man hätte aber Möglichkeiten gehabt, klar.

Was ist das Besondere, gerade bei 1860 zu spielen?
Hofmann: Eigentlich ist immer was los bei 1860. Für mich jedoch war wichtig zu sehen, wie ich mich immer ein Stück höher gearbeitet habe. Als ich 1996 als Vertragsamateur gekommen bin, war nicht davon auszugehen, 2007 immer noch hier zu spielen. Das macht mich auch ein wenig stolz.

Hattest du in deiner Jugend eine Torhüterausbildung?

Hofmann: In der damaligen Zeit war es schon schwer, extra Torwarttraining zu bekommen, doch als Schüler genoss ich in Bayreuth einen Trainer, der mich formen wollte, das war klasse. Heute ist die Koordination aber das A und O.

Hattest du in dieser Zeit ein Vorbild?
Hofmann: Das war Uli Stein. Der spielte damals beim HSV.

Was hast du gerade an diesem Torhüter geschätzt?
Hofmann: Er hat einiges gewonnen und war auch extrem besessen was Ehrgeiz, Wille und Disziplin angeht. Ausrutscher hat ja jeder mal.

Was tust du außerhalb der normalen Trainingszeiten für dich zusätzlich?
Hofmann: Ich halte mich u. a. mit Tennis und Jogging fit. Zudem trainiere ich die letzten Jahre auch ein bisschen Kraft. Ich fühle mich jetzt beweglicher.

Du bist ein akribischer Sammler von Fußballdaten. Welche sammelst du genau?
Hofmann: Das hat sich leider verändert. Der Abstieg 2004 aus der ersten Bundesliga hat mich in ein Loch befördert. Eigentlich sammle ich nur noch unsere Spielberichte und Interviews von mir, um mich zu überprüfen. Das andere bekommt man vom Verein, also z.B. Informationen zu den jeweiligen Gegnern.

„Im Profi-Fußball wird von einem Trainer verlangt, dass er aus den Spielern das maximale herausholt, das macht aber kein Profi freiwillig.“ (Zitat Felix Magath). Brauchen Fußballprofis einen harten Trainer, oder welchen Trainertyp bevorzugst du?
Hofmann: Ich denke da gibt es verschiedene Meinungen. Ich persönlich hatte immer Trainer, von denen ich etwas mitgenommen habe. Menschlichkeit und vor allem Offenheit sind wichtig, um die volle Leistungsfähigkeit abrufen zu können.

Was war bisher deine schönste Stunde in deiner Torhüterlaufbahn?

Hofmann: Sicherlich die Spiele mit 1860 auf internationalem Parkett. 2000 was das schon super gegen Leeds und Parma zu spielen, auch wenn wir ausscheiden mussten.

Mit welchen Enttäuschungen musstest du fertig werden?
Hofmann: Dass ich nach diversen traurigen Verletzungen nicht mehr drangekommen bin, ärgert mich schon. Andere hatten es da leichter.

Was würdest du anders machen, wenn du noch einmal am Beginn deiner Laufbahn wärst?
Hofmann: Schwer zu sagen, aber ich würde im Umgang mit Medien vorsichtiger sein. Da wird viel Schwachsinn geschrieben und man kann sich nur schwer rechtfertigen.

Welche Ratschläge würdest du jungen Torhütern geben?
Hofmann: Auf jeden Fall fleißig zu sein und nicht zu viel zu überlegen. Für mich war immer ein Mittel, gute Leistungen zu bringen, unbekümmert und locker, aber trotzdem konzentriert zu sein.

Hat sich Torhütertraining im Laufe deiner Karriere verändert und wenn ja, wie?
Hofmann: Ja sicher, man sieht durch das veränderte Spiel im Feld, sprich mehr Taktik, Schnelligkeit und Erfolgsdruck, dass ein Torhüter mehr ins Spiel eingebunden ist als zu früheren Zeiten. Auch trainiert man dadurch anders, legt mehr Wert auf Koordination und Stellungsspiel.

Du bist inzwischen 34 ½ Jahre alt. Wie viele Jahre möchtest du gerne noch als Fußballprofi arbeiten?

Hofmann: Am liebsten so lange, wie es körperlich möglich ist. Die Liga ist da nicht so wichtig, wobei ich immer ziemlich weit oben gespielt habe. 2 Jahre sollten es aber mindestens noch sein.

Welche Tätigkeit würdest du gerne nach deiner Fußballkarriere ausfüllen?
Hofmann: Das wird etwas im Trainerbereich sein. Ob im Profigeschäft als Torwarttrainer oder im Jugendbereich, das wird sich noch zeigen.

Abschließende Frage, wo steht der TSV 1860 München am Saisonende?

Hofmann: Für mich ist es wichtig, alle Spiele zu machen, dann die Mannschaft im einstelligen Tabellenbereich zu sehen und auch persönlich durch gute Leistungen überzeugt zu haben. Das Ziel der Vertragsverlängerung habe ich bereits erreicht. Ich bin auch in der nächsten Saison am Ball, hoffentlich.

Das wünschen wir dir von Herzen. Wir jedenfalls bedanken uns dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast und drücken dir die Daumen, dass deine Wünsche in Erfüllung gehen.