Interview mit Lukas Kruse

von Artur Stopper (07/2010);

Nach drei Jahren in der Fremde bei den Stationen Borussia Dortmund und FC Augsburg, wo er aber überwiegend auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, kehrt Lukas Kruse zurück zu seinem Heimatverein SC Paderborn.
Goalkeeping.com sprach mit Lukas Kruse über seine Erfahrungen beim BVB und in Augsburg und über seinen Erwartungen bei der Rückkehr in seine Heimat.

„ Einmal in einem so großen Verein spielen“

Lukas, nach zweijähriger Abstinenz kehrst Du zur kommenden Saison in Deinen Heimatverein SC Paderborn zurück. Wie groß ist die Vorfreude?
Kruse: Die Vorfreude ist natürlich schon sehr groß, obwohl ich mich bei meinen letzten Stationen FC Augsburg und Borussia Dortmund auch sehr wohl gefühlt habe. Aber ich freue mich natürlich auf Paderborn, weil ich hoffe, dort auch wieder zu spielen.

Du scheinst in Deiner Heimat immer noch sehr beliebt zu sein, wie anders sind die Sprechchöre für Dich in der vergangenen Saison beim Spiel des FC Augsburg in Paderborn zu erklären?
Kruse: Dadurch dass ich 13 Jahre in Paderborn gespielt habe und auch dort geboren bin, ich das schon noch so, dass ich gerne gesehen bin und freue mich natürlich auch darüber. Aber sicherlich wird es auch ein paar Leute geben, die sagen, was will der jetzt wieder hier.

Nach dem Paderborner Zweitligaabstieg 2008 wechseltest Du zunächst als dritter Torhüter zu Borussia  Dortmund, um den damals Langzeitverletzten Marcel Höttecke zu ersetzen. Was hattest Du Dir von diesem Wechsel versprochen?
Kruse: Vor dem Wechsel hatte ich ein Angebot sowohl vom FC Augsburg als auch von Borussia Dortmund vorliegen. Letztlich habe ich mich für Dortmund entschieden, weil mich die Perspektive gereizt hat, eventuell zweiter Torhüter zu werden. Das sah in den Vorgesprächen nicht so schlecht aus, da alles ziemlich offen schien. Der Hauptgrund war also, einmal in so einem großen Verein spielen und das Ganze miterleben zu können. Das war natürlich riesig.

Was hast Du an persönlichen und sportlichen Erfahrungen bei dem Toppverein Borussia Dortmund für Deine weitere Karriere mitgenommen?
Kruse: Zum einen hat sich mein Ziel, irgendwann einmal erste Bundesliga zu spielen, verfestigt, weil das Drumherum beim BVB einmalig ist und es das wohl nur noch selten gibt. Zum anderen habe ich viele persönliche Erlebnisse mitgenommen, z.B. wie es ist, wenn bei jedem Training mehrere hundert Zuschauer anwesend sind. Dortmund war schon eine tolle Sache!

Nicht alle haben damals Deinen Wechsel nach Dortmund nachvollziehen können. Manche sind der Meinung, dass Du trotz des Zweitligaabstiegs besser beim SC Paderborn geblieben wärst, da Du in Dortmund und in Augsburg viel Zeit auf der Ersatzbank verbracht hast und in Paderborn die Chance erhalten hättest, Stammtorhüter zu werden. Was antwortest Du diesen Leuten?
Kruse: Ich hätte nicht nur die Nummer 1 werden können, sondern ich wäre sie geworden, weil Kaspar Jensen dann gar nicht gekommen wäre. Das war klar so gesagt. Auch hatte ich ein gutes Angebot von Paderborn. Aber für mich waren diese Aspekte nicht so ausschlaggebend. Ich wollte eher nach 13 Jahren Paderborn etwas Neues machen und im Leben mal etwas Anderes sehen. Ich sah ein bisschen die Gefahr, dass ich nie mehr wegkäme, wenn ich zu diesem Zeitpunkt in Paderborn unterschrieben hätte. Da ich noch etwas Anderes im Fußball erleben wollte, musste ich diesen Schritt vollziehen.

Du hast dich in der Winterpause der Saison 2008/09 dem FC Augsburg angeschlossen, wiederum um einen verletzten Torhüterkollegen (Khamutouski) zu vertreten. War es im Vorhinein schon klar, dass Du nur 1 ½  Jahre in Augsburg sein würdest?
Kruse: Der Vertrag ging über 1 ½ Jahre, weil der Verein eine neue Konkurrenzsituation mit dem damaligen Stammtorwart Sven Neuhaus haben wollte. Es war klar, dass ich mich ein halbes Jahr gedulden und auf die Bank setzen sollte. In der folgenden Saison sollte eine richtige Konkurrenzsituation geschaffen werden mit Sven oder einem anderen Torhüter. Mit der Verpflichtung von Simon Jentzsch hat sich die Situation dann wieder anders dargestellt. Trotzdem bin ich aber nicht traurig darüber, wie es letzte Saison gelaufen ist.

In Deinen Spieleinsätzen hast Du meist mit guten Leistungen geglänzt. Warum ist der Weg in die erste oder zweite Bundesliga für einen jungen, talentierten Torhüter trotzdem so schwierig?
Kruse: Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so jung, ich werde auch schon 27 Jahre alt. Ich denke, dass ich oft das Image hatte, ein guter zweiter Torhüter zu sein, der die Klappe hält und keinen Aufstand macht, wenn er auf der Ersatzbank Platz nehmen muss, und zudem gut hält, wenn er eingesetzt wird. So war es auch schon in der Zeit von Paderborn. Vielleicht hätte ich manchmal etwas forscher auftreten müssen.


In allen unseren Kontakten habe ich Dich als feinen, bescheidenen und zurückhaltenden Menschen erlebt. Können diese positiven Charaktereigenschaften sportlich ein Nachteil für Dich sein, weil man damit in unserer schrillen Medienwelt zu wenig auffällt?
Kruse: Vielleicht im Endeffekt schon, aber ich denke, dass man im Leben immer das bekommt, was man verdient, und so zahlt es sich vielleicht irgendwann im Leben aus, dass man vorher nicht die großen Reden geschwungen hat.

Du bekommst in Daniel Masuch in Paderborn einen Konkurrenzen, der eine sehr ordentliche Saisonleistung abgeliefert hat. Wie siehst Du dieses Duell?
Kruse: Bei diesem Duell ist sicherlich alles offen, wie der Trainer, Andre Schubert, bestätigt hat. Daher gehe ich optimistisch in die neue Saison. Ich weiß auch, dass Daniel eine gute Saison gespielt hat. Von meiner Seite aus wird es wie immer keine Probleme mit meinem Konkurrenten geben, und ich habe auch schon gehört, dass Daniel ein sehr umgänglicher Typ sein soll. Ich denke, dass wir einen offenen Konkurrenzkampf führen werden, der aber freundschaftlich geführt wird.

Lukas, wir von GOALKEEPING.COM danken Dir für das Interview und wünschen Dir auf Deinem weiteren Weg viel Glück.