Begriffsdefinitionen
Autor: Christoph Anrich
Der PI-Effekt
Mit dem Begriff „PI – Effekt“ wird ein Beweglichkeitstraining verbunden, bei dem der Dehnvorgang fortschreitend (Progressiv) gesteigert wird. Wenn der Widerstand („Dehnreiz“) deutlich spürbar ist, wird das „Dehnvorgang“ unterbrochen (Intermittiert), um die Muskulatur isometrisch anzuspannen. Anschließend kann das Beweglichkeitstraining auf neuem Niveau fortgesetzt werden (Vgl. ANRICH 20074, 21).
Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
Die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit gilt als die sportliche Schlüsselqualifikation. Auf die Ballspiele bezogen versteht man darunter das, was vereinfacht als „Ballgefühl“ bezeichnet wird.
Der Bewegungsimpuls wird so fein abgestimmt, dass der Ball hart oder weich, kurz oder lang gespielt werden kann.
Gleichgewichtsfähigkeit
Die Gleichgewichtsfähigkeit ermöglicht es, den Körper entweder in Ruhe (statisches Gleichgewicht) oder während eines Bewegungsablaufs (dynamisches Gleichgewicht) soweit zu kontrollieren, dass eine stabile Körperposition hergestellt bzw. aufrecht erhalten werden kann.
Bei einer Torwart- oder Angriffsaktion beispielsweise muss ein Spieler sowohl in der Flugphase als auch bei der Landung die Kontrolle über seinen Körper haben. Eine gute Gleichgewichtsfähigkeit schützt zudem vor Verletzungen, denn instabile Aktionen führen im Fußball häufig zu Gelenkschädigungen.
Reaktionsfähigkeit
Reaktion ist die Fähigkeit, motorische Aktionen auf ein Signal hin möglichst schnell auszuführen, wobei der Auslöser ein optisches, akustisches oder taktiles Signal sein kann. Die auf den Reiz folgenden motorischen Aktionen werden unterschieden nach Einfachreaktionen und Auswahlreaktionen. Bei Einfachreaktionen folgt auf ein Zeichen hin eine bestimmte motorische Aktion, wie beispielsweise bei Startübungen. Dagegen muss in Spielsituationen häufig sehr schnell eine Entscheidung für eine von mehreren möglichen Aktionen getroffen werden.
Eine Verbesserung der Reaktionsfähigkeit wird vorwiegend durch Weiterentwicklung der angeborenen Reaktionsfähigkeit und Optimierung der Bewegungstechnik erreicht. Für einen Abwehrspieler bleibt nur wenig Zeit, um auf einen heranfliegenden Ball oder Pass zu reagieren.
Da im Fußball mit der Reaktionsfähigkeit fast immer eine Aktion zum Ball verbunden ist, wird sie zumeist in Kombination mit anderen koordinativen Fähigkeiten geschult, z.B. Umstellungsfähigkeit und räumliche Orientierungsfähigkeit.
Rhythmusfähigkeit
Rhythmusfähigkeit ist das Vermögen, Bewegungen in einer typisch gegliederten zeitlichen Abfolge auszuführen. Grundsätzlich verbessert sich die Qualität einer Bewegung, wenn es gelingt, den zu Grunde liegenden Rhythmus umzusetzen.
Im Fußball (Torwart) hat beispielsweise die Rhythmisierung des „Anlaufs“ vor dem Hechten entscheidenden Einfluss auf die Ausführung der Sprunghandlung.
Anlauf, Absprung und Kopfball erfolgen in einem typischen rhythmischen Muster von Orientierungsschritt – Stemmschritt – Absprung, das sich akustisch verstärken lässt.
Kopplungsfähigkeit
Bei der Kopplungsfähigkeit werden Teilkörperbewegungen oder einzelne Bewegungsphasen untereinander so abgestimmt, dass sie entweder gleichzeitig (simultan) oder nacheinander (sukzessiv) ablaufen.
In der Regel sind Bewegungsabläufe beim Fußball „gekoppelt“. Beim Herauslaufen des Torspielers (Flanke)ist es beispielsweise die Verbindung von Anlauf, Absprung und Fangen des Balls. Dabei werden Absprung und Sichern des Balles mit den Händen und die richtige Beinführung verbunden.
Antizipationsfähigkeit
Antizipationsfähigkeit ist das Vermögen, künftige Situationen zu erahnen und sich auf diese schon im Voraus einzustellen. Zurückgegriffen wird auf bereits gespeicherte Bewegungserfahrungen im zentralen Nervensystem – je größer dieser „Bewegungsschatz“, umso schneller und sicherer kann eine fremde Bewegung antizipiert werden.
So gesehen ist die Antizipationsfähigkeit nicht bloß an gute (optische, akustische, taktile, kinästhetische) Wahrnehmungsleistungen gebunden. Entscheidend ist vor allem die Fähigkeit, die aufgenommenen Informationen optimal zu interpretieren und erforderliche Entscheidungen zügig zu treffen. Neben dem vorhandenen Erfahrungsschatz ist daher das schlussfolgernde Denken entscheidend für den Ausprägungsgrad der Antizipationsfähigkeit.
In der Regel kann an der Hüftachse und Schusstechnik (Beinstellung) abgelesen werden, in welche Richtung der Angreifer den Ball schlagen wird.
Umstellungsfähigkeit
Darunter versteht man die Fähigkeit, ein bereits geplantes (antizipiertes) Bewegungsprogramm zu korrigieren.
Beim Fußball fordert der ständige Wechsel von Angriffs- und Verteidigungshandlungen immer wieder eine Neubewertung der Situation. Die Umstellungsfähigkeit ist verbunden mit hohem Zeitdruck; es bleiben oft nur Bruchteile von Sekunden, um beispielsweise einen schlecht zugespielten Ball nicht wie vorausgeplant zu passen, sondern ihn zu sichern und gegebenenfalls über den Torwart weiterzuspielen.
Räumliche Orientierungsfähigkeit
Die räumliche Orientierungsfähigkeit umschreibt die Fähigkeit, sowohl die Position des eigenen Körpers als auch die Positionen der Mit- und Gegenspieler auf dem Spielfeld schnell wahrnehmen und dementsprechend (taktisch) richtig reagieren zu können. Während der eigenen Bewegung muss der Spieler außerdem erfassen, wie das zur Verfügung stehende Spielfeld mit seinen Ausmaßen optimal genutzt werden kann.
Nur wenn ein angreifender Spieler die Lücken in der gegnerischen Abwehr schnell erkennt, können diese gezielt angespielt werden; ob ein Ball ins Aus geht, kann nur entschieden werden, wenn die eigene Position im Spielfeld richtig eingeschätzt wird.
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