Wissenswertes und Statistiken zur EM
Die Entwicklung des Spiels
Defensive war das „A“ und „O“
Bei den ersten Europameisterschaften in den 1960ern musste die alte 2-3-5-Formation - mit zwei Außenverteidigern, zwei hängenden Flügelspielern, einem zentralen Mann, zwei Flügelspielern, zwei Halbstürmern und einem Mittelstürmer - einer moderneren Taktik mit einer etwas defensiver ausgerichteten Spielweise weichen. Das große Ziel war nicht mehr viele Tore zu schießen, sondern keine zu bekommen. Im Lauf der Zeit entwickelten sich neue Systeme wie das 4-3-3 (oftmals ohne einen Flügelspieler), das 4-4-2 oder das 4-2-4.
Neue Spielertypen
Dazu kristallisierten sich auch besondere Positionen heraus. Italien, der Europameister von 1968, konnte nicht nur auf eine starke Abwehr und seine torgefährlichen Angreifer bauen, sondern auch auf Außenverteidiger Giacinto Facchetti. Offensive Verteidiger ist hierzu das Stichwort. Der Verteidiger schaltete sich immer wieder ins Offensivspiel ein und definierte seine Position damit völlig neu. Herausragende Spielmacher wie der brillante Günter Netzer, der die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1972 zum Titel führte und andere wurden ab und an zum entscheidenden Faktor. Wenn der Spielmacher zudem noch torgefährlich war, sowohl aus dem Spiel heraus als auch bei Standardsituationen, dann hatte man gute Chancen - wie im Jahr 1984, als der Franzose Michel Platini auf heimischem Boden mit neun Treffern aus fünf Spielen Torschützenkönig des Turniers wurde.
Libero
In den 1970ern wurde der Libero geboren. Diese flexible Position konnte man entweder rein defensiv auslegen, als letzter Mann hinter der Abwehr, oder man konnte sich immer wieder ins Spiel nach vorne einschalten. Franz Beckenbauer, Kapitän der Bundesrepublik Deutschland bei der EM 1972, war wohl Mitbegründer dieser Position. Er nutzte seine technischen Fähigkeiten und seine Übersicht, um aus der eigenen Hälfte heraus die Angriffe seiner Mannschaft zu starten.
"Staubsauger"
Bei der Euro 96 in England ging der Trend hin zu starken, schier unüberwindlichen Defensivblocks. Die Mannschaft Italiens trieb diese Art des Fußballs bis auf die Spitze. Das Mittelfeld wurde bei den neuen 3-5-2-Formationen verstärkt, dafür wurden die Flügelspieler abgeschafft. Um die massiven Abwehr-Bollwerke auszuspielen setzte man auf Konter mit schnellen und technisch herausragenden Angreifern. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der die Bezeichnung "Staubsauger" bekam, sollte diese schnellen Konter unterbinden. Der Torwart musste nach der Einführung der Rückpassregel seine fußballerischen Fähigkeiten zu dem verbessern.
Rauten-Formation
2000 in den Niederlanden und Belgien drehte sich alles um die Rauten-Formation im Mittelfeld - mit einem defensiven Mittelfeldspieler, zwei "normalen" Mittelfeldspielern und einem offensiven Mittelfeldspieler zur Unterstützung der Stürmer. Die Équipe tricolore, Frankreichs Nationalmannschaft, war Verfechter dieser Taktik. Das Team setzte vermehrt auf einen einzigen Stoßstürmer. Zwei defensive Mittelfeldspieler sollten gefährliche Situationen zusammen mit der Abwehr bereinigen. Außerdem mussten die Akteure immer mehr zu kompletten Fußballern werden - taktisch geschult, vielseitig, anpassungsfähig, flexibel und schnell denkend - und körperlich topfit sein.
Triumph des Underdog Griechenland
Das Spiel wurde immer schneller, und so war bei der Endrunde 2004 eine Mischung aus Technik und Schnelligkeit gefragt. Es wurden die kollektiven, massiven Abwehrblocks eingeführt, die dem Gegner kaum ein Durchkommen ermöglichten. Gleichzeitig versuchte man es selbst mit schnellen Gegenstößen. In Portugal waren vor allem auch Standardsituationen sehr wichtig. Höchste taktische Disziplin, Organisation und Teamgeist haben es Griechenland ermöglicht, überraschend den EM-Titel zu holen.
Langzeittabelle
Turniere verlaufen ab und an nach anderen Gesetzen als in den europäischen Ligen. Vor allem der Faktor der Tagesform spielt eine viel gravierendere Rolle. Was wäre nun, wenn alle Europameisterschaften, die bereits ausgetragen wurden, zu einer einzigen Runde gehören würden? Welche Mannschaft war im Durchschnitt Top und welche Flop? Die Langzeittabelle zeigt es euch:
Rang | Nation | Teilnahmen | Spiele | Tore | Punkte | ||||
1. |
| Deutschland | 9 | 32 | 45:32 | 55 | |||
2. |
| Niederlande | 7 | 28 | 45:28 | 50 | |||
3. |
| Frankreich | 6 | 25 | 45:28 | 48 | |||
4. |
| Italien | 6 | 23 | 24:14 | 40 | |||
5. |
| Tschechien | 6 | 21 | 32:26 | 35 | |||
6. |
| Portugal | 4 | 19 | 27:16 | 34 | |||
7. |
| Spanien | 7 | 24 | 26:28 | 32 | |||
8. |
| Russland | 8 | 22 | 24:28 | 29 | |||
9. |
| England | 7 | 23 | 31:28 | 28 | |||
10. |
| Dänemark | 7 | 24 | 26:38 | 24 | |||
11. |
| Schweden | 3 | 11 | 16:12 | 14 | |||
12. |
| Griechenland | 2 | 9 | 8:8 | 14 | |||
13. |
| Belgien | 4 | 12 | 13:20 | 14 | |||
14. |
| Jugoslawien | 5 | 14 | 22:39 | 11 | |||
15. |
| Kroatien | 2 | 7 | 9:11 | 8 | |||
16. |
| Schottland | 2 | 6 | 4:5 | 7 | |||
17. |
| Rumänien | 3 | 10 | 7:14 | 5 | |||
18. |
| Irland | 1 | 3 | 2:2 | 4 | |||
19. |
| Norwegen | 1 | 3 | 1:1 | 4 | |||
20. |
| Türkei | 2 | 7 | 3:9 | 4 | |||
21. |
| Bulgarien | 2 | 6 | 4:13 | 4 | |||
22. |
| Ungarn | 2 | 4 | 5:6 | 3 | |||
23. |
| Slowenien | 1 | 3 | 4:5 | 2 | |||
24. |
| Schweiz | 2 | 6 | 2:10 | 2 | |||
25. |
| Lettland | 1 | 3 | 1:5 | 1 | |||
Stand Mai 2008 | |||||||||
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