Was macht eigentlich: Helmut Roleder?

Helmut Roleder absolvierte 280 Bundesligaspiele, 1 A- und 4 B-Länderspiele und wurde 1984 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister.
 

Herr Roleder, nach dem Ausstieg als Profisportler haben Sie sich beim Stuttgarter Stadtanzeiger engagiert. Wie leicht ist es ihnen gefallen, den Fußballplatz mit dem Schreibtisch zu wechseln?
Helmut Roleder: Als ich wegen schwerer Hüftarthrose meine Karriere beenden musste, wurde ich zunächst Co-Trainer, dann Koordinator, Spielbeobachter und Talentscout. Diese Übergangszeit war gut, um langsam in eine andere Berufssparte zu wechseln. Zu meiner Zeit konnte man nicht vom Ersparten leben. Deswegen war ich emotional darauf vorbereitet, dass es ein Berufsleben nach dem Profisport geben wird.

Wie sehr verfolgen Sie noch das Bundesligageschehen, bzw. wie viele Spiele des VfB Stuttgart sehen Sie noch im Jahr?

Helmut Roleder: Natürlich hängt mein Herz an der Bundesliga. Von den letzten vier Heimspielen des VfB habe ich drei besucht. Unter anderen war ich mit meiner Ehefrau Simone in die Loge von Präsident Erwin Staudt eingeladen.

Zu welchen Ihrer ehemaligen Weggefährten haben Sie heute noch Kontakt?
Helmut Roleder: Mit Karl Allgöwer trainiere ich Jugendliche in einem Feriencamp der Fußballschule Nr. 10. Die anderen Mitspieler trifft man mal bei Heimspielen des VfB oder bei Einladungen, z. B. einem Empfang bei Ministerpräsident Oettinger, der sich im WM-Jahr verstärkt mit dem Thema Fußball identifizierte.

Sie haben 1 A-Länderspiel absolviert. Woran lag es, dass nicht weitere gefolgt sind?
Helmut Roleder: Ich war bei der Europameisterschaft 1984 im Kader. Nach dem frühen Ausscheiden musste Jupp Derwall gehen und die Karten wurden neu gemischt. Außerdem habe ich immer zu wenig Eigenwerbung betrieben oder gar einen Platz im Nationalteam öffentlich gefordert. Vielleicht war ich einfach zu bescheiden. Auf's ganze Leben bezogen ist dieser Charakterzug aber nicht schlecht.

Sie haben vor etwa 10 Jahren eine künstliche Hüfte bekommen. Sieht man Sie dennoch irgendwo ab und zu im Tor?
Helmut Roleder: Nein. Das wäre zu gefährlich. Radfahren und Schwimmen steht auf meinem, leider oft vernachlässigten, Trainingsprogramm.

Was würden Sie rückblickend sagen: trotz der körperliche Spuren, die die vielen Profijahre bei Ihnen hinterlassen haben, war es das wert?
Helmut Roleder: Die Zeit als Fußballprofi ist so außergewöhnlich, dass man gerne einige Nachwehen in Kauf nimmt.  Wenn ich damals in der Jugend nicht alles gegeben hätte, um den Sprung zu schaffen, müsste ich mich heute fragen, warum ich mein Talent vergeudet habe. Der Druck in der Bundesliga ist enorm. Diese Herausforderung zu bestehen, oder gar Meister zu werden, das ist einfach gigantisch.    

Geben Sie jungen Profitorhütern drei Tipps…
Helmut Roleder: Gesunden Ehrgeiz entwickeln, nicht abheben, wenn man die ersten Erfolge sieht, und niemals aufgeben. Oder, wie einst der Freiheitskämpfer Che Guevara sagte: Seien wir realistisch – versuchen wir das Unmögliche. Mit einer positiven Lebenseinstellung kann man sehr viel erreichen.

Wie verbringen Sie heute Ihren Arbeitstag?
Helmut Roleder: Ich habe vor wenigen Monaten die Firma Helmut Roleder Business gegründet. Meine Tätigkeiten als Businesstrainer, Referent, Journalist und Firmenberater sind sehr vielschichtig. Das heißt, ich muss sehr viel am Schreibtisch arbeiten und kommunizieren, habe aber auch viele Firmentermine. Aufgrund meines Bekanntheitsgrades sind wir auch oft zu Veranstaltungen eingeladen. Das ganze Leben ist also irgendwie auch mit den geschäftlichen Herausforderungen als Unternehmer verbunden. Das heißt, meine Frau und ich sind eigentlich immer auch in Sachen Business unterwegs    

Was sind die wesentlichen Erfahrungen bzw. Impulse, die Sie aus dem Leistungssport ins Berufsleben übertragen konnten?
Helmut Roleder: Das ist so vielschichtig, dass ich darüber Vorträge halte. Ich finde, die Erfolgsfaktoren sind im Leben immer gleich. Begeisterung, Disziplin, Ausdauer sind wichtige Punkte, aber wie im Fußball sind auch im Beruf Begriffe wie Technik, Taktik, Mannschaftsaufstellung, körperlicher Zustand oder Teamführung relevant.      

Sicherlich verfolgten Sie auch die Torwart-Diskussion vor der WM 2006. Was ist Ihre persönliche Meinung: Soll sich ein Trainer vorab auf einen Torwart festlegen  oder je nach aktueller Leistung entscheiden?
Helmut Roleder: Ich hätte Kahn im Vorfeld der WM nicht in Frage gestellt, sondern als Nummer 1 bestätigt. Aber Lehmann hat einen guten Job gemacht. Grundsätzlich ist es wichtig, dass der Stammtorhüter seinen Platz sicher hat. Auf diesem Posten ist Rotation nicht sinnvoll.

Welcher Torhüter ist für Sie im Moment der beste Torhüter Deutschlands?
Bei wem sehen Sie das größte Potenzial für die kommenden Jahre?

Helmut Roleder: Timo Hildebrand, Roman Weidenfeller und Robert Enke sind prädestiniert, in Lehmanns Fußstapfen zu treten. Der VfB-Keeper hat den Vorteil, dass er den Stallgeruch der Nationalmannschaft kennt. Aber auch Raphael Schäfer und Tim Wiese reihen sich in die Liste der guten Torhüter ein, die Deutschland schon immer zu bieten hatte.


Heute ist Helmut Roleder selbstständig. Mit seiner Firma „Helmut Roleder Business“, berät er  Firmen, hält Vorträge, führt Coachings durch und produziert Business/Lifestyle-Magazine. (www.helmut-roleder-business.de) Interessant ist auch der wöchentliche Sportkommentar - einfach immer mal wieder reinklicken.