Interview mit Erol Sabanov

von Artur Stopper (12/2009); Fotos: goalkeeping.com / eibner-pressefoto

16 Jahre Profierfahrung hat Erol Sabanov vom Drittligaaufsteiger 1.FC Heidenheim bereits hinter sich. Der gebürtige Aalener spielte zunächst bis 2002 als Stammtorwart für den VfR Aalen, ehe er zum 1. FC Saarbrücken wechselte. Mit diesem Verein schaffte er 2003 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Nach Unruhen in der Saarbrücker Mannschaft wechselte er zu Jahn Regensburg, für die er von 2004 bis 2006 spielte und wo er schnell zum Publikumsliebling wurde. Nach deren Abstieg schloss er sich ein Jahr lang dem SSV Reutlingen an, bevor er zur Saison 2007/08 zum 1.FC Heidenheim wechselte. Hier wurde er schnell zum Führungsspieler und bekleidet das Amt des Mannschaftskapitäns.
Goalkeeping.com sprach mit ihm über seine momentane Verletzung, die Entwicklung in Heidenheim sowie seine Gedanken an die Zukunft.

Erol, die wichtigste Frage ist zunächst einmal die Frage nach Deiner Gesundheit. Wie geht es Dir nach Deinem Daumenbruch im Moment?
Sabanov: Ich bin auf dem Weg der Besserung. Ich wurde vor 3 Wochen operiert. Dabei ist der Knochen mit zwei Schrauben fixiert worden. Ich habe bereits wieder mit Lauftraining begonnen und hoffe, dass ich zur Rückrunde in alter Form wieder ins Tor zurückkehren kann.

Da ich Dich auch einmal für kurze Zeit trainiert habe, weiß ich, dass Du richtig auf die Zähne beißen kannst. Aber mich überrascht schon, wie Du trotz eines Daumenbruchs das Spiel gegen Ingolstadt zu Ende bringen konntest…
Sabanov: Schon beim Aufwärmen hatte ich einen Schmerz verspürt, nachdem ich einen Ball auf die Fingerkuppe bekommen hatte. Ich bemerkte, dass irgendetwas nicht mehr in Ordnung war. Danach versuchten wir, den Finger zu tapen. Ich wollte unbedingt spielen und der Mannschaft helfen. Während des Spieles hatte ich über die 90 Minuten wohl aufgrund des Adrenalinausstoßes keine Schmerzen. Allerdings schwoll der Finger eine Stunde nach dem Spiel ganz dick an, und bei der anschließenden Untersuchung wurde festgestellt, dass der Finger gebrochen war.

Da sich auch euer zweiter Torhüter, Denis Baum, einen Handbruch zugezogen hat, musste der junge Jens Bodemer erstmals das Tor hüten. Das ist sicherlich keine einfache Situation für einen so jungen und unerfahrenen Torhüter …

Sabanov: Das ist sicherlich richtig. Aber er ist dazu da zu helfen, wenn Not am Mann ist. Jeder Torhüter muss einmal klein anfangen. Mir ging es in jungen Jahren auch so, dass ich eines Tages ins kalte Wasser geschmissen wurde und mich behaupten musste. Letztendlich hat er die Unterstützung von uns Torhütern und vom Trainerteam. Wir bauen ihn dementsprechend auf, weil wir ja auch erfolgreich spielen wollen und der Erfolg für den Verein wichtig ist.

Ihr steht als Aufsteiger momentan auf dem 13. Tabellenplatz. Bist Du  mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Sabanov: Ja, bisher liegen wir im normalen Bereich. Mit der bisherigen Punkteausbeute sind wir zufrieden. Mir müssen in den nächsten Spielen weiter am Ball bleiben, denn ich denke, wenn wir 25 oder 26 Punkte in diesem Jahr einfahren könnten, haben wir eine gute Grundlage für die Rückrunde.

Der FC Heidenheim hat die letzten Jahre eine großartige Entwicklung genommen. Nachdem der Verein 2008 in die Regionalliga Süd aufgestiegen war, gelang Euch 2009 der Aufstieg in die Dritte Liga. Was macht den FC Heidenheim so erfolgreich?
Sabanov: Das hängt natürlich mit vielen Faktoren zusammen. Aber der wichtigste Faktor ist, dass wir eine mannschaftliche Geschlossenheit haben und es auch innerhalb des Vereines sehr homogen zugeht. Wir wissen genau, wo unser Weg hinführen soll, und diese Ziele verfolgen wir akkurat. Auch kann man in Heidenheim ruhig arbeiten, was ebenfalls sehr wichtig für uns ist.

Kann sich eine zu schnelle Entwicklung auch ungünstig auswirken?
Sabanov: Ich denke nicht, denn wir haben in unseren Reihen sehr erfahrene Leute, auch im Trainerteam. Daher wissen wir genau, wie man die Erfolge einschätzen muss. Natürlich ist es auch für die Region wichtig, dass hier Bundesligafußball gezeigt wird. Das sieht man an unseren Zuschauerzahlen, wir haben im Schnitt 5000 Zuschauer.

Du bist Mannschaftskapitän und Führungsspieler Deines Teams. Wie viel Einfluss hat ein Kapitän auf eine Mannschaft?
Sabanov: In erster Linie ist man als Kapitän dazu da, ein Bindeglied zwischen dem Trainer, der Mannschaft und dem Verein zu sein. Als Kapitän versuche ich immer wieder, meine Erfahrung in die Mannschaft und außerhalb des Spielfeldes einzubringen, mit Manager und Geschäftsführer die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen, was mich und die Mannschaft betrifft. Ich denke, dass wir in unserer Mannschaft sehr gut aufgestellt sind, deshalb lässt es sich als Kapitän in Heidenheim sehr gut arbeiten.

Du bist mit 1,83 m kein Riese unter den Torhütern. Wie oft musstest Du Dich schon mit dem Vorwurf auseinander setzen, dass Du zu klein bist für den Spitzenfußball?
Sabanov: Diesen Vorwurf habe ich schon sehr oft hören müssen. Aber zum Glück gibt es die Zeiten nicht mehr, wo man sich ausschließlich an der Größe ausgerichtet hat und ein Torhüter annähernd zwei Meter groß sein musste. Heute ist ein mitspielender Torhüter gefragt, der Übersicht zeigt, der das Spiel schnell macht durch gute Abwürfe und lange, zielsichere Abschläge. In meinen Anfängen mit 19 Jahren hatte ich einen Trainer in Greuther Fürth, der meinte, dass ich ein sehr, sehr guter Torhüter sei, aber leider zu klein. Letztendlich habe ich aber meinen Weg trotzdem gemacht, und ich denke, dass die Größe heute keine Rolle mehr spielt, sondern die Klasse des Torhüters entscheidend ist.

Du bist jetzt 35 Jahre alt. Was ist Dein Erfolgsgeheimnis im fortgeschrittenen Fußballeralter?
Sabanov: Ich wurde ja schon mit 19 Jahren Profi und habe diese Rolle immer gelebt. Sehr viel Wert lege ich auf gesunde Ernährung und Umgang mit anderen Menschen. Meine Familie gibt mir dabei sehr viel Halt und unterstützt mich bei meinem Beruf. Das ist wichtig, weil das Fußballgeschäft sehr schnelllebig ist und man nach einem Hoch genauso schnell tief fallen kann. Ich glaube, dass ich hier die Balance recht gut geschafft habe. Natürlich hoffe ich auch, dass ich von Verletzungen verschont bleibe und noch viele Jahre spielen kann.

Welche schmerzhaften und welche positiven Erfahrungen nimmst Du nach über 15 Jahren im Profifußball mit?
Sabanov: Ein Abstieg ist natürlich immer das Schmerzhafteste für einen Profifußballer. Das musste ich bei Jahn Regensburg erleben, als wir aus der Regionalliga abgestiegen sind. Ich habe damals nach diesem Tiefpunkt den Verein verlassen. Positiv ist sicherlich, dass ich einige Aufstiege in meiner Karriere erlebt habe. So hatte ich die Möglichkeit, nach unserem Aufstieg mit dem 1.FC Saarbrücken in der Zweiten Bundesliga zu spielen. Weitere Aufstiege erlebte ich unter anderem mit meinem jetzigen Verein in die Dritte Liga. Auch gewann ich mehrmals mit unterschiedlichen Vereinen Pokalwettbewerbe. Diese Erfolge  haben mich geprägt und nach oben gebracht.

Wie viele Jahre möchtest Du noch Dein Geld mit Fußball verdienen?
Sabanov: Ich bin jetzt 35 Jahre alt und habe noch 1 ½ Jahre Vertrag beim FC Heidenheim. Der Verein möchte unbedingt, dass ich noch weitermache, aber letztendlich schaue ich jetzt schon danach, dass ich meine Weichen stelle für meine weitere berufliche Zukunft. Ich mache gerade meine Ausbildung zum Sportmanager im Fernstudium und denke, dass ich mich in diese Richtung langfristig bewegen werde. Ich habe also vor, zukünftig  weg vom Platz eher hinter den Kulissen zu arbeiten. In dieser Richtung laufen auch im Moment Gespräche ab. Letztendlich möchte ich aber noch spielen, solange es geht, möchte aber auch rechtzeitig den Absprung schaffen.

Goalkeeping.com wünscht Dir dabei viel Erfolg und vor allem Gesundheit!