Interview mit Alexander Bade

von Gerd Janiszewski (05/2006); Fotos:

Am Sonntag Nachmittag auf der Messe Fussball 2006 war das Gedränge auf dem Stand von goalkeeping.com groß. Grund: Alexander Bade - ein echter Sympathieträger - vom 1. FC Köln besuchte uns und gab auch gleich reichlich Autogramme. Alexander hatte viel Zeit mitgebracht und so plauschten wir noch ein bisschen über das Fussballspielen, Training, die Besonderheiten beim FC Köln und so manche anderen Dinge. Hier nun das offizielle Interview:

Du bist mit etwa 21 Jahren von Tennis-Borussia zum 1. FC Köln gegangen. Wie kam dieser Wechsel zustande?
Alex Bade: Wir haben mit meinem damaligen Verein gegen den FC um die Deutsche Meisterschaft gespielt und dabei sind die Kölner auf mich aufmerksam geworden. Sie haben mich dann noch ein Jahr beobachtet und nach dem ersten Kontakt ging dann alles ganz schnell.

Zum Start als Profi-Fußballer wird das eigene Leben ja ziemlich durcheinander gerüttelt. Kannst Du beschreiben, was damals in dir vorging?
Alex Bade: Da gab es eigentlich keine große Veränderung, da ich im Kopf immer dieses Ziel Profifußball hatte und folglich nur meinen Traum "nachlebte".

Scheinbar alles traumhaft gelaufen: In jungen Jahren direkt in den Bundesliga-Kader eines renommierten Klubs, in der ersten Saison 4. Platz - internationales Geschäft - fängt man da an zu träumen und zu schweben?
Alex Bade: Nein, mit Sicherheit nicht. Es war zwar eine tolle Zeit und es gab unvergessliche Erlebnisse, aber da ich nicht gespielt habe, gab es weiterhin genug Ziele, um weiter zu arbeiten.

Wie hart war es für Dich denn in den folgenden drei Jahren bei Köln und Uerdingen insgesamt "nur" vier Spiele zu bestreiten? Bist Du da in ein "Loch" gefallen?

Alex Bade: Auch das nicht. Ich bin damals nach Köln gegangen um zu lernen. Deshalb war ich nicht enttäuscht. Später in Uerdingen wollte ich dann spielen und habe es mit Verspätung dann auch geschafft.

Nach dem erfolgreichen Aufstieg mit Uerdingen in die 1. Bundesliga bist Du zum HSV gewechselt - weshalb dieser Wechsel?

Alex Bade: Wir haben damals den Aufstieg in der Rückserie leider verspielt und es gab in Uerdingen Anzeichen, dass es in naher Zukunft nicht besser wird (hat sich auch leider bewahrheitet) und da kam die Chance, es in der 1.Liga zu probieren, gerade recht.

Im Nachhinein betrachtet: War dieser Wechsel zum HSV die richtige Entscheidung - in Uerdingen warst Du immerhin Stammtorwart?
Alex Bade: Klar gibt es nichts schöneres als zu spielen, aber wegen der oben genannten Gründe war es richtig. Ich wollte immer in der 1.Liga spielen und das ging in Uerdingen nicht mehr.

Mittlerweile bist Du wieder beim 1. FC Köln - nun schon im siebten Jahr. Dein Vertrag läuft zum Ende der Saison aus. Wie geht's weiter mit Alexander Bade?
Alex Bade: Kürzlich hat sich mein Vertrag dank meines 10. Einsatzes verlängert, und wenn der FC weiter mit mir plant, wobei da die endgültige Entscheidung noch aussteht, bleibe ich sehr gerne.

Beschreibe doch mal kurz die wesentlichen Veränderungen des Torwartrainings im Laufe der Jahre.
Alex Bade: Das hängt eigentlich hauptsächlich vom jeweiligen Torwarttrainer und seinen Schwerpunkten ab. Der eine setzt mehr auf Technikschulung, der andere auf Koordination oder Athletik. Grundsätzlich muss ein Torwart natürlich viele Komplexe im Training abdecken, aber der größte Unterschied zu früher ist, dass jetzt viel mehr Wert auf fußballerisches Techniktraining gelegt wird.

Für's Training gibt's unterschiedliche Philosophien: die einen schwören auf den stetig selben Ablauf mit immer wieder denselben Übungen - die anderen ziehen die Abwechslung vor und trainineren regelmäßig mit anderen Übungen. Was für ein Typ bist Du?
Alex Bade: Natürlich hat man in der Saison immer ähnliche Abläufe, aber ich freue mich immer, wenn mal eine neue Übung eingestreut wird. Man macht sich ja auch mit seinem Trainer Gedanken, was man wie verbessern kann.

Was würdest Du gerne im Training verändern?
Alex Bade: Wenn ich mal eine Idee habe, dann kann ich die mit meinem Trainer absprechen oder man probiert sie aus. Dann sieht man ja, ob das ganze Sinn macht.

Arbeitet Ihr auch mit Videoaufnahmen?

Alex Bade: Im Training nicht, aber natürlich gibt es von den Spielen immer Videoanalysen.

Was hältst Du von den neuen Gedanken im Training, die Jürgen Klinsmann bei der Nationalelf versucht durchzusetzen?
Alex Bade: Ich finde es immer gut, etwas Neues auszuprobieren. Schon allein, um mal neue Reize zu setzen.

Im Umgang mit Deinen Fans wirkst Du sehr ruhig, geduldig und fröhlich - ist das für Dich nicht anstrengend immer "gut drauf" zu sein?
Alex Bade: Da unsere Fans in der Regel immer freundlich und nett sind, macht es doch auch Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten.

Speziell jetzt mitten im Abstiegskampf mit dem FC: Was würdest Du schätzen, wie groß ist der Anteil des sog. "Mutes der Verzweiflung", dass es jetzt auf einmal spürbar besser läuft als über weite Strecken der Saison?
Alex Bade: Sicher ist es einfacher, etwas unbelasteter zu spielen, aber der Hauptgrund ist, dass wir jetzt endlich eine Stammformation gefunden haben.

Dein Tipp für die WM2006?
Alex Bade: Deutschland kommt ins Viertelfinale und Weltmeister wird Italien.

Wir von Goalkeeping bedanken uns für das Interview und wünschen dir alles Gute auf deinem weiteren Weg.