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Interview mit Darius Kampa (SpVgg Unterhaching)
von Artur Stopper (11/2007)
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Eibner Pressefoto
Vor ca. 10 Jahren galt Darius Kampa als eines der hoffnungsvollsten Torwarttalente in Deutschland. Mit 21 Jahren kam der ehemalige U-21-Nationaltorwart vom Regionalligisten FC Augsburg zum 1.FC Nürnberg, wo er 6 Jahre spielte. Nach 2 Jahren bei Borussia Mönchengladbach wechselte er ins Ausland. Seit dieser Saison spielt er bei der SpVgg Unterhaching. Goalkeeping.com sprach mit Darius über seine sportliche Vergangenheit und seine Erfahrungen im Ausland.
Darius, du warst die letzten beiden Jahre im Ausland tätig. Wie fühlst du dich wieder zurück in Deutschland?
Kampa: Ich bin natürlich zufrieden, dass ich wieder die Möglichkeit gehabt habe,
in Deutschland zu spielen. Für mich war es vor allem auch aus privaten Gründen wichtig, wieder in die Heimat zurückzukommen. Ich bin in Augsburg aufgewachsen, und das ist ja von München nicht weit entfernt. Daher hat sich die Sache mit Unterhaching auch unter sportlichen und privaten Gesichtspunkten angeboten. Ich bin also mit der Wahl Unterhaching rundum zufrieden.
Du warst die letzten beiden Jahre in Ungarn und Österreich tätig. Welche Unterschiede siehst du zwischen der ersten Liga in diesen beiden Ländern und der Bundesliga?
Kampa: In Ungarn wird meiner Meinung nach ein technisch sehr guter Fußball gespielt. Was aus meiner Sicht, fehlt ist die taktische Ordnung bzw. die taktische Ausbildung der Spieler und das Kämpferische, was in der Bundesliga neben dem Fußballerischen den gleichen Stellenwert besitzt. Auch in Österreich wird meiner Meinung nach ein guter Fußball gespielt. Das Problem ist, dass man sowohl in der Nationalmannschaft als auch in internationalen Wettbewerben ein bisschen das Selbstvertrauen vermissen lässt. Unabhängig davon glaube ich aber, dass beide Ligen auf einem hohen Niveau spielen. Natürlich muss man sagen, dass das Niveau in Deutschland einen Tick höher ist und vor allem auch die Mannschaften in der Breite stärker sind. So ist es in der Bundesliga z.B. möglich, dass der Tabellenletzte gegen den Tabellenführer gewinnt. In Ungarn ist das ein bisschen schwerer.
Musstest du in diesen Ländern dein Torwartspiel umstellen oder herrschen dort ähnliche Spielsysteme vor wie in Deutschland?
Kampa: Man muss sich vielleicht hier und da ein bisschen umstellen, aber das Torwartspiel sieht meiner Meinung nach überall auf der Welt ziemlich gleich aus. Heutzutage spielen die Mannschaften weltweit zumeist mit Vierer- oder Dreier-abwehrkette, d.h. ohne Libero auf einer Linie. Daher ist es letztlich egal, ob ich in Ungarn, Österreich oder Deutschland spiele. Man muss halt schauen, dass man die langen Bälle abläuft, also man muss das moderne Torwartspiel praktizieren.
Warum wechseltest du zur Saison 2006/07 gerade zum ungarischen Erstligisten Zaleagerszegi TE?
Kampa: Es war so, dass viele Aspekte dafür gesprochen haben. Es wurde eine Mannschaft aufgebaut mit vielen Nationalspielern, der Präsident wollte Erster werden und damit die Champions-League-Qualifikation erreichen. Die sportliche Perspektive war eigentlich gegeben. Darüber hinaus hatte der Verein auch sehr viele Zuschauer und ein sehr schönes Stadion. Und so war es das Ziel, mit einer starken Mannschaft ungarischer Meister zu werden und anschließend die Möglichkeit zu haben, sich für die Champions-League zu qualifizieren.
Trainiert man eigentlich in Ungarn unter ähnlichen Bedingungen wie in Deutschland oder gibt es da Unterschiede?
Kampa: Es gibt einige Sachen, die dort ein bisschen anders laufen. Die Infrastruktur ist natürlich nicht ganz so gut ausgebildet wie in Deutschland. Aber die Trainings-intensität und Trainingshäufigkeit ist sowohl in Ungarn als auch Österreich durchaus mit Deutschland vergleichbar.
Du hast Zaleagerszegi TT bereits nach einem Jahr wieder verlassen. Warum?
Kampa: Ich hatte das Angebot von Sturm Graz, die mich unbedingt haben wollten. Wir standen mit Zaleagerszegi TE auf dem zweiten Tabellenplatz und hatten sechs Punkte Rückstand auf MTK Budapest. Zu diesem Zeitpunkt bekam ich die Anfrage aus Graz. Ich führte daraufhin mit dem Präsidenten ein Gespräch. Da er erkannte, dass das angestrebte Ziel der Meisterschaft kaum noch möglich war, erteilte er mir die Freigabe gegen eine geringe Ablösesumme, und so kam ich dann nach Österreich.
Im letzten Jahr warst du bei Sturm Graz unter Vertrag. Dieser österreichische Traditionsverein war aber leider von der Insolvenz betroffen. Was bedeutet das für einen Fußballprofi?
Kampa: In diesem Verein gab es einige Probleme, auf die ich aber jetzt im Einzelnen nicht näher eingehen möchte. Ich bin auch der Meinung, dass das inzwischen mehr oder weniger erledigt ist und glaube auch, dass nun gute Leute in Graz an der Vereinsspitze stehen und Sturm Graz wieder aus dieser finanziellen Misere herausführen werden.
Sechs Jahre deiner Karriere hast du beim 1.FC Nürnberg verbracht. Trotz deiner starken Leistungen in der Saison 2002/03 konntest du den Abstieg des Clubs nicht verhindern. War das trotzdem für dich deine sportlich erfolgreichste Zeit?
Kampa: Ich denke schon, dass ich in Nürnberg einige Jahre sehr erfolgreich gewesen bin. Auch zu meiner Regionalligazeit in Augsburg hatte ich einige tolle Jahre, die man nicht vergessen darf. Selbst in Mönchengladbach gab es das ein oder andere Spiel, welches herausragend war. Wir hatten damals vor ausverkauftem Haus mehrfach gegen große Mannschaften gewonnen. Das waren schon tolle Erlebnisse, wenn man gegen Bremen, Bayern oder andere starke Mannschaften gewinnt.
Einige Zeit warst du auch die Nummer zwei hinter Andy Köpcke. Was konntest du dir von diesem ehemaligen Weltklassetorwart abschauen für deine Karriere?
Kampa: Der Andy kam damals gerade von Olympique Marseille und ich habe 2 ½ Jahre mit ihm zusammenarbeiten dürfen. Das hat mich natürlich schon in meiner Entwicklung positiv beeinflusst, weil man sehr viele Dinge abschauen kann. Aber was noch viel wichtiger ist, man kann sehr viele Dinge erfahren. Wir hatten eigentlich ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis. Man konnte mit ihm immer über verschiedene Situationen sprechen, wie er das sieht. Er hatte sehr viel Erfahrung, und davon konnte man als junger Torhüter sehr profitieren.
Als ehemaligem U-21-Nationalspieler wurde dir einmal eine große Zukunft vorausgesagt. Was waren nach deiner Meinung die Gründe, dass du dich nicht ganz oben halten konntest?
Kampa: Das ist insgesamt nicht so einfach. Es gibt vieles, was man beeinflussen kann, aber es gibt auch Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Ich bin aber nicht einer, der zurückschaut und traurig ist, im Gegenteil, ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, das ist das Wichtigste. Auch mit dem Verlauf meiner Karriere bin ich zufrieden, ich habe vieles gesehen und lebe meinen Traum. Ich mache das, was ich immer machen wollte, nämlich Fußball spielen. Auch bin ich froh, dass ich bisher ohne schwere Verletzungen durch meine Karriere gekommen bin und es auch meiner Familie und Frau gutgeht. Ich freue mich jedenfalls, dass ich weiterhin meinen Sport ausüben kann, das ist das Wichtigste.
Der Anfang deiner Karriere und der Wohnort deiner Eltern ist Augsburg. Der FC Augsburg ist inzwischen auf einem guten Weg. War das kein Thema mehr für dich, zum FC Augsburg zurückzukehren?
Kampa: Das Thema gab es in dieser Hinsicht nicht. Ich glaube auch, dass Augsburg keinen Torwart gesucht hat, zumindest wüsste ich es nicht. Man muss ja immer schauen, was es für Möglichkeiten gibt, in welchen Vereinen Bedarf besteht, und dementsprechend versucht der Spielerberater, einen dort zu platzieren. Aber Augsburg war nie ein Thema.
Du bist jetzt 30 Jahre alt und möglicherweise im besten Torwartalter. Siehst du das auch so?
Kampa: Man merkt schon ab und zu das ein oder andere Wehwehchen, aber das ist nicht das Thema, ich fühle mich insgesamt sehr sehr wohl. Ich möchte den Beruf natürlich noch möglichst lange ausüben, da ich diesen Beruf aus Überzeugung mache. Ich habe jeden Tag noch viel Spaß beim Training, und das ist das Wichtigste, dass man es gerne macht. Solange die körperlichen Voraussetzungen noch gegeben sind und allgemeines Wohlbefinden vorhanden ist, möchte ich diesen Beruf noch ausüben.
Welche Ziele hast du dir für deine weitere Karriere noch gesetzt?
Kampa: Ich habe noch Ziele, die ich aber nicht herausposaune. Ich war immer der Arbeiter und werde auch weiterhin an mir arbeiten. Das Schöne im Fußball ist, dass man sich jeden Tag verbessern kann. Daher arbeite ich weiter hart an mir, um die Ziele, die ich mir gesteckt habe, zu verwirklichen.
Wird die SpVgg Unterhaching nach deiner Meinung den Aufstieg in die Zweite Bundesliga wieder schaffen?
Kampa: Man sollte nicht zu sehr von diesem Ziel reden. Wir haben insgesamt eine turbulente Zeit hinter uns mit dem Trainerwechsel und anderen Dingen, die hinzukommen. Wir müssen versuchen, dass wir uns stabilisieren, die Ideen des Trainers auf dem Platz umsetzen und so anfangen, erfolgreich Fußball zu spielen. Alles andere wäre meiner Meinung nach vermessen. Wir sollten keine langfristigen Ziele haben, sondern kurzfristig das Ziel, uns als Mannschaft weiter zu entwickeln, um besseren und erfolgreicheren Fußball zu spielen. Alles andere kommt von alleine. Es wäre in dieser Situation totaler Quatsch, von Aufstieg zu reden.
Darius, wir bedanken uns recht herzlich bei dir, dass du dich für das Interview zur Verfügung gestellt hast, und wünschen dir viel Erfolg.
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