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Interview mit Marcel Höttecke (Borussia Dortmund)
von Artur Stopper (08/2009); Fotos: goalkeeping.com
In der kommenden Saison ist der 1,99 m große Marcel Höttecke dritter Torhüter hinter Weidenfeller und Ziegler im Bundesligateam von Borussia Dortmund. Über die Stationen Paderborn und LR Ahlen wechselte Marcel in der Winterpause der Saison 2006/07 in die Regionalligamannschaft von Borussia Dortmund, wo er in der darauf folgenden Saison zum Stammtorhüter wurde. In der Saison 2007/08 hatte er nach den gleichzeitigen Verletzungen von Weidenfeller und Ziegler fünf Einsätze im Bundesligateam. Unglücklicherweise erlitt er im letzten Saisonspiel der Regionalliga-Saison 2007/08 einen Kreuzbandriss, der ihn lange außer Kraft setzte.
Goalkeeping.com sprach mit Marcel über seine Verletzungen, seine Erfahrungen bei den bisher fünf Bundesligaeinsätzen und seinen Perspektiven für die Zukunft.
Marcel, nach Deiner Verletzungsmisere kann die erste Frage nur lauten: Wie geht es Dir gesundheitlich?
Höttecke: Hervorragend! Das letzte Jahr ist ja für mich wirklich nicht optimal gelaufen. Viele vergessen, dass meine Verletzung kein normaler Kreuzbandriss war, beim dem man in der Regel nach sechs Monaten wieder einsatzfähig ist, sondern bei mir war ja das ganze Knie in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem kam noch hinzu, dass auch das Innenband und der Innenminiskus abgerissen waren. So dauerte der Heilungsprozess bei mir natürlich länger als normal.
Die Zeitung Reviersport, mit der wir auch zusammenarbeiten, nannte Dich „den größten Pechvogel, der in der letzten Saison das schwarz-gelbe Trikot trug“. Erkennst Du Dich in der Beschreibung wieder?
Höttecke: Ich hatte das Pech, dass ich unglücklicherweise Rückschläge während des Reha-Trainings hinnehmen musste, die bei einer solch schweren Verletzung aber nicht auszuschließen sind. Es hätte sicherlich glücklicher für mich laufen können, aber als Pechvogel sehe ich mich nicht.
Woher hast Du die Kraft genommen, nach 11 Monaten voller Verletzungen, Operationen und Reha-Maßnahmen nicht die Geduld zu verlieren?
Höttecke: Ich habe mir immer wieder die Spiele angeschaut, die ich gemacht habe. Die guten Szenen geben einem die Kraft. Ich bin ja im Januar wieder eingestiegen und hatte kurz darauf wieder einen Rückschlag am Meniskus. Da kommt man sicherlich manchmal ins Grübeln und macht sich Gedanken, warum jetzt wieder und warum das gerade wieder mir passieren musste. Aber da muss man drüber stehen. Ich glaube auch, dass so etwas einen mental stärker macht, wenn man es geschafft hat.
Was nimmst Du aus dieser Verletzungsmisere für Deine Zukunft mit?
Höttecke: Ich denke, wenn man aus einer langen Verletzungspause wieder zurückkommt, ist man sehr gereift. Man weiß die Gesundheit zu schätzen und geht mehr auf seinen Körper ein.
Hast Du eine Berufsausbildung abgeschlossen oder direkt den Weg zum Fußballprofi gewählt?
Höttecke: Als ich aus dem Jugendbereich herauskam, verließ ich gerade die Schule. Anschließend absolvierte ich meinen Zivildienst. Danach wollte ich erst mal Vollgas im Fußballbereich geben und mal schauen, was möglich ist.
Du besitzt eine recht ansprechende Größe von 1,99 m. Wie wichtig ist Deiner Meinung nach die Größe bei einem Torhüter?
Höttecke: Ich denke, dass heutzutage sehr viel Wert auf eine bestimmte Größe gelegt wird. Wenn man sich in der Bundesliga umsieht, gibt es kaum einen Torhüter unter 1,85 m.
Du hattest vor ungefähr einem Jahr Deinen ersten Einsatz in einem Bundesligaspiel, weil die beiden etatmäßigen Torhüter Weidenfeller und Ziegler verletzt waren. Wie hast Du diese Situation empfunden, als so junger und unerfahrener Torhüter vor über 60 000 Zuschauern ins Wasser geworfen zu werden?
Höttecke: Aufgrund der sehr kurzfristigen Verletzungen der beiden hatte ich gar nicht lange Zeit, mich darauf vorzubereiten. Im ersten Moment realisiert man das Ganze überhaupt nicht. Du bekommst Bescheid, dass Du spielst, läufst ein und stehst auf einmal vor dieser riesigen Südtribüne. Man nimmt alles anfangs gar nicht so wahr. Erst wenn man abends im Bett liegt, kommen einem die Bilder noch einmal hoch, und man begreift, was passiert ist.
Wie war es dann beim zweiten und den folgenden Spielen, wenn man sich der Situation bewusst geworden ist. Kommen dann keine Versagensängste auf?
Höttecke: Nein, ich hatte bis dahin eine gute Regionalligasaison gespielt und 17 Spiele ohne Gegentor absolviert, so dass ich mir meiner Stärken bewusst war. Diese habe ich dann auch in die Bundesligaspiele mitgenommen.
Wie kann man sich überhaupt auf eine solche Situation vorbereiten? Wer hilft einem dabei?
Höttecke: Grundsätzlich ist das Spiel nicht anders als in der Regionalliga oder jetzt in der Dritten Liga. Man bereitet man sich auf jedes Spiel gleich vor. Man hat die gleichen Bewegungsabläufe und bereitet sich auch mental immer gleich vor. Außerdem ist man auch schon in meinem Alter reif genug zu wissen, wie man am besten in ein Spiel hineingeht und sich darauf vorbereitet.
Hast Du da bestimmte Rituale, wie Du Dich auf ein Spiel vorbereitest?
Höttecke: Ja sicherlich, aber die möchte ich gerne geheim halten.
Einverstanden! Sicherlich geht Dein Blick nach diesen schwierigen Zeiten jetzt nach vorne. Welche Ziele hast Du Dir für Deine nächste Zukunft gesetzt?
Höttecke: Ich möchte auf jeden Fall zuerst einmal gesund bleiben. Man lernt erst die Gesundheit zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hatte. Auch denke ich, dass der sportliche Erfolg automatisch kommt, wenn man gesund bleibt. Ich bin sehr ehrgeizig und trainiere hart, um meine Ziele zu verwirklichen, irgendwann Stammtorhüter in der Bundesliga zu sein.
Kannst Du abschließend den folgenden Satz bitte verlängern: Ich möchte einmal werden wie …
Höttecke: ... eine Mischung aus Oliver Kahn und Jens Lehmann.
Welche Anteile von den Beiden würdest Du gerne für Dich übernehmen?
Höttecke: Von Oliver Kahn würde ich gerne seine Besessenheit, seinen Ehrgeiz nach Erfolg und seine Reflexe auf der Linie übernehmen, von Jens Lehmann seine Strafraumbeherrschung, seine Fähigkeit mitzuspielen und die Bälle präzise an den Mann zu bringen. Auch schätze ich seine Art, wie er mit der Öffentlichkeit umgeht.
Marcel, wir von Goalkeeping.com wünschen Dir zunächst einmal, dass Du von weiteren gesundheitlichen Rückschlägen verschont bleibst, und wünschen dir, dass Du Deine Wünsche verwirklichen kannst.
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