Interview mit Manuel Salz (SC Freiburg)

Eine außergewöhnliche Karriere hat die Nr. 2 des SC Freiburg, Manuel Salz, hinter sich. Nach einigen  Jahren als Torhüter im Oberligateam der Stuttgarter Kickers wurde Manuel Salz nach dem Wechsel des ehemaligen Stammtorhüters David Yelldell zur TUS Koblenz die Nr. 1 im Regionalligateam der Kickers.  Nach hervorragende Leistungen nahm ihn dann der SC Freiburg zur Saison 2009/10 unter Vertrag. Durch eine Verletzung des Stammtorhüters Simon Pouplin kam er bereits am ersten Spieltag der Saison zu seinem ersten Bundesligaeinsatz gegen den Hamburger SV. Zwei weitere Einsätze folgten. Nach Rückenbeschwerden musste er in der vergangenen Saison ab Oktober 2009 aber selbst sechs Monate pausieren. Goalkeeping sprach mit dem Ersatztorhüter des SC Freiburg über den aktuellen Stand der Verletzung, über seinen schnellen Aufstieg von der Oberliga in die Bundesliga und über seine Zukunft.

„Es ging alles so schnell“

Manuel, die vergangene Saison ist leider nicht gut für Dich verlaufen. Du warst fast 6 Monate durch Rückenbeschwerden außer Kraft gesetzt. Wie geht es Dir im Moment?
Salz: Im Moment geht es mir deutlich besser, obwohl ich noch nicht hundertprozentig über dem Berg bin. Durch die Sommerpause hoffe ich, dass ich wieder komplett hergestellt bin und in der Vorbereitung auf die kommende Saison wieder voll angreifen kann.

Das war sicherlich keine ganz einfache Zeit für Dich. Was nimmst Du trotzdem aus dieser Phase für Deine weitere Laufbahn mit?
Salz: Definitiv, z.B. die Erfahrung, dass die Gesundheit am wichtigsten ist und über allem steht. Denn nur wenn man gesund ist, kann man seine Leistung bringen und glücklich im Leben sein, und das ist das Wichtigste.

Du hast ja eine außergewöhnliche Karriere hinter Dir. Nach dem Abgang von David Yelldell rücktest Du vom Oberligateam in das Drittligateam der Kickers auf. Nach starken Leistungen hat Dich der SC Freiburg vor der abgelaufenen Saison unter Vertrag genommen. Du hast also innerhalb von 365 Tagen  fünf Spielklassen übersprungen. Wie es einem da nicht schwindelig?
Salz: Ich glaube, dass ich diesen Aufstieg zunächst gar nicht voll registriert habe, weil alles so schnell ging. Natürlich bin ich stolz darauf und glücklich, dass ich das geschafft habe. Aber nun bin ich an diesem Punkt angelangt, und dann möchte man auch mehr. Durch die Verletzung habe ich auch besser wahrgenommen, was ich schon alles erreicht habe. Aber ich bin definitiv noch nicht an meinen Zielen angekommen. Es geht weiter, und dafür arbeite ich auch.

Welche Unterschiede nahmst Du zwischen der Dritten und der Ersten Bundesliga wahr?

Salz: Natürlich ist zunächst einmal die Qualität der Einzelspieler höher. Es passierten anfangs manchmal auch überraschende Situationen, die ich so nicht vorhersehen konnte, weil ich sie bisher nicht gekannt hatte. Außerdem wird viel schneller gespielt und die Abschlüsse, egal ob Kopfbälle, Weitschüsse oder 1 gegen 1-Aktionen, werden viel präziser ausgeführt als in der Dritten Liga.

Weil sich Pouplin verletzt hatte, hattest Du bereits am ersten Bundesligaspieltag Dein Pflichtspieldebüt. Was hast Du empfunden, als Du fast von heute auf morgen plötzlich vor einigen zehntausend Zuschauern spielen musstest?
Salz: Das war auf jeden Fall ein atemberaubendes Gefühl. Es ging alles so schnell, dass ich zunächst gar nicht realisiert habe, dass ich jetzt schon Bundesliga spiele. Es war ja von Anfang an klar, dass Simon Pouplin die Nr. 1 ist, und plötzlich war ich in der Situation, dass ich ein DFB-Pokalspiel und drei Bundesligaspiele absolvieren durfte. Es war eine sehr große Erfahrung für mich, und ich kann sehr viel aus diesen Spielen mitnehmen.

Sicherlich warst Du sehr aufgeregt. Welche Methode hast Du für Dich gefunden, mit der Aufregung umzugehen?
Salz: Ich versuche einfach, ruhig zu bleiben und mich auf meine Stärken zu fokussieren. Ich stelle mir Bilder von vergangenen Spielen vor, in denen mir eine geile Parade gelungen ist. Auch versuche ich mentale Stärke aus der guten Saison bei den Stuttgarter Kickers zu gewinnen, Ich hole mir also positive Dinge aus der Vergangenheit ins Bewusstsein zurück. So versuche ich positiv, mit Spaß und innerer Anspannung ins Spiel zu gehen, mehr kann man nicht tun.

Der Kicker überschrieb den Zeitungsartikel am folgenden Tag mit der Überschrift „Starkes Debüt von Salz“. Beim zweiten Spiel gegen den VfB Stuttgart wurde Dir von Teilen der Presse aber die Schuld an zwei Gegentoren angelastet. Waren die Vorwürfe nach Deiner Meinung wirklich berechtigt?
Salz: Ich denke schon, dass ich den Elfmeter mit verschuldet habe, da ich so nicht hätte hingehen dürfen. Das war ein Fehler, weil ich die Situation falsch eingeschätzt hatte. Eigentlich war ich sicher, dass ich den Ball treffe, sonst hätte ich mich nicht so verhalten. Ich habe den Gegenspieler zwar nicht getroffen, war aber einfach zu ungestüm in dieser Situation. Der Fernschuss, bei dem ich an der 5-m-Linie stand, war aus meiner Sicht kein Torwartfehler, weil der Schütze den Ball optimal trifft und der Ball sich bogenförmig hinter mir ins Tor gesenkt hat. Ich stand zwar weit vor dem Tor, war aber in voller Streckung in der Luft. Für mich selbst war es somit kein Torwartfehler.

Als Deine Stärken werden gute Reflexe, fußballerische Qualitäten und das Dirigieren der Kollegen genannt. Siehst Du auch darin Deine Stärken?
Salz: Ja, so sehe ich mich richtig beschrieben.

Schwächen werden Dir in der Strafraumbeherrschung nachgesagt. Ist der Vorwurf berechtigt?
Salz: Strafraumbeherrschung gewinnt man durch Spiele und damit durch viel Erfahrung. Diese Erfahrung machte ich in meinem Drittligajahr bei den Stuttgarter Kickers. In der Vorrunde traute ich mich nicht so oft aus dem Tor, während ich in der Rückrunde eine sehr gute Strafraumbeherrschung hatte. Ich fühlte mich einfach sicher. Natürlich kam auch viel Selbstbewusstsein durch die vielen guten Spiele hinzu. In den vier Spielen am Ende der Saison im Regionalligateam des SC Freiburg merkte ich auch, dass die Strafraumbeherrschung mit jedem Spiel besser wurde. Aber man lernt natürlich nie aus. Ich bin der Meinung, dass die Strafraumbeherrschung mit das Schwierigste im Torwartspiel ist.

Du giltst auch als Elfmeterkiller. In der Drittligasaison bei den Kickers hast Du vier Strafstöße gehalten. Gibt es ein Geheimnis für diese Leistung, oder gehört einfach viel Glück dazu?
Salz: Natürlich gehören Glück und guter Instinkt mit dazu. Mein ehemaliger Torwarttrainer bei den Stuttgarter Kickers, Dennis Rudel, führte aber auch Statistik darüber, welcher Spieler den Elfmeter wohin schoss. Vor jedem Spiel informierte er mich dann über die bevorzugte Ecke der einzelnen Schützen. Oftmals war es dann auch so, manchmal habe ich mich aber auch anders entschieden und mich auf mein Gefühl verlassen.

Du bist mit 1,85 m kein überaus großer Torhüter. Wie oft schon wurde Dir dies schon zum Vorwurf gemacht?
Salz: In den letzten Jahren eigentlich weniger, seit ich den Sprung als Stammtorhüter bei den Kickers geschafft hatte. Davor hieß es aber immer, dass ich viel Talent hätte und eigentlich ein guter Torhüter sei, aber zu klein sei und daher nicht höherklassig spielen könne. Ich habe es mir selbst bewiesen, dass ich es kann, und andere haben es wohl dann auch so wahrgenommen. Ich denke, dass ich dafür eine bessere Sprungkraft habe als manche, die größer sind als ich, und dadurch viel ausgleichen kann.

Für einen Torhüter ist Spielpraxis sehr wichtig. In der vergangenen Saison hattest Du wenig davon. Wie stark wirft Dich das in deiner Entwicklung zurück?

Salz: Ich weiß gar nicht, ob mich diese lange Pause so weit zurückwirft. Denn diese Erfahrung hat mich als Mensch weiter gebracht. Natürlich hoffe ich, dass ich weiterhin gesund bleibe, das ist das Wichtigste. Den Rest werde ich mir weiterhin erarbeiten.

Wie hältst Du Dich bis zur Vorbereitung auf die neue Saison fit?
Salz: (schmunzelt) Beim SC Freiburg ist das kein Problem, denn wir bekommen einen Plan und eine Pulsuhr. Wenn man sich an diese Vorgaben hält, bleibt man weiterhin fit (lacht).

Goalkeeping.com bedankt sich bei Dir für das Interview und wünscht Dir eine schmerzfreie und erfolgreiche kommende Saison.