Interview mit Lukasz Fabianski (Arsenal London)

von Artur Stopper (06/2008); Fotos: goalkeeping.com

Arsenal London gilt als Verein, der ein besonderes Auge für talentierte Spieler in Europa entwickelt hat. Seit der letzten Saison steht das 23-jährige polnische Torhütertalent Lukasz Fabianski, momentan hinter Artur Boruc die Nummer 2  im EM-Aufgebot der polnischen Nationalmannschaft, bei den Londonern unter Vertrag.
Goalkeeping.com sprach mit ihm über Arsenal London, sein Verhältnis zu Jens Lehmann und seine Chancen bei der EM.

Herr Fabianski, seit der letzten Saison spielst du für Arsenal London. Was waren deine Gründe, zu Arsenal zu gehen?

Fabianski: Die Chance, von Polen direkt zu so einem großen Club wie Arsenal zu gelangen, hat man nur einmal im Leben. Arsenal bietet für mich eine große Chance, mich zu entwickeln und zu verbessern. Deshalb wechselte ich zu diesem Klub.

In der letzten Saison warst du die Nummer 3 bei Arsenal. Wie und wo konntest du Spielpraxis sammeln?
Fabianski: Ich spielte acht Mal in der ersten Mannschaft, fünf Mal im Carling-Cup und drei Mal in der Premier League.  Für einen jungen Torhüter wie mich, der erst zu diesem  großen Verein gekommen ist, ist das ein guter Wert. Die drei Spiele, die ich in der Premier League absolvierte, waren eine gute Erfahrung für mich und auch für den Boss (Anmerkung der Redaktion:Arsene Wenger)), da er sehen konnte, wie ich reagiere, wie ich spiele. Da ich denke, dass ich mich in diesen Spielen gut bewährt habe, blicke  ich sehr positiv auf die nächste Saison.

Welche speziellen Fähigkeiten muss ein Torhüter haben, der für Arsenal spielt?
Fabianski: Vor allem muss er Glück haben, ansonsten weiß ich es nicht genau. Aber wenn der Boss nach Spielern für Arsenal schaut, weiß er es ganz genau, was er will und was er von den Torhütern erwartet. Es ist schwierig für mich, über meine eigenen Stärken zu reden. Es ist besser, den Boss danach zu fragen.
Du trainiertest in der letzten Saison zusammen mit Deutschlands Nr. 1, Jens Lehmann? Konntest du etwas von ihm lernen?
Fabianski: Zuerst habe ich von ihm gelernt, wie man sich verhalten muss, wie man mit fast 40 Jahren noch ausgesprochen fit sein kann. Er ist eine wirklich große Persönlichkeit mit großer Erfahrung. Was ist von ihm gelernt habe ist sein Stellungsspiel, besonders seine Position und sein Verhalten in den 1:1-Situationen, aber auch die Lebensart, selbst mit 38 Jahren auf so einem hohen Level zu spielen und seine Gesundheit zu erhalten. 

Wie war deine Beziehung zu Jens Lehmann?
Fabianski: Mit Jens hatte ich eine sehr gute Beziehung. Wir haben viel miteinander geredet. Ich kann nur sagen, dass ich mit ihm einen sehr guten Kontakt hatte und ich freue mich schon darauf, ihn bei der Europameisterschaft zu treffen, weil ich ihm etwas schulde, er versprach mir etwas  …   (lächelt) Wir werden sehen …

Siehst du eine Chance, in der nächsten Saison die Nummer 1 bei Arsenal zu werden?
Fabianski: Ich weiß nicht genau. Ich denke dass im Moment viel von der Vorbereitung abhängt. Aber da in Kürze die Europameisterschaft stattfindet, möchte ich nicht an die nächste Saison denken, sondern nur an die Meisterschaft, in die ich gut vorbereitet hineingehen will.

Du bist jetzt gerade 23 Jahre alt. Wann erreicht ein Torhüter deiner Meinung nach seinen Leistungshöhepunkt?
Fabianski: Ich weiß es nicht wirklich. Ich glaube aber nicht, dass es wirklich vom Alter abhängt, sondern mehr von der Erfahrung. Wenn man als junger Torhüter schon Erfahrung sammeln kann, wie z.B. Casillas bei Real Madrid, der schon mit 17 Jahren die ersten Einsätze im Team von Real hatte, hat man die Möglichkeit, auch schon in jungen Jahren wie er einer der besten Torhüter der Welt zu werden. Es hängt also nicht vor allem von Alter ab, wann man seinen Höhepunkt erreicht, sondern vor allem davon, wann man sich als Nr. 1 durchsetzen kann. Somit glaube ich wirklich, dass man in jungen Jahren schon ein hervorragender Torhüter werden kann.

Was wird Polen deiner Meinung nach bei der Europameisterschaft erreichen?
Fabianski: Ich hoffe natürlich, dass wir viel erreichen. Ich kann aber sagen, dass alle im Team, die Spieler, die Betreuer, der Boss so lange wie möglich bleiben wollen.  Wir hoffen natürlich, bis am 29. Juni 2008 dabei zu sein.

Denkst du, dass du trotz eines Boruc und Kuszczak die Chance hast, bei der EM zu spielen?
Fabianski: Ich kämpfe natürlich daran, aber meine Rivalen sind wirklich gute Torhüter, die alle in großen Clubs spielen. Aber ich werde den Kampf nicht aufgeben.

Goalkeeping.com bedankt sich recht herzlich dafür, dass du dir für uns Zeit genommen hast, und wünscht dir viel Erfolg bei der EM.