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Interview mit Lukas Kruse (Borussia Dortmund)
von Artur Stopper (09/2008); Fotos: goalkeeping.com
Vom Zweitliga-Absteiger SC Paderborn, für den er seit der C-Jugend spielte, wechselte der 25-jährige Lukas Kruse vor dieser Saison als dritter Torhüter zu Borussia Dortmund. Dass Kruse ein guter ist, bewies er im vergangenen Winter, als er zunächst Alexander Bade aus dem Paderborner Tor verdrängte und danach eine starke Rückrunde spielte.
Goalkeeping.com unterhielt sich mit dem Neu-Dortmunder
Seit deinem 12. Lebensjahr spieltest du für den SC Paderborn. Wie schwer fiel es dir, diesen Verein zu verlassen?
Kruse: Das war sicherlich keine einfache Entscheidung. Aber ich denke, nach 13 Jahren Paderborn musste mal etwas anderes sein, deswegen ist die Entscheidung gefallen, den Verein zu verlassen. Aber ich gehe sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Man konnte lesen, dass du neben Rot-Weiß Oberhausen auch beim TUS Koblenz und den Offenbacher Kickers im Gespräch warst. Was gab den Ausschlag für den BVB?
Kruse: Zum Schluss waren die genannten Vereine nicht mehr so aktuell, eher der FC Augsburg. Den Ausschlag für den BVB gab, dass ich gute Chancen sehe, mich auch bei den Profis zu etablieren. Zunächst einmal ist sicher, dass ich beim BVB II spielen kann, so dass ich mich weiter entwickeln kann. Daher war der BVB eine sehr reizvolle Aufgabe für mich.
Du gehörst mit 25 Jahren wahrscheinlich zu den älteren Spielern im Dortmunder Nachwuchsteam. War deine Erfahrung von 38 Zweitligaspielen mit ein Grund, dich zu verpflichten?
Kruse:Das weiß ich nicht, ob dieser Aspekt ausschlaggebend war. Dortmund suchte einen Torhüter, weil sich Marcel Höttecke schwer verletzt hatte. Durch meinen Berater kam dann der Kontakt zum BVB zustande. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Erfahrung aus Dortmunder Sicht ein Grund war, aber ich weiß es nicht.
Was wird passieren, wenn Marcel Höttecke nach seinem Kreuzbandriss wieder zurückkommt?
Kruse: Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn Marcel zurückkommt. Darüber wurde auch bei den Verhandlungen nicht groß gesprochen. Ich versuche, meine Leistung zu bringen, und alles andere wird man dann sehen.
Du warst in Paderborn Ersatztorwart hinter renommierten Torhütern wie Alexander Bade oder Tom Starke. Was konntest du dir bei ihnen abschauen?
Kruse: Speziell von Alex kann man sich sicher die Gelassenheit und seine professionelle Art abschauen. Diese professionelle Einstellung zum Beruf gilt auch für Tom. Beide haben sicherlich eine andere Spielweise als ich, so dass man sich nur Einzelheiten abschaut. Aber wie bereits betont, kann man viel von ihrer Einstellung lernen.
Du gehörtest seit 2001 zum Kader des Regionalliga- und späteren Zweitligateams des SC Paderborn. Hat es ein Torhüter oder Spieler, der im eigenen Verein groß geworden ist, leichter oder schwerer, sich für die Stammelf durchzusetzen?
Kruse: Meiner Meinung nach absolut schwerer. Die Zeit in Paderborn war nicht immer leicht, man hat oft auf andere Torhüter gesetzt, die geholt wurden. Daher habe ich die Erfahrung gemacht, dass es schwerer ist, im eigenen Verein die Nummer 1 zu werden.
Dein neuer Torwarttrainer Teddy de Beer attestierte dir, dass Technik und Stellungsspiel bereits gut seien, er aber noch an einigen Nuancen arbeiten müsse. Welche Schwächen meint er?
Kruse: Ich denke, mit 25 Jahren kann und muss man noch kein fertiger Torwart sein. Sicherlich hat jeder Torwarttrainer auch immer andere Ansichten zu verschiedenen Dingen. Ich weiß aber, dass ich gerade im körperlichen Bereich sowie in einigen technischen Bereichen noch arbeiten muss. Dafür bin ich hier, und das werde ich auch tun.
Du bist 1,85 m groß. „Größe ist keine Sache von Länge“, meint dein jetziger TW-Trainer. Glaubst du trotzdem, dass für viele Trainer die Körpergröße ein wichtiger Faktor bei der Verpflichtung von Torhütern im Profibereich ist?
Kruse: Ja, gerade bei der aktuellen Vereinssuche habe ich gemerkt, dass viele Vereine von vorn herein einen größeren Torhüter gesucht haben. Größe spielt inzwischen keine unwesentliche Rolle. Aber das kann ich nicht ändern, ich kann mich nicht ein paar cm größer machen. Ich möchte das im Endeffekt auch nicht, weil ich mit meiner Spielweise und meiner Größe eigentlich ganz zufrieden bin. Außerdem gibt es genug Beispiele für gute Torhüter, die wie ich 1,85 m groß sind, wie z.B. Casillas von Real Madrid.
In der Rückrunde der letzten Saison 2007/08 konntest du als Nr.1 in Paderborn ein halbes Jahr Zweitligaluft schnubbern. Jetzt trainierst du mit dem Erstligaprofis von Borussia Dortmund. Welche Unterschiede im Torwartspiel fallen dir im Training zwischen dem SC Paderborn und Borussia Dortmund auf?
Kruse: Insgesamt hat natürlich jeder Trainer einen anderen Ton und eine andere Trainingsauffassung. Ich hatte in Paderborn während der Zeit, in der wir in der Zweiten Bundesliga spielten, drei verschiedene Trainer. Da finden sich immer Unterschiede, aber auch viele Übereinstimmungen. Natürlich herrscht hier in Dortmund eine ganz andere Professionalität, sowohl im Drumherum als auch in der Trainingsarbeit.
Welche Ziele möchtest du in deiner jungen Torhüterkarriere noch erreichen?
Kruse: Erst einmal möchte ich eine gute Saison beim BVB II spielen. Was dann kommt, wird man sehen. Natürlich ist es längerfristig mit 38 Zweitligaspielen nicht mein Ziel, auf Dauer in der Regionalliga zu spielen, sondern ich möchte irgendwann zumindest wieder zurück in die Zweite Bundesliga. Noch schöner wäre es sicherlich, wenn sich ein Tor zur Ersten Bundesliga auftäte.
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