Interview mit Markus Krauss

von Artur Stopper (01/2009); Fotos: goalkeeping.com

Ein noch junger Torhüter mit Perspektive ist der 21-jährige Markus Krauss. In der letzten Saison verdrängte er den zweitligaerfahrenen Sven Hofmeister im Tor des SSV Reutlingen. Nachdem die Reutlinger die Qualifikation zur Dritten Liga am Saisonende nicht erreicht hatten, wechselte  der 1,95 m große Torhüter zum TSV 1860 München. Dort trainiert er zusammen mit Michael Hofmann und Philipp Tschauner und sammelt Erfahrung bei der Regionalligamannschaft des TSV 1860. Goalkeeping.com sprach mit ihm über seinen Wechsel nach München.

Markus, ihr habt gerade eine Woche Trainingslager auf Teneriffa hinter euch. Wie war`s?
Krauss: Es war sehr schön. Wir hatten gutes Wetter, ein schönes Hotel und haben  intensiv  trainiert. Ich denke, dass es ein rundum gelungenes Trainingslager war. Jetzt müssen wir sehen, dass wir in München gut weiterarbeiten und dann erfolgreich  in die Rückrunde starten.

Hattet ihr täglich Torwarttraining?
Krauss: Ja, wir arbeiteten täglich zusammen mit unserem Torwarttrainer Jürgen Wittmann. Täglich übten wir vor allem an Dingen, die er bei uns für verbesserungswürdig hält. Es ist sehr wichtig, dass wir an diesen Schwächen ständig arbeiten.

Wie viel Zeit habt ihr davon im Kraftraum verbracht?
Krauss: In der Zeit des Trainingslagers waren wir überhaupt nicht im Kraftraum, sondern führten Stabilisationsübungen auf dem Platz durch. Da lässt sich Jürgen Wittmann immer ganz spezielle Dinge einfallen, die die Torhüter untereinander durchführen können. Neben diesen Stabilisationsübungen haben wir einige Kraftzirkel mit dem Physiotherapeuten absolviert.

Du bist vor der Saison vom SSV Reutlingen zu 1860 München gewechselt. Warum hast du diesen Wechsel vollzogen, obwohl dein früherer Verein in der gleichen Liga (Regionalliga Süd)  wie 1860 München II spielt?
Krauss: Es ging mir bei diesem Wechsel um die sportliche Perspektive. Hier in München habe ich täglich Torwarttraining, habe einen Trainer an der Seite, der sich ausschließlich um die Torhüter kümmert. Das war in Reutlingen nicht der Fall, weil es aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Außerdem ging es um die Perspektive, Anschluss an die Zweite Bundesliga zu haben und auf einem sehr hohen Niveau sowohl im Torwart-  als auch im Mannschaftstraining trainieren zu können. Das waren für mich die ausschlaggebenden Gründe für den Wechsel.

Was ist bei einem Großverein wie 1860 München neben den beschriebenen Trainingsbedingungen ganz anders als beim SSV Reutlingen?
Krauss: Es ist natürlich alles viel professioneller. So reist man z.B. zu weit entfernten Auswärtsspielen immer einen Tag früher an. Das war in Reutlingen aus finanziellen Gründen nicht möglich. Das ganze Training, das ganze Umfeld ist einfach professioneller. Auch das Medieninteresse ist viel größer.

Du trainierst in München zusammen mit Hofmann und Tschauner, die sicherlich zwei der besten Torhüter der 2. Bundesliga sind.  Was kannst du dir von ihnen abschauen?
Krauss: Man kann von beiden sehr viel lernen, vor allem von Michael Hofmann. Er bringt auf Grund seiner langjährigen erfolgreichen Karriere viel Erfahrung mit. Bemerkenswert ist auch seine Einstellung zum Beruf, denn er bringt noch immer in jedem Training 100 % Einsatz. Da kann man sich schon eine Scheibe davon abschneiden. Aber auch bei Philipp Tschauner, der ein sehr guter Torhüter ist, kann ich seinen Ehrgeiz und viele Details zum Torwartspiel abschauen. Wie bereits erwähnt, kann ich von beiden noch sehr viel lernen.

Bereits mit 20 Jahren wurdest du letzte Saison zum Stammtorhüter beim SSV Reutlingen. Da es um die Qualifikation zur Dritten Liga ging, musstest du mit einem gehörigen Druck umgehen. Ist es für die Entwicklung eines jungen Torhüters besser , möglichst bald hoher Verantwortung ausgesetzt zu sein, oder ist es besser, als Nummer 2 in Ruhe zu reifen?
Krauss: Ich glaube, dass es von Vorteil ist, schon in jungen Jahren viel Verantwortung übernehmen zu müssen, denn es macht zum einen mehr Spaß zu spielen und eine Herausforderung zu haben, anstatt auf der Bank zu sitzen. Zum anderen lernt man dadurch auch viel mehr. Meine jetzige Situation bei 1860 München ist für mich ideal, denn ich kann mir im Training und auch beim Besuch der Zweitligaspiele im Stadion bei Hofmann und Tschauner viel abschauen. Zugleich bekomme ich selbst die Gelegenheit, in einer relativ hohen Spielklasse Spielpraxis zu sammeln und mich dadurch weiter zu entwickeln.  

Hast du oder hattest du eigentlich Vorbilder im Torwartbereich?
Krauss: Im Profibereich habe und hatte ich eigentlich noch nie Vorbilder. Mein Vorbild war immer mein Vater, der selbst Torhüter war, der mir die Grundlagen des Torwartspiels beigebracht und sich immer um mich gekümmert hat. Von dieser Mühe profitiere ich heute.

Vor 2 Jahren hast du das Abitur
abgeschlossen. Konzentrierst du dich in München ausschließlich auf den Fußball oder hast du auch ein Studium oder eine Ausbildung aufgenommen?
Krauss: Ich habe in München einen Zweijahresvertrag unterschrieben und möchte diese Zeit ausschließlich dazu nutzen zu testen, ob es für mich bei 1860 noch weiter nach oben geht oder ob ich irgendwo anders eine Chance im Profibereich bekomme. Deswegen konzentriere ich mich momentan nur auf den Fußball und habe andere Aktivitäten vorerst hintenan gestellt.

Verfolgst du noch die Entwicklung deines ehemaligen Vereins, des SSV Reutlingen? Was sagst du dazu?
Krauss: Natürlich verfolge ich weiterhin die Entwicklung des SSV. Ich bin mehrmals in der Woche auf der Homepage des Vereins und schaue, was es Neues gibt beim SSV, zumal sie ja in der gleichen Klasse spielen wie wir. Es scheint momentan Stillstand zu herrschen in Reutlingen. Wohl noch immer gibt es dort finanzielle Probleme, Spieler werden entlassen und neue geholt. Aber die Finanzen waren immer schon ein Problem in Reutlingen, auch in der Zeit, als ich dort war. Ich hoffe, dass sie die Kurve noch kriegen, nicht absteigen und dass die Entwicklungslinie in den nächsten Jahren nach oben gehen wird.

Markus, wir von Goalkeeping.com wünschen dir viel Erfolg auf deinem Weg nach oben und bedanken uns, dass du dir für uns Zeit genommen hast.