Kurzinterview mit dem Profi-Torwart Christian Fiedler

Christian Fiedler ist seit 1990 Vereinsmitglied bei Hertha BSC Berlin. Man kann ihn in der Tat als "treue Seele" unter den Profis bezeichnen. Christian Fiedler ist eher ein Leisetreter im Haifischbecken Profifussball. Lange Jahre hinter dem damaligen ungarischen Nationaltorwart Gabor Kiraly "nur" die Nummer 2 bei Hertha, hat er trotzdem stets ruhig und souverän seine Rolle als Ersatzmann angenommen.

Unter Hans Meyer, als die Hertha ganz tief im Abstiegsstrudel steckte, wurde er zum großen Rückhalt einer ansonsten völlig verunsichterten Berliner Mannschaft.

Auch im spontanen Kurzinterview mit goalkeeping.com bestätigt sich das Bild von Christian Fiedler: sympatisch, souverän - aber vor allem: keine großen Töne.

Wie wurdest du eigentlich Torhüter?    
Christian Fiedler: Mit 5 Jahren. Keiner hatte Lust sich ins Tor zu stellen. Mein Vater war auch Keeper, dann hat es halt mich erwischt.

Hattest du in jungen Jahren eine Torhüterausbildung oder bist du Autodidakt?
Christian Fiedler:
Nein früher gab es gar nichts. Professionelles Torwartraining hatte ich erst bei Hertha BSC.

Welche Junioren-Mannschaften des DFB hast du durchschritten?
Christian Fiedler:
Zum ersten Mal bin ich in die U16 berufen worden. Danach  gings dann weiter bis zur U21.

Nach 3 Jahren als Stammtorwart bei Hertha schon in jungen Jahren
hast du viele Jahre überwiegend auf der Bank verbracht. Was hast du aus dieser Rolle für dich gelernt? 

Christian Fiedler: Sehr viel. Es war sehr wichtig für meine persönliche Entwicklung.


Du bist seit dem 15. Lebensjahr bei Hertha BSC und hast den Verein nie gewechselt. Eine Redensart sagt, dass der Prophet im eigenen Land nichts zähle. Kann die Treue zum Verein ein Grund gewesen ein, dass du lange Jahre auf der Bank verbracht hast?
Christian Fiedler: Vielleicht... (mit einem Lächeln auf den Lippen)

Welchen Anteil hat Krafttraining in deinem Trainingsalltag?
Christian Fiedler: Ich versuche jeden Tag Kräftigungsübungen zu machen, das ist alles. Intensives Krafttraining im Studio gehört nicht dazu.

Wie wichtig ist für dich die psychische Stärke eines Torhüters, um erfolgreich zu sein?
Christian Fiedler: Ganz klar: ist der Kopf frei, ist der Rest einfacher...

Welche Methoden hast du für dich entwickelt, mit Fehlern umzugehen, die anschließend in den Medien breitgetreten werden?
Christian Fiedler: Bei meiner " Körpergrösse" wird fast alles diskutiert (leichtes Grinsen) - aber zum Glück gibt es Statistiken. Die belegen eindeutig, daß ich sehr wenige Fehler mache.

Die Hertha-Fans haben dich in dieser Saison zum besten Spieler deiner Mannschaft gewählt. Wie wichtig ist dir eine solche Auszeichnung?
Christian Fiedler: Natürlich macht mich das stolz. Es bestätigt aber auch meine Leistung.

Immer wieder hört man die Meinung, ein Torhüter sei mit 1,80 m zu klein. Was hältst  du von dieser Aussage?
Christian Fiedler: Ich habe in keinem Regelwerk von DFB und DFL gelesen, dass ein Torwart über 1,80 sein muss...

Mit 31 Jahren befindest du dich wahrscheinlich bereits im letzten
Teil deiner Karriere. Was waren deine schönsten Momente in deiner langen Profikarriere?

Christian Fiedler: Darüber denke ich heute noch nicht nach - ich geniesse jeden Spieltag auf's Neue.

Welche  Momente würdest du gerne missen?
Christian Fiedler: Dazu fällt mir im Moment nichts ein...

Welche Pläne hast du für die Zeit nach deiner Karriere?
Christian Fiedler: Mein Trainer Enver Maric ist der Meinung, ich würde ein guter Torwarttrainer werden... und ich kann mir das auch sehr gut vorstellen.

Welche Tipps hast du für junge Torhüter?
Christian Fiedler: Ganz klar: von nix kommt nix.

 

Interview vom August 2006