Lehmann bringt uns ins Halbfinale!


Diese Mannschaft macht Deutschland weiter Freude! Nach 120 spannenden Minuten musste der Sieger durchs Elfmeterschießen ermittelt werden – und der hieß nach zwei von Jens Lehmann gehaltenen Elfmetern Deutschland. Endlich konnte auch Jens zeigen, wie wichtig er für das deutsche Team ist. Und auch in diesem Viertelfinale hat sich wieder gezeigt: Je stärker der Gegner, desto stärker die deutsche Elf!

Zu Beginn des Spiel tat sich unsere Nationalmannschaft noch schwer. Die Argentinier waren wie erwartet ein anderes Kaliber als die bisherigen Gegner. Sie gingen aggressiv in die Zweikämpfe, griffen die deutschen Spieler früh an – meist zu zweit – und beherrschten das Mittelfeld. In der Defensive standen sie sehr sicher und diszipliniert. Die Deutschen hatten sich in dieser Spielphase im Mittelfeld sehr tief zurückgezogen, die Spieler wirkten nervös und es gab den einen oder anderen Fehler. Zwingende Torchancen ergaben sich für die Argentinier daraus aber nicht, weil die deutsche Abwehr sowie die gesamte Defensivleistung des Teams wieder sehr gut war. Die größte Chance in der ersten Hälfte hatte Michael Ballack mit einem Kopfball in der 16. Minute.

Der Schiedsrichter Lubos Michel pfiff nach einem hitzigen Beginn anfangs kleinlich. Was aber richtig war, denn so bekam er das Spiel in den Griff und leitete es bis zum Ende hin sehr gut.

Kurz nach der Halbzeitpause fiel dann das 1:0 für die "Albiceleste" durch Roberto Ayala. Aber dieses Gegentor hatte eine Signalwirkung für die deutsche Mannschaft, die daraufhin das Spiel an sich riss. Die Klinsmann-Elf war jetzt überlegen, die Nervosität wurde weitestgehend abgelegt und das Spiel fand fast nur noch in der argentinischen Hälfte statt. Trotzdem war es schwer gegen die gute argentinische Abwehr zwingende Torchancen herauszuspielen. Einer der besten Spieler des deutschen Teams war für mich Torsten Frings, der viel gelaufen ist und tolle Zweikämpfe lieferte, so dass er unglaublich viele Bälle vor der Abwehr abräumte.

Die Einwechselung von David Odonkor für Bernd Schneider in der 62. Minute brachte zusätzlichen Schwung. Der Dortmunder machte ein tolles Spiel auf der rechten Außenbahn. Sein Gegenspieler Juan Pablo Sorin wurde so in der eigenen Hälfte gebunden und konnte sich viel seltener in die Offensive der Argentinier einbringen.

Und in der 80. Minute fiel dann der erlösende, völlig verdiente Augleichstreffer durch Miroslav Klose. Nach einer Flake von Ballack verlängerte der ebenfalls eingewechselte Borowski und Klose traf zum 1:1. Klose, von dem im ganzen Spiel nicht viel zu sehen war, stand bei diesem Tor aber wieder genau richtig. In der 85. Minute kam dann Neuville für den Bremer. Nach dem Ausgleich der Gastgeber taten auch die Argentinier wieder mehr für ihre Offensive.

In der Verlängerung blieb es spannend. Die Deutschen, deren gute Fitness sich auch in diesem Spiel wieder zeigte, blieben zunächst überlegen, gegen Ende der zweiten Halbzeit wurden aber auch die Argentinier wieder gefährlich. Kurz vor Abpfiff prallte ein Weitschuss der Argentinier von oben auf die Latte, Lehmann hatte gesehen, dass der Ball nicht ins Tor kam. So etwas kann aber auch mal ins Auge gehen.

Es blieb auch nach 120 Minuten beim Unentschieden und so ging`s ins Elfmeterschießen. Beide Teams hatten bei Weltmeisterschaften bisher kein Elfmeterschießen verloren. Das können jetzt nur noch die Deutschen von sich sagen! Nervenstark und unglaublich sicher verwandelten Neuville, Ballack, Podolski und Borowski ihre Elfmeter. Bei den Argentiniern trafen dagegen nur Cruz und Rodriguez. Die beiden Schüsse von den erfahrenen Ayala und Cambiasso hielt Jens Lehmann und brachte die deutsche Elf damit ins Halbfinale – 5:3. Es freut mich für Jens, dass er bei dieser WM endlich auch die Gelegenheit hatte, sich auszuzeichnen und seine Klasse zu zeigen.

Ganz tolle Szenen auch unmittelbar vorm Elfmeterschießen: Als Oliver Kahn mit Jens Lehmann sprach, ihm auf die Schulter klopfte, die Hand gab und ihn unterstützte – eine ganz große Geste von Oli! Und es war sicherlich auch für Jens ganz wichtig, Oliver in diesem wichtigen Moment hinter sich zu wissen. Oder den Kreis, den Spieler, Ersatzspieler, Trainer und Betreuer unmittelbar vorm Elfmeterschießen bildeten, um sich noch mal Mut zu machen. Diese Mannschaft scheint wirklich eine eingeschorene Gemeinschaft zu sein, der ich jetzt auch den Weg bis ins Finale zutraue. Wer den Mitfavoriten Argentinien nach Hause schickt, kann es bis zum Titel schaffen.

Bei dieser Weltmeisterschaft im eigenen Land passt bislang einfach alles zusammen: Tolle Spiele der Mannschaft, überragende Fans, die ein unglaubliches Fest feiern, super Wetter und vielleicht auch noch etwas Glück, dass man bei einer WM benötigt. Ich freue mich jedenfalls schon auf das Halbfinale, wo die Deutschland-Party weitergeht!

 

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