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Interview mit Markus Miller (Karlsruher SC)
von Artur Stopper (08/2007)
Zu den besten jüngeren Torhütern in Deutschland zählt zweifellos der Torhüter des Karlsruher SC, Markus Miller.
Nicht umsonst wurde er von der Fachzeitschrift „Kicker“ in der abgelaufenen Saison zum besten Torhüter der Zeiten Bundesliga gewählt. In einem Interview mit Goalkeeping.com sprach Markus Miller über die abgelaufene Saison und seine Vorbereitung auf die neue.
Der KSC dominierte in der letzten Saison die 2. Bundesliga ziemlich souverän. Hättest du das vor der Saison erwartet?
Miller: Das ist, glaube ich, etwas Einmaliges, seit es die Zweite Liga gibt. Dass wir so dominant sind, hätte ich vor der Saison natürlich nicht erwartet. Ich bin davon ausgegangen, dass wir vorne mitspielen können, da wir im Jahr zuvor auch schon an der Tabellenspitze schnuppern konnten. Es war ein jahrelanger Prozess, in dem es stetig nach oben ging. Dass das Ergebnis so ausfiel, ist natürlich eine große Überraschung und Freude.
Auch du hast letzte Saison mit hervorragenden Leistungen aufgewartet und bist nicht von ungefähr vom Kicker zum besten Torhüter der Zweiten Bundesliga gewählt worden. Gratulation auch von unserer Seite! Was hast du dir für die 1. Bundesliga vorgenommen?
Miller: Es ist natürlich schon eine Ehre für mich, wenn die Leistung, die man über Monate hinweg bringt, auf diese Art honoriert wird. Fakt ist aber auch, dass die Erste Liga ein anderes Pflaster ist. Ich freue mich in erster Linie einmal darauf, da es eines meiner großen Ziele war, einmal in der 1. Bundesliga zu spielen. Ich möchte auf jeden Fall die guten Leistungen der letzten Jahre bestätigen und mich natürlich weiter entwickeln, um kurz- oder mittelfristig ein etablierter Erstligatorhüter zu sein.
Du wurdest unter anderem auch zwei Jahre beim VfB Stuttgart ausgebildet. Warum kam ein so hervorragender Torhüter wie du beim VfB nicht zu seinem Ziel?
Miller: Ich war 3 Jahre in der Jugend und zwei Jahre bei den Amateuren des VfB Stuttgart. Anders als bei manchen anderen jungen Profisportlern lief bei mir die Entwicklung so, dass ich einen Schritt nach dem anderen gemacht und mich stetig mit kleinen Schritten nach oben entwickelt habe. Ich hatte keine großen Einbrüche auf diesem Weg, hatte allerdings auch in jungen Jahren keine großen Ausreißer nach oben, sondern es ging immer schön der Linie nach, und auf dieser Linie möchte ich mich weiter entwickeln, bis ich dann mit 28 oder 29 Jahren in das beste Torwartalter komme und dann hoffentlich ein nahezu perfekter Torhüter sein werde, auch wenn es diesen nicht gibt.
Du wirst immer wieder mit Oliver Kahn verglichen. Wo siehst du selbst Parallelen zwischen dir und ihm?
Miller: Zunächst einmal, dass wir beide beim KSC spielen oder gespielt haben (lacht).
Ich versuche mir natürlich von allen guten Torhütern, zu denen Oliver Kahn zweifelsfrei gehört, das Beste abzuschauen. Ich selbst versuche Vergleiche eher auszuschließen, weil sie von der eigenen Entwicklung ablenken. Wenn einige meinen, dass ich mit ähnlich guten Reflexen ausgestattet bin, haben sie vielleicht Recht, ich möchte mich damit weniger auseinandersetzen. Mit so einem großen Torhüter wie Oliver Kahn, der viel für den deutschen Fußball gemacht hat, verglichen zu werden, hake ich mehr unter dem Begriff Zufriedenheit ab.
Es werden dir immer wieder, wie bereits angesprochen, tolle Reflexe auf der Linie und Schwächen in der Strafraumbeherrschung nachgesagt. Siehst du das selbst auch so?
Miller: Gut, ich weiß, dass ich in jedem Bereich noch dazulernen kann und muss. Sicherlich liegt mir das eine mehr, das andere weniger. Wie bereits erwähnt, möchte ich mir von jedem Torhüter das Beste abschauen. Ich versuche gerade, bei der Strafraumbeherrschung mich an Jens Lehmann zu orientieren, da er für mich in diesem Bereich nahe an der Perfektion ist. So versuche ich ständig, meine Bausteine zu verbessern. Die Beurteilung, wo meine eigentlichen Stärken oder Schwächen liegen, überlasse ich lieber anderen.
Stimmt es eigentlich, dass du auch boxt und Karate betreibst?
Miller: Ja, unter anderem gehe ich gelegentlich auch boxen. Das ist eine Sportart, die schon gewisse Ähnlichkeiten zum Torwartspiel hat, da man auch dort sehr beweglich und schnell auf den Beinen sein muss. Man muss mittig stehen, man muss gut stehen, und es muss natürlich auch die Dynamik vorhanden sein. Daher versuche ich, wenn es die Belastung und die Zeit für die Familie zulässt, immer mal wieder auch boxen zu gehen. Was ist aber regelmäßig mache ist das Gyrotonic-Training in Stuttgart, wo ich einmal pro Woche hinfahre. Ich kaufe mir jetzt auch selbst ein Gerät, um dann zu Hause mit der Trainerin noch effektiver zu arbeiten. Mit ihr trainiere ich bereits 2 Jahre, so dass ich manche kleine Übungen auch schon selbst beherrsche. Aber es ist natürlich besser, mit der Trainerin zu arbeiten. Es gibt also viele Sachen, die ich nebenbei mache. Man sagt immer Fußballer hätten viel Freizeit, aber wenn man alle diese Dinge zusätzlich macht und noch Frau und Kind zu Hause hat, könnte der Tag manchmal gerne etwas länger sein.
Seit dem Pokalspiel gegen Mainz 05 im September 2004, in dem du alle Elfmeter gehalten hast, wirst du immer wieder als „Killer-Miller“ bezeichnet. Wie gefällt dir eigentlich selber diese Wortschöpfung?
Miller: Na ja, mit dem Begriff Killer kann man natürlich viele Gedanken verbinden, manches davon könnte man als “suboptimal“ bezeichnen, aber es ist natürlich auch eine gewisse Ehre, wenn einem die Fans, die zu den besten in Deutschland gehören, in Anlehnung an meinen Nachnamen mir diesen Spitznamen gaben. Er macht mich in gewisser Weise stolz, auch wenn er bei manchen in den falschen Hals geraten könnte.
Gibt es für dich eigentlich ein Geheimnis, wie man sich bei Strafstößen erfolgreich verhalten kann, oder ist es eher Zufall, einen Strafstoß zu halten?
Miller: Ich denke es hat viel mit Antizipation, Konzentration und Menschenkenntnis zu tun. Damals half mir auch die Statistik von meinem Torwarttrainer Peter Gadinger geholfen. Aber letztendlich muss man in der Situation selbst entscheiden, was man macht.
Ihr wart gerade mitten in der Saisonvorbereitung. Wie hast du eigentlich die freie Zeit vor dem neuen Saisonbeginn verbracht? Verzichtest du in dieser Zeit völlig auf Training oder wie hältst du deinen Körper auf einem bestimmten Level?
Miller: Seit ich im Aktivenbereich tätig bin, hat es sich bei mir eingebürgert, dass ich auch in der Spielpause immer etwas mache. Natürlich trainiert man nicht mit der gleichen Intensität weiter, aber man muss als Profi in der Vorbereitung schon für sich selbst etwas machen, sonst wird es zu heftig, wenn man von null auf hundert in die Vorbereitung einsteigt.
Und was tust du für dich in dieser Zwischenphase ganz konkret?
Miller: Im ersten Drittel vor allem die Anspannung herunterfahren, relaxen, die freie Zeit genießen, im folgenden Drittel zunächst lockere Läufe, die man dann zunehmend intensiviert, ein bisschen Fahrradfahren ist dabei, Gyrotonic, wenn ich Zeit habe. Im letzten Drittel ruft mein Berater Jürgen Schwab seine Spieler zusammen und organisiert ein kleines Trainingslager. Dabei hatte ich mir aber dieses Mal eine leichte Kapselverletzung im ersten Training zugezogen, war aber gerade so zum Trainingsbeginn beim KSC wieder fit. Wäre diese Verletzung aber nicht hinzugekommen, hätte ich wohl in dieser Übergangsperiode so viel wie noch nie in einer Pause gemacht. Ich habe praktisch schon 3 Wochen vor Trainingsbeginn mehrere Laufeinheiten hinter mich gebracht, durch die Kapselverletzung noch mehr Radfahreinheiten und war dadurch für einen Torhüter ganz gut dabei.
Sind Ausdauerläufe auch während der Saison ein fester Bestandteil deiner Trainingsarbeit oder nur in der Vorbereitung?
Miller: Wichtig ist, dass man in der Vorbereitung einen gewissen Level bekommt. Über die Saison ist es wichtig, diesen Level zu halten, da man bei besserer Ausdauer eine bessere Regenerationsfähigkeit hat. Aber ich bin lieber 3x am Tag auf dem Trainingsplatz beim Torwarttraining als eine Stunde Waldlauf zu machen. Diese Läufe gehören jedoch einfach dazu in der Vorbereitung.
Welchen Anteil nimmt eigentlich Krafttraining in deinem Trainingsalltag ein?
Miller: Krafttraining gehört dazu wie alles andere auch. Ich würde Krafttraining nicht überbewerten, da reines Krafttraining auf Kosten der Beweglichkeit geht. Man muss daher Krafttraining mit weiteren Elementen verbinden, und dafür ist Gyrotonic für mich optimal. Hier verbinde ich Krafttraining mit Beweglichkeit, mit Dynamik und anderem. Es ergänzt das übliche Training somit optimal und ist ein weiterer Baustein.
Du hast dich trotz diverser Angebote vertraglich bis 2009 an den KSC gebunden. Was waren die Gründe für dich, zwei weitere Jahre beim KSC zu verlängern?
Miller: Ich habe schon immer gesagt, dass es nichts Schöneres gibt, als mit dem KSC in die Erste Liga aufzusteigen. Es ist ein Verein, der in seiner Art seinesgleichen in Deutschland sucht. Beim KSC geht es sehr familiär zu, es wurde sehr gute Aufbauarbeit geleistet. Wir haben auch mit den Neuzugängen schon in kurzer Zeit einen tollen Teamspirit hinbekommen. Auch lässt es sich in der ganzen Region um Karlsruhe herum sehr gut leben. Wichtig ist ebenfalls, dass sich meine Familie hier wohl fühlt. So stimmt sportlich und menschlich alles in Karlsruhe für mich.
Was würde passieren, wenn der KSC – was wir natürlich nicht hoffen – wieder absteigen würde?
Miller: So weit habe ich natürlich bisher noch nicht gedacht (lacht). Jetzt müssen wir erst einmal das erste Bundesligajahr herumbringen, dann sehen wir weiter. Man sollte keinen Gedanken daran verschwenden, dass man absteigen könnte, das hemmt nur. Man sollte den Kopf frei behalten und sich auf die Saison konzentrieren.
Noch eine private Frage: Was macht Markus Miller eigentlich in seiner Freizeit am liebsten?
Miller: Natürlich steht hier meine Familie (Frau und Kind) im Vordergrund. Es ist die schönste Sache, wenn man den Kleinen heranwachsen sieht. Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich sehr gerne Paintball (auch Gotscha genannt) spielen. Auch Gyrotonic ist Bestandteil meiner Freizeit. Wenn noch ein paar Minuten übrig bleiben, steige ich auch gerne auf mein Mountainbike. Da meine Schwiegereltern ein Fahrradgeschäft in Stuttgart haben, bin ich auch zu dieser Sportart gekommen.
Goalkeeping.com bedankt sich recht herzlich bei dir, dass du dir die Zeit für uns genommen hast, und wünscht dir viel Glück bei der Umsetzung deiner Ziele.
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