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Interview mit Manuel Huber im März 2006
(GCZ - Grasshoppers Zürich)
Im März 2006 hatten wir die Gelegenheit mit dem sehr hoffnungsvollen Keepertalent Manuel Huber aus der Schweiz ein paar Worte zu wechseln.
Er hat schon heute das erreicht, von dem viele nur träumen können: U19-Nationaltorwart der Schweiz, sowie Stammtorwart der U21-Mannschaft bei einem der rennomiertesten Clubs der Schweiz (dem "GC", den Grasshoppers Zürich).
Lest hier seine Kommentare über die Vergangenheit, sein aktuelles Leben, sowie seine Tipps für junge Nachwuchskeeper.
Manuel, in Deiner Karriere ging es bisher extrem steil bergauf. Was waren die bisher prägendsten Momente für Dich?
Manuel Huber: Es gab schon sehr viele prägende Momente, aber die wichtigsten sind sicherlich, dass ich im Jahre 2003 zu den Grasshoppers Zürich wechselte und in der darauffolgenden Saison gleich Meister und Cup Sieger mit meinem Team wurde. Dazu kam im 2005 die Erreichung der 2. EM-Qualifikationsrunde mit der Schweizer Nationalmannschaft U19.
Von welchen Momenten hättest Du gerne noch mehr in der Zukunft?
Manuel Huber: Natürlich von den schönen erfolgreichen Momenten, in denen ich etwas zu feiern habe. Sei es eine Meisterschaft, ein Cupsieg oder einen Transfer in einen noch grösseren Club.
Wie bist Du Keeper geworden?
Manuel Huber: Als ich 7 Jahre alt war entschloss ich mich in einem Verein Fussball zu spielen. Die erste Saison war ich Stürmer bis ins letzte Meisterschaftsspiel vor der Winterpause. Es schneite, der Platz war gefroren und schneebedeckt und unser Torhüter verletzte sich noch vor der Halbzeit. Da wir keinen Ersatzmann hatten, stellte sich die Frage, wer nun das Tor hütet. Ich wagte es und wollte es Mal als Torwart versuchen. Dies hat mir dann so gefallen, dass ich nach dem Spiel zu meinem Vater sagte: „Ich will Torhüter werden“. Von da an hütete ich stets das Tor.
Welche Position würdest Du sonst noch gerne spielen?
Manuel Huber: Wie gesagt ich war Stürmer und ich denke, dass dies meine Position wäre, hätte ich nicht den Torhüterposten übernommen. Ich schiesse auch heute noch gerne ein paar Tore.
Manuel, in Deiner Karriere ging es bisher extrem steil bergauf. Was waren die bisher prägendsten Momente für Dich?
Manuel Huber: Kann ich bestätigen und denke schon, dass da was dran ist. Ich glaube einfach, dass Torhüter auch eine gewisse Abschlussstärke besitzen, den richtigen Riecher und einen harten Schuss haben.
Wer hatte bisher bei Deiner Entwicklung den größten Einfluß?
Manuel Huber: Den grössten Einfluss hatte sicherlich mein Vater. Ich bin ihm dafür auch sehr dankbar. Er unterstützt mich seit ich klein angefangen habe und förderte mich entsprechend. Sportlich, finanziell wie auch mental. Ohne ihn wäre ich jetzt sicher nicht da wo ich bin.
Du machst parallel noch eine Ausbildung im Bankwesen. Wie läßt sich das mit einer möglichen Karriere als Profisportler verbinden – wirst Du ab und zu von der Firma für den Sport freigestellt, oder geht dafür Dein kompletter Jahresurlaub drauf?
Manuel Huber: Mit meinem Arbeitgeber der Credit Suisse habe ich ein spezielles Abkommen schliessen können. Ich kann den Arbeitsplatz täglich um 14.30 Uhr verlassen, sodass ich um 16.00 Uhr trainieren kann, muss dafür aber um 06.45 Uhr bereits mit der Arbeit beginnen. Weiter bekomme ich einen Monat unbezahlten Urlaub, das heisst ich habe anstatt 6, 10 Wochen Ferien. Alle Trainingslager muss ich während diesen 10 Wochen absolvieren. Ich bin der Credit Suisse sehr dankbar, dass sie so kulant sind, ansonsten wäre eine solche Belastung gar nicht möglich.
Was ist für Dich das Schwerste bei dieser Doppelbelastung?
Manuel Huber: Das schwerste ist sicherlich die Schule. Ich habe ja sozusagen eine dreifach Belastung, da ich noch in Ausbildung bin, muss ich 2 Tage die Woche in die Schule. Dort wird es dann teilweise ziemlich eng mit Hausaufgaben, Prüfungen und diversen Schulprojekten, welche ich nebenbei noch erledigen sollte.
Ende letzten Jahres hattest Du eine Schulterverletzung. Was genau ist passiert?
Manuel Huber: Genau. Es passierte im Oktober 2004, da fiel ich beim Einlaufen für einen Match so unglüklich auf die Schulter, dass diese schwer entzündet wurde. Daraufhin versuchte man dies praktisch ein Jahr lang mit Therapie und Cortison-Spritzen zu lindern, erreichte aber nie mehr den Normalzustand, sodass ich mich im November 2005 entschloss einer Schulteroperation zu unterziehen.
Wie wurde die Schulter behandelt?
Manuel Huber: Wie erwähnt anfangs versuchte man es mit Therapie sowie Cortison-Spritzen. Im November 2005 dann führte man eine Arthroskopie der Schulter durch, in der man den Schleimbeutel entfernte und am Schulterknochen ein wenig Knochen abfeilte, so dass meine Kapsel mehr Platz im Gelenk haben wird.
Welche Einschränkungen spürst Du davon heute noch?
Manuel Huber: Heute spüre ich sicherlich noch ein wenig die Schmerzen der OP, hoffe aber dass sich diese bis zum Sommer vollständig verschwinden.
Beim GC hast Du extrem gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Karrieresprung. Mit Dragan Djukic hast Du aber auch noch einen exzellenten Keeper (der auch schon für die Jugend-Nationalelf) spielte, neben Dir. Wie geht Ihr mit dem Druck um – welche Beziehung könnt Ihr überhaupt zueinander aufbauen?
Manuel Huber: Wir führen sicherlich nicht die beste Beziehung zueinander und gehen privat auch mal aus, nein das nicht, aber wir gehen miteinander wie erwachsene Männer um und respektieren uns gegenseitig. Wir können problemlos ein normales Gespräch führen.
Mit Stefan Huber habt Ihr einen sehr erfahrenen Ex-Profi als Keepertrainer. Gibt er das Training alleine vor, oder sprecht Ihr Euch über Inhalte/Schwerpunkte oder Übungen ab?
Manuel Huber: Normalerweise hat Stefan das Programm zu Beginn des Trainings immer im Kopf und selber zusammengestellt. Wir können es aber insofern beeinflussen, indem wir Wünsche äussern, was wir noch trainieren wollen. Dann ist er jeweils jederzeit bereit mit uns von uns gewünschte Übungen durchzuführen.
Wie häufig trainiert Ihr insgesamt in der Woche?
Manuel Huber: Das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Ich trainiere normalerweise jeden Tag einmal mit der Mannschaft und einmal für mich alleine im Kraftraum, das heisst im Mittel 10-12 Mal.
Wieviele Einheiten davon finden im Kraftraum, wieviele im Gymnastikraum statt?
Manuel Huber: Diejenigen Spieler die morgens auch mit der Mannschaft trainieren können, dies sind in etwa 8 Spieler, arbeiten dann jeweils am Morgen im Kraftraum. Die anderen, so wie ich, sind dafür selber verantwortlich. Man bekommt einen Plan mit Übungen, welchen man als Vorlage hat um selbst im Kraftraum tätig zu sein.
Welcher Teil des Trainings gefällt Dir am Besten?
Manuel Huber: Sicherlich gefällt mir das spezifische Torhütertraining am Besten. Dieses habe ich 2 Mal wöchentlich. Im normalen Mannschaftstraining bevorzuge ich das Schusstraining, allgemein das Abschlusstraining sowie die Spiele.
Beschreibe bitte eine typische Trainingseinheit – wie lange dauert welcher Teil?
Manuel Huber: Eine Trainingseinheit sieht in etwa so aus: 10 min Einlaufen ohne Ball, 20 min technisch mit Ball (Torhüter sind dann meistens allein und schiessen sich ein), 15 min verschiedene kleine Spielchen, 30 min Angriffsauslösung mit Abschluss und zum Schluss noch ein Spiel, welches ca 15 min dauert, anschliessend auslaufen und Stretching.
Du nimmst mittlerweile eine echte Vorbildfunktion für den jüngeren Nachwuchs in der Schweiz ein. Bekommst Du auch spezielle Schulungen, die Dir den korrekten Umgang mit der Presse/TV vermitteln?
Manuel Huber: Nein, solche Schulungen gab es bis jetzt noch keine. Die meisten Schulungen sind in diesem Alter noch darauf bedacht, sich selbst, also im mentalen Bereich weiterzubilden. Das Umgehen mit der Presse/TV hat noch Zeit.
Was muss ein junges Talent aus Deiner Sicht unbedingt mitbringen, um eine realistische Chance auf einen Profivertrag zu erhalten?
Manuel Huber: Ein gewisses Talent muss sicherlich vorhanden sein. Danach zählt aber auch der unbedingte Wille Profi zu werden und die richtige Einstellung. Man muss natürlich täglich hart trainieren.
Was würdest Du heute in Bezug auf Deine eigene Entwicklung anders machen?
Manuel Huber: Praktisch nichts. Ausser vielleicht, bei meiner Schulterverletzung schneller den Entschluss ziehen, dies operativ zu beheben als ein Jahr lang sich so halb „durchzumogeln“.
Ein Wort zu Deiner Ausrüstung: wieviele Paar Handschuhe benötigst Du ungefähr pro Jahr?
Manuel Huber: Dies dürften schon gegen die 20 sein.
Worauf legst Du bei Handschuhen ganz besonders viel Wert?
Manuel Huber: Ein Handschuh muss mir liegen, das heisst er muss eine bestimmte Bequemlichkeit und einen guten Schnitt aufweisen. Der Belag sollte auch genug dick sein und gut haften.
Warum ist Dir genau das so wichtig?
Manuel Huber: Handschuhe sind dein Werkzeug, ohne diese bist du im heutigen Fussball als Torhüter auf verlorenem Posten. Also muss der Handschuh mir gut passen sowie eine gute Aufpralldämpfung besitzen, denn ich werde ihn immer tragen, solange ich Fussball spiele und ich hoffe das wird noch eine ganze Weile sein.
Wie geht es für Dich in den kommenden Wochen/Monaten weiter?
Manuel Huber: Im Moment trainiere ich hart im Hinblick auf die ersten Meisterschaftsspiele sowie die 2. EM-Qualifikationsrunde, die im Mai folgen wird.
Was wirst Du während der WM machen?
Manuel Huber: Dies weiss ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich werde mir sicherlich so viele Spiele wie möglich im TV anschauen, versuche auch eines oder zwei live zu sehen.
Welchen Platz erreicht die Schweiz?
Manuel Huber: Ich bin nun mal Optimist und glaube dass die Schweiz sich für das Viertelfinale qualifiziert und danach ist alles möglich. Eine Halbfinal- Qualifikation wäre eine Sensation, ist jedoch nicht unmöglich, daher tippe ich mal auf den 3. Platz.
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