Interview mit Marjan Petkovic (SV Sandhausen)

von Artur Stopper (03/2008); Fotos: goalkeeping.com

„Ich mache mir keinen Druck“
Mit überragenden Leistungen macht im Moment Marjan Petkovic in der Regionalliga Süd von sich reden. Nicht umsonst wird er deshalb des Öfteren als bester Torhüter seiner Spielklasse bezeichnet. Goalkeeping.com sprach mit ihm über seine bisherige Entwicklung und seine weitere Zukunft.

Zunächst einmal Gratulation zu euren guten Leistungen in Sandhausen. Hattest du diese Erfolge vor der Saison erwartet?
Petkovic: Wir haben alle den Erfolg so nicht erwartet. Als Aufsteiger ist es immer schwer, wenn man in eine neue Liga kommt, gerade in eine so starke Liga. Umso mehr freut es uns natürlich, dass wir zunächst so gut gestartet sind und diese Leistung auch bestätigen können.

Nach einigen Punktverlusten mit Beginn der Rückrunde scheint ihr euch wieder stabilisiert zu haben …
Petkovic: Es war die Niederlage gegen Reutlingen. Nach der langen Winterpause war es schwer für uns, ins Spiel zurück zu finden. Auch hatten wir mit dem SSV Reutlingen einen starken Gegner. Aber ich denke, dass wir die richtige Antwort im anschließenden Spiel gegen 1860 München II gegeben haben und es jetzt wieder vorwärts geht.

Immer wieder ist zu lesen, dass die Sandhäuser dir zahlreiche Punkte zu verdanken hätten. Teilst du diese Meinung?
Petkovic: Man muss immer die ganze Mannschaft sehen. Ich bin selbstverständlich genauso ein Teamplayer wie jeder andere Spieler auch. Man kann sich wohl auch als Torhüter eines Aufsteigers öfters auszeichnen als in anderen Mannschaften. Es freut mich aber auch für mich persönlich, dass ich meine gute Form aus dem Oberligaaufstiegsjahr halten konnte und möchte natürlich gerne so erfolgreich wie bisher weiterspielen.

Was, glaubst du, sind deine besonderen Stärken?
Petkovic: Das ist für mich schwer einzuschätzen, ich denke das sollen andere beurteilen. Ich glaube aber, dass ich von allen Torwartbereichen ein bisschen was kann und ziemlich ausgeglichen bin.

Wo kannst du dich noch entwickeln?
Petkovic: Es gibt immer Bereiche, in denen man sich verbessern kann. Vor allem darf man sich auch nie ausruhen. Es gibt sicherlich mehrere Aspekte, in denen ich mich verbessern könnte, aber darüber möchte ich lieber nicht reden.

Tust du neben dem normalen Trainingsbetrieb noch zusätzlich etwas für deine Fitness?
Petkovic: Ich mache natürlich auch Krafttraining nebenher, vor allem betreibe ich Rückentraining und Kraft-übungen, die man auf dem Trainingsplatz nicht durchführen kann. So gehe ich ins Fitnessstudio, um an den körperlichen Defiziten zu arbeiten und die allgemeine Fitness zu verbessern.

Du bist jetzt 28 Jahre alt. Warum bist du eigentlich erst so spät in den Focus der Öffentlichkeit gerückt?
Petkovic: Ich habe ziemlich lange in der Oberliga gespielt, wo der Focus der Öffentlichkeit natürlich nicht so ausgeprägt ist wie in der Regionalliga. Leider habe ich auch während meiner Zeit bei der TSG Hoffenheim nicht spielen dürfen. Ich habe deshalb einen Schritt zurück gemacht in die Oberliga zum SV Sandhausen, was sich als richtiger Weg erwiesen hat, um jetzt wieder einen Schritt nach vorne zu machen.

Du warst zuvor zwei Jahre lang bei der TSG Hoffenheim nur auf der Ersatzbank. Ist dein Leistungsvermögen in Hoffenheim nicht richtig eingeschätzt worden?
Petkovic: Das ist schwer zu sagen. Es war dort ein Torhüter, der schon lange Jahre im Team gespielt hatte. Der damalige Trainer Hansi Flick teilte allen drei Torhütern, die unter Vertrag waren, mit, dass wir alle auf einer Augenhöhe seien. Im Endeffekt aber hat er entschieden, dass Kevin Knödler die Nr. 1 ist.

Warum hast du dich gerade in Sandhausen zum vielleicht besten Torhüter der Regionalliga Süd entwickelt?
Petkovic: Ich hatte auch hier in Sandhausen eine schwere Anfangszeit vor knapp vier Jahren. Aber ich habe mich mehr und mehr entwickelt und bin in die Aufgabe hineingewachsen. Ich denke, dass mir vor allem das letzte Jahr mit dem Aufstieg einen Entwicklungsschub gegeben hat.

Wo liegen, was deine Arbeit betrifft, Unterschiede zwischen dem SV Sandhausen und der TSG Hoffenheim?
Petkovic: Für mich war der Unterschied nicht so groß, da ich auch in Sandhausen noch mit dem gleichen Torwarttrainer zusammenarbeite, der mich schon in Hoffenheim trainiert hatte. So ist das Trainingsprogramm gleich geblieben. Natürlich ist das Umfeld in Sandhausen ganz anders als in Hoffenheim. Sandhausen ist ein Traditionsverein, sehr bodenständig und familiär, während das in Hoffenheim natürlich anders ist, weil dort viel investiert wird. Ich verfolge aber weiterhin, was in Hoffenheim passiert.

Du bist jetzt seit 2004 beim SV Sandhausen. Dein Vertrag läuft aber am Saisonende aus. Nach deinen hervorragenden Leistungen liegen dir sicherlich auch Anfragen höherklassiger Vereine vor. Siehst du deine Zukunft in Sandhausen oder könntest du dir auch einen Wechsel vorstellen?

Petkovic: Momentan ist alles möglich. Ich mache mir da keinen Druck, ich möchte einfach nur gut spielen. Ich weiß, dass ich im Moment von mehreren Mannschaften beobachtet werde. Alles weitere wir sich die nächsten Wochen entscheiden.

Unter welchen Mannschaften wird der Aufstieg nach deiner Meinung entschieden werden?
Petkovic: Das ist schwer zu sagen, weil es doch noch einige Spiele sind. Aber ich denke einmal, dass wir bist zum Schluss oben dabei sein werden, wenn wir unsere Leistungen weiterhin abrufen können. Außerdem glaube ich, dass Aalen, Ingolstadt und der FSV Frankfurt im Aufstiegskampf ein Wörtchen mitreden werden.

Marjan, wir von Goalkeeping.com bedanken uns recht herzlich dafür, dass du dir für uns Zeit genommen hast, und wünschen dir, dass deine Ziele in Erfüllung gehen werden.