- HOME>
- TORWART MAGAZIN>
- WM-INFOS>
- WM 2006>
- KOLUMNE>
Trauriges Ende im Halbfinale

Es hat nicht sollen sein. Das Erreichen des großen Ziels, im Finale um den Weltmeistertitel zu spielen, war unserer Mannschaft nicht vergönnt. In einem wahnsinnig spannenden Spiel zweier gleichwertiger Teams gewannen mit den Italienern am Ende die Glücklicheren. Und das zu einem besonders schmerzhaften Zeitpunkt in den letzten Minuten der Verlängerung!
Doch nach der anfänglichen Trauer über dieses unglückliche 0:2 gegen die Italiener ging es mir so wie wohl fast allen Deutschen: Der Stolz auf diese tolle Mannschaft überwiegt! Das Team von Jürgen Klinsmann hat durch leidenschaftliche, überzeugende Auftritte begeistert und viele Erwartungen übertroffen, auch meine. Und die Euphorie, die sie in unserem Land entfacht hat, ist einfach wunderbar.
Das Spiel war schöner und spannender, als man vorher erwartet hatte. Denn neben den Deutschen taten auch die Italiener was für ihre Offensive und versuchten zu Chancen zu kommen, anstatt sich, wie befürchtet, nur hinten rein zu stellen. Das Spiel fand in der ersten Hälfte aber vorwiegend zwischen den Strafräumen statt, wirkliche Chancen gab es wenige.
Der gesperrte Torsten Frings wurde von Sebastian Kehl ersetzt, der anfangs nicht die Klasse von Frings zeigte, sich im Laufe des Spiels aber steigerte und eine ordentliche Leistung bot. Ebenfalls von Anfang an lief Tim Borowski für Sebastian Schweinsteiger auf. Eine richtige Entscheidung, Borowski machte ein gutes Spiel.
In Halbzeit Zwei war unsere Mannschaft überlegen. Die Spieler griffen energischer und aggressiver an, gaben keine Bälle verloren und begannen weit vorne mit dem Pressing. Sie kombinierten sicherer, gewannen mehr Zweikämpfe und waren häufiger in der Nähe des gegnerischen Tores. Trotzdem gelang ihnen kein Treffer. In der letzten Viertelstunde ließ dann die Kraft etwas nach und die Italiener kamen auch wieder häufiger vor das Tor von Jens Lehmann.
Lehmann spielte erneut sicher mit und parierte die gefährlichen Chancen, die die Italiener im Spiel hatten, sehr gut. Eckbälle landeten so gut wie immer in seinen Händen. Ein kleines Manko der deutschen Elf waren vielleicht auch die Standartsituationen: Ecken und Freistoesse brachten so gut wie nie Gefahr. Was mir bei den Italienern nicht gefallen hat, war, dass sie oft bei kleinen Berührungen zu Boden gingen, als seien sie schwer gefoult worden. Solche Schauspiel-Einlagen hat eine Mannschaft mit dieser Klasse eigentlich nicht nötig!
In der regulären Spielzeit blieb es beim 0:0. Zu Beginn der Verlängerung hatten wir dann zwei Mal Glück: Innerhalb von drei Minuten trafen Gilardino den Pfosten und Zambrotta die Latte! Nach einem kurzen Schock fing sich die deutsche Nationalmannschaft wieder und kam seinerseits zu Chancen, zum Beispiel durch Lukas Podolski. Es wurde eine unglaublich spannende Verlängerung, wo die Fans beider Teams abwechselnd die Luft anhalten mussten.
Marcello Lippi wollte aber einem Elfmeterschießen gegen die Deutschen wohl aus dem Weg gehen. Zu Beginn der Verlängerung brachte er bereits den offensiven Iaquinta, später noch Alessandro Del Piero. Und er sollte sein Ziel erreichen: In der 119. Minuten, kurz vorm Ende der Verlängerung, gelang Fabio Grosso nach einer Flanke von Pirlo das 1:0. Nur kurz darauf besiegelte Del Piero nach einem Konter mit dem 2:0 die Niederlage des deutschen Teams. Jens Lehmann war bei beiden Gegentreffern chancenlos.
Wenn man auch nicht sagen kann, der Sieg sei unverdient gewesen, so war es dennoch ein trauriges Ausscheiden unserer Mannschaft. Auch wenn die Italiener die hochkarätigeren Chancen hatte, so hat die deutsche Elf meiner Meinung nach über das ganze Spiel gesehen etwas mehr dafür getan, die Partie zu gewinnen.
Es tut mir Leid für diese leidenschaftlich kämpfende Truppe, die aber aufgrund ihres jungen Alters noch weitere Titel-Chancen bekommen wird. Vielleicht schon bei der Europameisterschaft in zwei Jahren. Danken muss man ihr – und natürlich auch den tollen Fans – für diese wunderbare Stimmung, die während dieser WM in Deutschland entfacht wurde. Stolz wehten überall die deutschen Fahnen und freundlich und offen begegnete man den Gästen aus aller Welt. Wenn ein Teil dieser positiven Grundstimmung nach der Weltmeisterschaft beibehalten werden kann, ist das – Titel hin oder her – auch sehr viel Wert!
Diese Kolumne präsentiert goalkeeping.com mit freundlicher Unterstützung von
. Die original-Kolumne könnt Ihr hier nachlesen.
HOME


